Dieser Polizist ermittelt gegen die eigenen Kollegen

Beschwerdemanager

Er ist Chef von 800 Polizeibeamten und zuständig für ein Gebiet mit 740.000 Einwohnern in elf Städten. Mit dem Verhalten seiner Mitarbeiter gegenüber den Bürgern kann Frank Schankin zufrieden sein. Denn der Beschwerdemanager der Polizei hatte es im letzten Jahr nur mit 137 Klagen über Polizeibeamte kreisweit zu tun.

HALTERN

, 07.09.2017, 15:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Frank Schankin, Direktionsleiter Gefahrenabwehr und Einsatz sowie der für Dorsten und Haltern zuständige Beschwerdemanager.

Frank Schankin, Direktionsleiter Gefahrenabwehr und Einsatz sowie der für Dorsten und Haltern zuständige Beschwerdemanager.

„137 Beschwerden sind angesichts von 193.500 Einsätzen wenig“, sagte der Direktionsleiter Gefahrenabwehr und Einsatz im Polizeipräsidium Recklinghausen im Gespräch. Die Zahlen seien seit Jahren gleichbleibend niedrig. Ein falsches Wort, arrogantes oder respektloses Verhalten oder mutmaßliche Beleidigungen legen Bürger Polizeibeamten zur Last. Bürger beklagen sich auch darüber, dass Polizisten Knöllchen schreiben, wenn sie mit einem Handy am Steuer erwischt werden. Frank Schankin bekommt diese Klagen auf den Tisch. Denn Beschwerden sind Chefsache.

Schankin geht den Vorwürfen gegen die Beamten „sehr gründlich nach“. Das Beschwerdemanagement habe die Polizei sich selbst als Verpflichtung auferlegt: „Noch bevor es dazu einen ministeriellen Erlass gegeben hat.“ Im Beschwerdefall sucht Frank Schankin im elektronischen Archiv nach Indizien für die Vorwürfe. Bei jedem Einsatz werde eine elektronische Notiz von der Leiststelle angelegt. Außerdem gebe es Bänder mit Aufzeichnungen aller Notrufe. „Die bewahren wir einen Monat auf“, sagte Pressesprecherin Ramona Hörst.

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Aber auch die Einsatzbeamten gingen auf Nummer sicher, wenn es aus ihrer Sicht problematische Begegnungen gegeben hat. „Sie legen Gedächtnisprotokolle an oder schreiben Notizen, um sich darauf stützen zu können.“ Wie verhält sich der Beamte im Arbeitsalltag, was sagt der Dienstvorgesetzte dazu? Fragen, die Schankin in seine Ermittlungen einbezieht. „In zwei Dritteln der Fälle (79) sind die Vorwürfe haltlos gewesen“, hat er nach Recherchen festgestellt.

Die Untersuchungen von Schankin laufen mehrgleisig: „Es gibt auch immer ein Gespräch mit dem Bürger, der sich beschwert hat.“ Das komme gut an, so Schankin. „Oftmals lassen sich als problematisch empfundene Situationen im Nachhinein ausräumen.“ Menschen stünden bei Notrufen unter Stress und könnten das betont sachliche Verhalten am anderen Ende der Leitung nicht richtig einordnen: „Das klingt dann schon mal, als ob der Gesprächspartner uninteressiert sei, das ist aber nicht der Fall. Denn bei einem Notruf hört der Beamte nicht nur zu und vergewissert sich, ob die Angaben stimmen, sondern setzt auch alles in Bewegung, um Hilfe zu schicken.“ Ein Drittel (27) der Beschwerden sei berechtigt gewesen: „Zum Beispiel, wenn eine Anzeige nicht geschrieben worden ist. Das ist Strafvereitelung im Amt und wird von der Staatsanwaltschaft untersucht.“

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