Diskussion: Hat der Karneval in Haltern am See eine Zukunft?

mlzPro und Contra

Alaaf und Helau aus Haltern! Haben Sie nix mit am Hut? So geht’s vielen hier. Die Geschäfte haben normal geöffnet, kaum Verkleidete sind unterwegs. Hat der Karneval hier eine Zukunft?

Haltern

, 04.03.2019, 15:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über Facebook und Instagram haben wir unsere Nutzer gefragt, was sie von der Fünften Jahreszeit halten - und nur ein Viertel von mehr als 800 Leuten haben sich als Karnevals-Fans geoutet. Unsere Redakteure Kevin Kindel und Christopher Kremer diskutieren: Karneval retten oder im Rheinland lassen?

Rettet den Karneval - von Kevin Kindel

Leute, lasst doch mal ein bisschen Spaß in euer Leben! Warum gibt es in Haltern am See den Karneval nur drei Stunden lang in Pfarrheimen? Klar, Bilder von sturzbetrunkenen Menschen und ihren Hinterlassenschaften will niemand in der Stadt sehen. Aber es liegt ja an jedem selbst, ob solche Bilder entstehen.

Meistens überwiegt doch die gute Laune. Am 1. Mai ist die Stimmung in Haltern am See immer so gut - das könnte Rosenmontag genau so sein. Stattdessen sieht man inzwischen noch nicht einmal mehr Halterner am Bahnhof, die in Richtung Rheinland fahren.

Ich bin in Dortmund aufgewachsen, nicht gerade Karnevals-Hochburg, aber mit einem gesunden Party-Mittelmaß wie ich finde. Dröge Büttenreden und schlechte Gags kann ich auch nicht leiden - es gibt ja durchaus auch lustige moderne Kabarettisten. Aber dass Deutschland gerade aus einem blöden Witz von Bernd Stelter eine ernsthafte Diskussion über politische Korrektheit macht, ist doch echt bezeichnend.

Selbst im norddeutschen Bremen, wo ich einige Jahre lang gewohnt habe, gibt es einen Karnevalsumzug. Mit dem Karneval verschwindet gerade eine schöne Tradition aus unserer Region zusehends. Ein Tag lang Verkleidung, gute Laune, schunkeln und singen mit fremden Menschen: Das tut niemandem weh, könnte höchstens für Muskelkater im Gesicht sorgen. Probieren Sie‘s mal! Vielleicht gibt‘s dann ja auch mal wieder mehr Veranstaltungen in Haltern.

Lasst den Karneval im Rheinland - von Christopher Kremer

Wissen Sie, was in Haltern für ein Tag war? Genau. Montag. Wie jede Woche. Nach dem Wochenende ist der erste Tag der Woche zwar so ein bisschen wie die „Nur-noch-drei-Spots-Werbung“ im abendlichen Fernsehprogramm. Aber er ist eine Herausforderung, die Woche für Woche und Monat für Monat auf uns wartet.

Und was haben Sie gehört, an diesem ersten Montag im März? Genau. Nichts. Einfach toll! Kein Alaaf, kein Helau, kein Trömmelchen und kein Viva Colonia. Die einzigen Züge, die am Montag in Haltern fuhren, fuhren in den Bahnhof ein - und dann auch möglichst planmäßig wieder heraus.

Hat Ihnen gestern etwas gefehlt? Vielleicht ein halbnacktes Känguru, dass das letzte Bier zu 95 Prozent wieder auf dem Bürgersteig verteilt - und damit meine ich nicht direkt aus der Flasche? Oder vielleicht ein fast täuschend echter Donald Trump, der mit orange-gelber Farbe im Gesicht und blond-grauer Föhnwelle versucht, eine Bratwurst inklusive Brötchen und Serviette quer zu essen? Oder - mein persönlicher Höhepunkt - vielleicht die gezwungene Lustigkeit auf den Straßen, die der Karneval mit sich bringt?

Mir zumindest hat es nicht gefehlt. In Köln und Düsseldorf sind die Kängurus und die Trumps an diesen Tagen nicht wegzudenken. Und das ist auch gut so und ihr gutes Recht. In Haltern allerdings kann es auch in Zukunft gerne einfach Montag bleiben. So ein Montag wie jeden Montag. Am liebsten mit Sonnenschein.

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