Die Stadt schließt, verkleinert und rettet Spielplätze in Haltern

mlzBis 2020

Die Stadt schließt oder verkleinert acht Spiel- und Bolzplätze in Haltern und in den Ortsteilen. Aber es gibt auch gute Nachrichten für das Marienviertel und den Westuferpark.

Haltern

, 21.03.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Rat der Stadt Haltern hatte 2012 einstimmig beschlossen, 29 alte oder wenig frequentierte Kinderspielplätze und acht Bolzplätze von insgesamt 130 Spielflächen bis zum Jahr 2020 zu reduzieren oder zu verkleinern, um den Haushalt zu sanieren. Dazu erstellte die Verwaltung eine komplette Übersicht und einen Ablaufplan, den sie auf Wunsch des Ausschusses Bauen und Verkehr jeweils zu Beginn eines jeden Jahres im Fachausschuss Bauen und Verkehr vorlegt. Acht Plätze standen in der Sitzung am 19. März zur Diskussion. Es wurde wieder heftig diskutiert.

Am Tulpenfeld

Der Spielplatz zwischen den Straßen Am Fliederbusch/Am Tulpenfeld/Im Nelkengarten wird in diesem Jahr geschlossen. Laut Gerd Becker, Leiter des Baubetriebshofes, liegt er so ungünstig zwischen Wohnhäusern, dass er nur „ungenügend erlebbar“ sei und deshalb kaum genutzt werde. Dieser Eindruck sei bei mehrmaligen Besuchen immer wieder bestätigt worden. Vier Spielgeräte sind überaltert, ein Dreifachreck könnte auf einem anderen Spielplatz wieder aufgebaut werden. Die SPD stimmte gegen die Schließung.

An der Marienkirche

2012 stand der Spielplatz an der Marienkirche auf der Streichliste, doch inzwischen wird er wieder so intensiv genutzt, dass eine Schließung nicht in Frage kommt. Die Verwaltung schlägt vor, ihn aus dem Stärkungspakt herauszulösen und ihn weiter zu betreiben. Stattdessen soll ein Spielplatz in Lippramsdorf geschlossen werden.

Hetfeld

Der Spielplatz am Hetfeld stammt aus dem Jahr 1978, die Geräte sind laut Baubetriebshof bis auf eine Spielkombination veraltet. Bei Auflösung wird diese Kombination auf dem Spielplatz am Saarplatz wieder aufgebaut. Kinder aus dem Hetfeld können alternativ im Wohngebiet Zu den Mühlen oder auf den Wasserterrassen an der Stadtmühlenbucht spielen, sagt die Stadt. Das findet Antje Bücker (SPD) nicht. Der Platz werde rege genutzt, die Alternativen lägen für die Familien viel zu weit weg, die Wasserterrassen seien zudem im Winter nicht nutzbar. Die SPD stimmte deshalb gegen die Schließung.

Römerstraße

Der Bolzplatz in der Grünanlage Römerberg an der Römerstraße wird aufgelöst: Die Tore müssen aus Gründen der Verkehrssicherheit abgebaut werden. Als Ausweichmöglichkeiten bieten sich für Kinder die Silverbergschule und der Bolzplatz Vogelsberg an. Der benachbarte Spielplatz ist ebenfalls in die Jahre gekommen. Doch die Verwaltung schlägt vor, diesen Bereich so zu belassen, weil hier häufig Kinder des Laurentiuskindergartens spielen. Aufwendige Reparaturen oder Neuanschaffungen werden allerdings seitens der Stadt fortan ausgeschlossen.

St.-Florian-Straße

Dieser kleine Spielplatz ist 1983 im Zug der Bebauung rund um die St.-Florian-Straße entstanden. Gerd Becker: „Er liegt verloren und wird wegen seiner veralteten Geräte so gut wie nie genutzt.“ In unmittelbarer Nähe befinden sich drei weitere Spielplätze. Er wird im Laufe des Jahres geschlossen.

