Dönninghaus-Inhaber erinnert mit korrigierter Chronik an Halterner Juden Jakob Meyer

mlzEnteignet und ermordet

Mehr als 80 Jahre nach der Eröffnung hat die Bochumer Kult-Metzgerei Dönninghaus sich öffentlich einem ehemaligen Halterner Bürger gewidmet. Der Jude Jakob Meyer war Vorbesitzer der Firma.

Haltern

, 12.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die Fleischerei Dönninghaus blickt auf eine wechselvolle, mittlerweile über 80-jährige Firmengeschichte zurück“, ist auf der Internetseite der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Bochumer Kultmetzgerei zu lesen. Nach Kritik an der Chronik des Unternehmens ist dort nun auch von dem Teil der Geschichte zu erfahren, die der Halterner Jude Jakob Meyer entscheidend geprägt hatte. Wie die Halterner Zeitung bereits berichtet hatte, war Jakob Meyer der Vorbesitzer der Firma. Das hatte Dönninghaus bislang verschwiegen. Der Betrieb ist von den Nationalsozialisten arisiert worden. Der Bochumer Historiker Dr. Hubert Schneider zeigte sich erfreut, „dass nun eine entsprechende Information auf der Homepage zu finden ist“. Auch wenn diese Information rein aus der Perspektive des Unternehmens verfasst worden sei.

Aber zunächst zur Vorgeschichte: In seinem Podcast „Fest und flauschig“ hatte der TV-Satiriker Jan Böhmermann 2018 auf die Firma Dönninghaus aufmerksam gemacht. „Die Geschichte der Bochumer Kultwurstmanufaktur sollte dringend mal ausführlich recherchiert werden“, hatte Böhmermann gefordert, wobei er auf den Juden Jakob Meyer verwies, der mit seiner Metzgerei 1937 an der Brückstraße - dem Firmensitz von Dönninghaus - von den Nazis enteignet worden sei.

10.500 Reichsmark blieben übrig

Vom Historiker Hubert Schneider wurde dieser Sachverhalt bestätigt. Wie berichtet, hatte daraufhin der Bochumer Finanzbeamte und Hobby-Historiker Simon Zimmer (25) die Recherchen zu dem Fall aufgenommen.

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Demnach hatte sich Jakob Meyer 1928 in der Bochumer Brückstraße selbstständig gemacht. Nach der Enteignung 1937 kaufte Otto Dönninghaus den Betrieb. Auf der Webseite der Metzgerei ist allerdings von einer Arisierung keine Rede. Vielmehr habe Meyer Schulden beim Vorbesitzer gehabt und sich zum Verkauf entschieden, als die Nationalsozialisten zum Boykott jüdischer Geschäfte aufriefen, heißt es. Dönninghaus kaufte das Unternehmen, beglich die Schulden bei Meyers Vorbesitzer. Meyer selbst seien dann noch 10.500 Reichsmark von der Kaufsumme geblieben. Im Rahmen eines Wiedergutmachungsverfahrens nach dem Krieg seien zudem 20.000 Mark an die Witwe und den Sohn von Jakob Meyer gezahlt worden.

Jakob hatte keinen Zugriff auf das Geld

„Aus der Sicht der Familie Dönninghaus ist das richtig dargestellt“, erklärte Hubert Schneider auf Nachfrage. Allerdings werde Jakob Meyer damals wohl kaum einen Pfennig gesehen haben. „Jüdische Geschäftsleute hatten ja gar keine Verfügungsgewalt über die Konten. Die waren ja alle eingefroren.“ Dennoch ist der Historiker froh, dass Dönninghaus-Nachfolger und -Inhaber Dirk Schulz Geschichtsbewusstsein beweise und mit der Erklärung im Netz zu mehr Transparenz beitrage.

Auch Hobby-Historiker Simon Zimmer zeigte sich zufrieden, einen kleinen Beitrag zur Erinnerung Jakob Meyers geleistet zu haben. Dieser hatte nach der Enteignung einige Monate an der Rekumer Straße in Haltern gelebt, bevor er vor den Nazis flüchten musste. Viele Verwandte wohnten ebenfalls in der Seestadt. Jakob Meyer wurde im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

Simon Zimmer hat jetzt noch einen einzigen Wunsch. Ein Stolperstein für den Halterner Juden solle in der Revierstadt noch installiert werden, meint er. „Dann würde es ein Andenken an Jakob Meyer über die Berichterstattung hinaus geben.“

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