Die Quelle der Schadstoffe wurde ermittelt

Sythengrund

Durch eine zentrale Schmelze im Ersten Weltkrieg ist das Sythener Grundwasser bis heute stark belastet. Doch es gibt Hoffnung, denn die Quelle der Schadstoffe konnte jetzt ermittelt werden.

SYTHEN

von Von Silvia Wiethoff

, 01.03.2012, 18:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sachverständiger Dr. Winfried Entenmann ist erleichtert: Anhand eines alten Dokuments im Staatsarchiv Münster konnte die Hauptquelle ermittelt werden, die seit dem Ersten Weltkrieg das Grundwasser mit Sprengstoffverbindungen belastet.

Sachverständiger Dr. Winfried Entenmann ist erleichtert: Anhand eines alten Dokuments im Staatsarchiv Münster konnte die Hauptquelle ermittelt werden, die seit dem Ersten Weltkrieg das Grundwasser mit Sprengstoffverbindungen belastet.

„Die ganz große Schweinerei ist im Ersten Weltkrieg passiert“, sagt Dr. Winfried Entenmann und deutet in den Wald auf dem Gelände der Sythengrund Wasagchemie Grundstücksverwertungsgesellschaft in Lehmbraken. Wo es oberirdisch ganz friedlich aussieht, schlummert die Gefahr tief im Boden. Spuren von Sprengstoffverbindungen belasten das Grundwasser. Die „Fahne“ reicht bekanntermaßen bis zum Sythener Mühlenbach und verunreinigt vor allem private Brunnen in Lehmbraken. Noch für viele Jahre dürfen diese nicht mehr genutzt werden, aber es gibt ein wenig Licht am Horizont.Zentrale Schmelze Die Sythengrund hat die Hauptbelastungsquelle auf ihrem Gelände ausfindig gemacht, den Boden an dieser Stelle entsorgt und gleich mehrere Maßnahmen zur Sanierung des Grundwassers eingeleitet. Dort, wo ab 1916 die zentrale Schmelze in Betrieb war und der explosive Inhalt von Blindgängern aus französischer Produktion wiederverwertet wurde, sickerten Sprengstoffe bis auf den Grundwasserspiegel hinab. Dem Sachverständigen Winfried Entenmann ist es zu verdanken, dass der Standort ermittelt werden konnte. Er wühlte sich durch Unternehmensakten im Münsteraner Staatsarchiv und wurde bei einem unscheinbaren Dokument mit der Aufschrift „Umbauarbeiten“ fündig. Für die Herstellung neuer Granaten wurden in einer so genannten Taugrube mit Hilfe einer Heizschlange Sprengstoffe und Wasser voneinander getrennt. Die „dicke Brühe“, so Entenmann, „wurde abgeschöpft. Den Rest ließ man einfach ins Erdreich versickern.“TNT-Altlasten So entstand die belastete Grundwasserfahne, die in ganz eigener Weise auch heute noch an die Schrecken des Ersten Weltkriegs erinnert. Übrigens fand im Zweiten Weltkrieg die Abfüllung von Bomben, Torpedos und Granaten in direkter Nachbarschaft statt. Der Herd von TNT-Altlasten im Boden und Wasser wurde aber aufgrund der besseren Aktenlage schneller entdeckt. Winfried Entenmann kündigte für die Sythengrund an, dass man die Altlastensanierung weiter verfolgen werde. Man brauche aber sicher noch viele Jahre, um die Probleme endgültig in den Griff zu bekommen.

Das Unternehmen Sythengrund Wasagchemie Grundstücksverwertungsgesellschaft wird voraussichtlich 2014 mit der Sandgewinnung in Lehmbraken beginnen. Zu diesem Zeitpunkt soll auch die betriebseigene Bahnstrecke reaktiviert werden. Maximal 500.000 t Sand sollen jährlich abgebaut werden. Es ist geplant, die Hälfte dieser Kapazitäten per Zug abzutransportieren. Dann würde ein Zug mit einem Fassungsvolumen von 60 LKW täglich fahren. Das Sandvorkommen reicht etwa 16 Jahre. Sythengrund investiert in die Vorbereitungsarbeiten rund 13 Mio. Euro. Die Altlastensanierung ist in dieser Summe nicht enthalten. Über die Finanzierung verhandelt das Unternehmen mit dem Kreis Recklinghausen.

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