Bolzplatz Annaberg

Der Bolzplatz am Rande des Annabergs wird von der Stadt unterhalten. Die jeweiligen Grundstücke gehören der RAG Deutsche Steinkohle beziehungsweise einer Familie aus Bergbossendorf. Angelegt wurde er in den 80-er Jahren für die Kinder von Bergbossendorf, mittlerweile ist dort ein abendlicher Treffpunkt geworden. Entsprechend vermüllt sei der Platz oft, erklärte Gerd Becker. Die Tore werden nach einstimmigen Beschluss des Ausschusses im kommenden Jahr abgebaut und die Grundstücke wieder den Eigentümern überlassen.

Westuferpark

Die Stadt legte den Spielplatz im Westuferpark 1981 auf dem Grundstück der Gelsenwasser AG an. Die Geräte sind veraltet und entsprechen nicht mehr der Norm. Deshalb wird die Stadt den Platz im kommenden Jahr zurückbauen und einsäen. Aber noch ist nichts verloren. Bürgermeister Bodo Klimpel betonte, es werde nach einer Lösung gesucht, damit auch Kinder hier wieder spielen können. Derzeit führt er deshalb Gespräche mit der Gelsenwasser AG.

Reiherhorst

Der Spielplatz im Sythener Reiherhorst stammt aus den 1960er-Jahren, die alten Spielgeräte müssen entsorgt werden. Allerdings plant die Stadt nicht die Auflösung, sondern lediglich eine Verkleinerung der Spielfläche. Dafür wird sie neu bestückt, die Stadt investiert 100.000 Euro. Der Ausschuss stimmte geschlossen zu.

Rückbau in acht Jahren

Haltern mit rund 80 Millionen Euro Schulden musste 2012 mit Eintritt in den Stärkungspakt einen Sanierungskurs einschlagen und unter Aufsicht der Bezirksregierung in allen Bereichen Positionen streichen. Dazu gehörte auch ein sukzessiver Spielplatzrückbau, wo er sinnvoll erschien und Personalkosten des Baubetriebshofes gesenkt werden konnte.

„Wir können nicht kneifen“

„Wir haben der Verwaltung nie einen Blankoscheck ausgestellt, sondern jede Maßnahme zunächst im Ausschuss diskutiert“, betonte Ausschuss-Vorsitzender Wolfgang Kaiser (SPD) und Andy Zimmermann (FDP) hat den Eindruck, dass Schließungen immer gut vorbereitet worden seien. Dass am Dienstagabend im Rathaus wieder gerungen wurde, gefiel Bürgermeister Bodo Klimpel nicht. „Die SPD wehrt sich gegen Schließungen. Im Gegenzug sollte sie dann so fair sein und alternative Flächen nennen. Wir dürfen hier nicht zulasten anderer Budgetbereiche diskutierten.“ Und es sei keineswegs so, wie von der SPD eingeworfen, dass die Stadt einfach Spielplätze zu mache. „Dieser Ausdruck suggeriert, wir täten nichts für Kinder“, ärgerte sich Klimpel.

Marlies Wesseler (Die Grünen) unterstützte den Bürgermeister. Spielplatzschließungen seien nicht populär, aber die Politiker hätten sie 2012 einstimmig beschlossen. „Wir können jetzt nicht kneifen, wir müssen das durchziehen“, sagte sie. Sie gab allerdings zu bedenken, dass durch die Verjüngung in Wohnvierteln in naher Zukunft möglicherweise wieder Spielplätze gebraucht würden. Deshalb müssten die Flächen frei bleiben, statt sie als Bauland zu vermarkten.

Eltern-Initiativen

Die Verwaltung hob am Ende hervor, manche eine Maßnahme zwar durchaus schmerzhaft für Beteiligte gewesen sei, allerdings sei aber auch der eine oder andere gute Kompromiss gefunden worden. Beispielhaft nannte Gerd Becker die Initiativen der Spielplatzritter und der Nachbarschaft Mühlenstege, die Spielplätze in ihre Verantwortung übernommen haben.

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