Die Zahl der Gottesdienstbesucher nimmt ab, die der Kirchenaustritte steigt

mlzKirchenstatistik

Die beiden großen christlichen Kirchen verlieren weiter Mitglieder. Aber nicht alle Zahlen entwickeln sich negativ.

10.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verlieren die christlichen Kirchen die Relevanz für das Leben der Menschen? Diese Sorge, die der Bischof von Münster Felix Genn anlässlich der Kirchenstatistik für das Jahr 2018 ausgesprochen hat, teilen immer mehr Christen. Die Zahlen für das Jahr 2018 sind aber nicht ausschließlich negativ.

In Haltern gab es 21.708 katholische Christen, im Vorjahr 2017 waren es noch 21.989, ein Rückgang von knapp 1,3 Prozent. Auch in der evangelischen Gemeinde sind die Zahlen leicht rückläufig. Sie zählte 2018 7337 Glieder, 2017 waren es 7357.

Insgesamt 75 kirchliche Trauungen in Haltern

In der katholischen Gemeinde fällt vor allem der starke Rückgang der Gottesdienstbesucher auf. Ihre Zahl sank von 2184 in 2017 auf 1604 im Jahr 2018. Deutlich gestiegen ist dagegen die Zahl der Trauungen. In der Pfarrei St. Sixtus wurden 60 Paare getraut, 2017 waren es lediglich 23. Auch in der evangelischen Gemeinde stieg die Zahl: von vier im Jahr 2017 auf 15 in 2018. Die Zahl der Taufen stieg in beiden Gemeinden ebenfalls an - 73 (65) in der evangelischen, 175 (159) in der katholischen Gemeinde. In der Erlöserkirche wurden auch mehr Jugendliche konfirmiert - 79 (61) -, in der Pfarrei St. Sixtus ging die Zahl der Erstkommunionen aber zurück -160 (190). Die Zahlen in Klammern beziehen sich jeweils auf 2017.

131 Mitglieder traten aus der katholischen, 69 Glieder aus der evangelischen Gemeinde aus. Beide Zahlen stiegen gegenüber dem Vorjahr, 2017 waren es 117 (St. Sixtus) und 52 in der evangelischen Gemeinde. Zehn Glieder traten dort neu ein, keiner allerdings in der katholischen Gemeinde.

„Die Menschen stimmen mit den Füßen ab“

Die Zahlen entsprechen in der Tendenz auch den Entwicklungen im evangelischen Kirchenkreis, bzw. auf Kreisdekanatsebene. Bei den Zahlen für das Bistum Münster fällt insbesondere eine deutlich höhere Zahl an Kirchenaustritten auf, 11.442 Mitglieder kehrten der katholischen Kirche im Bistum den Rücken, 2017 waren es noch 8696. „Die Zahlen lassen sich nicht schönreden“, erklärt Bischof Felix Genn zu der Statistik. „Die Menschen stimmen mit den Füßen darüber ab, ob sie uns für glaubwürdig und vertrauensvoll halten.“

Für den Bereich der katholischen Gemeinden sei sicher die Veröffentlichung der Studie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche für viele das auslösende Moment für den Kirchenaustritt gewesen. Die Verbrechen, die Priester an Kindern und Jugendlichen begangen hätten, könnten nicht ungeschehen gemacht werden, so Bischof Genn weiter. Er fordert eine schonungslose Aufarbeitung und Maßnahmen zur Prävention, um Missbrauch zukünftig zu verhindern.

Kirche in der Zeit und mit den Menschen

“Wenn wir nicht schon sehr bald nur noch eine sehr kleine Minderheit sein wollen, müssen wir bei vielem den Schalter umlegen.“ Felix Genn fordert, die katholische Kirche müsse wieder Kirche in der Zeit und mit den Menschen sein.

Durch Angebote mit kurzfristiger Bindung könne Kirche wieder attraktiver für die Menschen werden, findet Katrin Göckenjan, Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen. „Ganz wichtig ist bei unserer Arbeit eine veränderte Haltung: Wir müssen weniger Behörde sein, die sich um das Organisieren kümmert, sondern mehr Handelnde. Wichtig ist vertrauensvolles Handeln vor dem Hintergrund der christlichen Botschaft.“

Örtliche Vertreter der Halterner Kirchen waren für eine Stellungnahme leider nicht erreichbar.

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