Die Qual der Bischofswahl

MÜNSTER Rund ein Jahr wird es nach Einschätzung von Kirchenexperten dauern, bis Münster einen Nachfolger für Bischof Dr. Reinhard Lettmann haben wird. Nimmt der Papst den Amtsverzicht Lettmanns zu dessen 75. Geburtstag am 9. März an, stellen die 15 Diözesangeistlichen im Domkapitel die Weichen.

von Von Helmut P. Etzkorn

, 11.01.2008, 12:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ältestes Mitglied im hinter verschlossenen Türen streng geheim im Kapitelsaal des Domes tagende Domkapitel ist Dompfarrer Walter Böcker (74). Wie alle im Bistum geht er fest davon aus, dass der Papst den Amtsverzicht Lettmanns annimmt. "Es gibt keine erkennbaren Gründe, dass er das nicht tut", so Böcker.

Preußenkonkordat

Das Preußenkonkordat von 1929 regelt in einem "Vertrag des Freistaates Preußen mit dem Heiligen Stuhle" den Weg zum neuen Bischof von Münster. Als dienstältester Weihbischof übernimmt Heinrich Janssen automatisch die Amtsgeschäfte. Bereits am 10. März wählt das Domkapitel einen Administrator, der bis zur Ernennung des neuen Bischofs die Amtsgeschäfte führt. Nach Einschätzung Böckers dürfte die Wahl des Administrators auf einen der Weihbischöfe zulaufen.

Liste mit Kommentaren

Das Domkapitel unter Leitung vom Dompropst Alfers muss dann eine Kandidatenliste für die Lettmann-Nachfolge mit drei Namen aufstellen, die an den Apostolischen Nuntius (päpstlicher Gesandter) in Berlin geht. Der ständige Vertreter des Heiligen Stuhls in Deutschland holt "ausführliche und verlässliche Informationen" über die Kandidatenvorschläge aus Münster ein. Unter anderem werden Geistliche befragt, die die Bewerber gut kennen. Der Nuntius leitet seine Liste mit eigenen Kommentaren versehen an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und das Päpstliche Staatssekretariat in Rom weiter.

Neben dem Domkapitel können alle anderen "Bischöfe Preußens" Kandidatenlisten einreichen. Die Bischofskonferenz benennt zudem regelmäßig geeignete Kandidaten.

"Bis zu 50 Bewerber können so in Rom in die Auswahl des Vatikans kommen", mutmaßt Böcker. Deshalb wäre es zum jetzigen Zeitpunkt bei der Riesenauswahl an Bischöfen auch pure Spekulation, bereits einen Nachfolger namentlich zu fixieren.

Mehrheiten

Unter Würdigung aller Vorschläge wählt der Vatikan drei Kandidaten aus, die wieder nach Münster gemeldet werden. Nun tritt erneut das Domkapitel zusammen und wählt aus den drei Kandidaten den neuen Bischof. Böcker: "Wenn wir keinen der drei Vorschläge für wählbar halten, können wir die Liste ablehnen. Dann beginnt die Suche neu."

In den ersten beiden Wahlgängen ist die absolute Mehrheit notwendig, im dritten Wahlgang reicht die einfache. Bei Stimmengleichheit ist der Dienstältere gewählt. Anschließend müssen die Landesregierungen NRW und Niedersachsen zustimmen, ehe die Ernennung des Bischofs durch den Papst erfolgt. Böcker: "Die Suche nach einem Bischofs-Nachfolger ist für alle im Domkapitel eine ganz neue Erfahrung". Denn es ist 28 Jahre her, als das Domkapitel einen Bischof wählen musste. 1980 wurde Lettmann Nachfolger von Heinrich Tenhumberg und ist der 75. Bischof von Münster.

 

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