Diskussion um Stadtmühle: Ehepaar verlegt Schlafzimmer, um sich vor Disco-Lärm zu schützen

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Als Chemikant mit Wechselschicht sehnt sich ein 54-Jähriger vor allem nach Ruhe. Die hat er an der Stadtmühle nicht mehr. Er und seine Frau haben deshalb nicht nur ihr Schlafzimmer verlegt.

Haltern

, 21.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Baugrundstück im Mühlbachtal in direkter Nachbarschaft zur Stadtmühle war für das Halterner Ehepaar ein Traum. Auf der idyllischen Parzelle entstand ein schmales Haus nach seinen Wünschen mit direktem Zugang zum Mühlenbach und viel Grün als Sichtschutz. Seit dem Einzug im Jahr 2000 hat sich viel geändert. „Es ist vor allem laut geworden“, bedauert der 54-Jährige.

Mit Namen möchte er nicht genannt werden, weil öffentlich gemachter Ärger rund um die Stadtmühle in den sozialen Netzwerken zum Teil sehr respektlos kommentiert worden sei. Er will sich und seine Familie davor schützen.

Wechselschichtler braucht Ruhe

Damals habe es auch schon die Stadtmühle mit Gastronomie und Disco gegeben, sagt der Halterner, der das Haus mit Ehefrau und Sohn bewohnt. „Aber es hat sich viel geändert. Früher existierte der Außenbereich für rauchende Disco-Besucher noch nicht und es kam auch nicht so junges Publikum. Die Fenster der Disco blieben geschlossen und dicke Vorhänge schirmten die Anwohner vor aufgedrehter Musik ab“, sagt er.

Heute sei es teilweise so laut, dass das Ehepaar inzwischen mit dem Schlafzimmer zur anderen Seite des Hauses umgezogen ist. Als Wechselschichtler im Chemiewerk Krefeld braucht er Schlaf. Sieben Mal innerhalb von fünf Wochen fährt er morgens sogar schon um 3.30 Uhr zur Arbeit.

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Laute Musik von der Stadtmühle

Samstags sei an der Stadtmühle der schlimmste Tag. Die jungen Gäste, so beobachtet der Chemikant, kommen abends spät, meistens erst um Mitternacht. Sie glühen vor der Stadtmühle vor, tanzen in der Disco ab und vertreiben sich danach oft bis zum frühen Morgen die Zeit draußen auf den Bürgersteigen, unter der Eisenbahnbrücke oder auf der Verkehrsinsel. Zurück bleiben Flaschen, häufig Glassplitter und immer wieder gebe es unschöne Szenen mit Schlägereien und Polizeieinsatz.

Der Jugend nicht den Spaß verderben

Doch fortziehen möchte er trotzdem nicht. Nur Frieden. Als alter Daddy-Gänger versteht der Halterner, dass die jungen Menschen feiern wollen. „Sie sollen auch ihren Spaß haben. Den will ich ihnen nicht verderben.“ Statt auf einen handfesten Streit mit den Betreibern der Stadtmühle setzt der 54-Jährige auf Gespräche: „Hin und wieder, wenn es zu viel wird, gehe ich zur Stadtmühle. Ich wünsche mir Rücksichtnahme und eine gute Nachbarschaft.“ Das Haus möchte die Familie nicht verkaufen, allerdings „sind wir hier nicht mehr so glücklich wie zu Beginn.“

Lärmgutachten gefordert

Eine Familie aus der Nachbarschaft allerdings lässt sich den Lärm nicht bieten. Sie hat vor wenigen Monaten bei der Stadt beantragt, gegen die Lärmemissionen einzuschreiten. „Bei der Prüfung haben wir feststellt, dass für die Raucherzone kein Lärmschutzgutachten vorliegt“, erklärte dazu Stadtsprecher Georg Bockey.

Diskussion um Stadtmühle: Ehepaar verlegt Schlafzimmer, um sich vor Disco-Lärm zu schützen

Der Raucherbereich der Discothek Stadtmühle wird jetzt durch eine Gabionenwand abgeschirmt. © Elisabeth Schrief

Die Stadt habe dann dieses Gutachten unverzüglich vom Eigentümer eingefordert. Inzwischen wurde eine Gabionen-Wand gezogen, um den Außenbereich abzuschirmen. Laut der klagenden Familie hat sich trotzdem die Situation nicht verbessert.

Wasserspielplatz laut wie ein Freibad

Dass die Wohlfühl-Atmosphäre gelitten hat, liegt für den Chemikanten aber nicht allein an der Stadtmühle. Genauso genervt ist die Familie von den neuen, 2017 angelegten Wasserspielen in der Stadtmühlenbucht. Durch die Neugestaltung ist ihr Garten jetzt frei einsehbar. Darüber mag der 54-Jährige noch hinwegsehen.

Aber in dem kleinen, feinen Garten fängt sich der Lärm von Besuchern der Wasserterrassen in der Stadtmühlenbucht. Der Wasserspielplatz hat sich zu einem beliebten Ausflugsziel für Halterner Familien und auch Touristen entwickelt, an guten Tagen sei es so laut wie in einem Freibad.

„Zusätzlichen Krach verursachen die Laubbläser und Kehrmaschinen, die morgens oft schon ab 7.30 Uhr dröhnen“, am liebsten würde sich der 54-Jährige mal bei der Stadt beschweren. Und so haben die Eheleute nicht nur ihr Schlafzimmer verlegt, sondern inzwischen auch den Sitzplatz von der Gartenterrasse zur Straßenseite ihres Hauses.

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