Dolmetscherin Maja Wehner übersetzt auch schon mal Liebesbriefe und Schimpfwörter

mlzDolmetscherin in Haltern

Sprache ist ihr Metier: Für Maja Wehner ist sie der Schlüssel zur Welt. Die Halternerin sorgt dafür, dass sich Menschen besser verstehen. Auch vor Gericht.

Haltern

, 18.02.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie hat sogar schon Liebesbriefe übersetzt, meistens beschäftigt sich Maja Wehner aber mit weniger emotionalen Inhalten: Seit 2011 arbeitet sie als selbstständige Dolmetscherin und Übersetzerin für Polnisch und Deutsch in Haltern. Häufig übersetzt sie auch bei Gerichtsprozessen.

Sprache ist ihr Metier und das schon seit ihrer Jugend. Maja Wehner wurde 1980 in Plock in Polen geboren. Dort studierte sie Politikwissenschaften und machte Magisterabschlüsse in Europastudien und in Journalismus und Public Relations.

„Schon in der Schule hatte ich drei Fremdsprachen gelernt“, erinnert sie sich, „Englisch, Deutsch und Russisch.“

2003 zog sie nach Deutschland und arbeitete zunächst als Redakteurin bei einer Tageszeitung im Sauerland. Anschließend war sie zwei Jahre bei Bertelsmann in Gütersloh tätig, bevor sie 2008 der Liebe wegen nach Haltern zog.

Familie und Beruf unter einem Hut

2009 wurde ihr erster Sohn geboren und Maja Wehner dachte darüber nach, sich beruflich neu aufzustellen. Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, war ihr Ziel. Sie absolvierte eineinhalb Jahre lang eine Fachausbildung zur Dolmetscherin bei einem Lehrinstitut der IHK Düsseldorf, Schwerpunkt: Rechtswesen.

Sie ist geprüfte Übersetzerin und Fremdsprachenkorrespondentin für Polnisch und Deutsch auf einem der Muttersprachlichkeit entsprechendenden Level. Vom Oberlandesgericht Hamm und vom Landgericht Essen wurde sie als beeidigte Dolmetscherin für die polnische Sprache bestellt.

Schriftliche Übersetzungen, aber auch das Dolmetschen bei mündlichen Verhandlungen - beides bietet Maja Wehner an. „Das Dolmetschen nimmt etwa 40 Prozent meiner Tätigkeit ein, ich arbeite gern mit Menschen, das macht mir den meisten Spaß.“

Schimpfwörter übersetzen

Dass es dabei manchmal auch zu unangenehmen Situationen kommt, ist zum Glück die Ausnahme. „Einmal war ich bei Geschäftsverhandlungen in einem Unternehmen dabei, da gerieten die Beteiligten in Streit, wurden laut und warfen sich Schimpfwörter an den Kopf, die ich auch leider übersetzen musste“, erinnert sie sich.

Dass sie sich selbst schon mal in einem Angebotsschreiben als „beleidigte (statt beeidigte) Dolmetscherin“ bezeichnet hat, auch das nimmt Maja Wehner mit Humor. „Der Kunde hat das zum Glück auch getan“, sagt sie und schmunzelt.

Sie schätzt an ihrem Beruf vor allem die Vielfalt. „Er ist sehr abwechslungsreich und ermöglicht mir, auch für meine beiden Kinder und die Familie da zu sein. Tagsüber kann ich mich um sie kümmern, wenn sie mich brauchen, und arbeite dann oft nachts, weil sich sowieso eine Nachteule bin“, gibt sie zu.

Übersetzen, das heißt nicht nur, die richtigen Wörter einer Sprache zu kennen. Es ist mehr: „Vieles kann man gar nicht eins zu eins übersetzen“, sagt Maja Wehner. „Man muss die Kultur eines Landes kennen, die regionalen Sprachgewohnheiten, auch vielleicht die Geschichte und die gesellschaftlichen Verhältnisse. Das alles spielt beim Übersetzen eine Rolle.“

Ehrenamtliches Engagement

Wirtschaft und Politik sind ihre wesentlichen Tätigkeitsfelder. „In Technik kenne ich mich nicht aus, da verweise ich an Kollegen aus dem Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer, dem ich angehöre“, sagt Maja Wehner. Natürlich ist sie nicht nur vor Gericht gefragt, sie begleitet auch Menschen zu Behördengängen, zum Standesamt oder zu Ärzten. „Sehr oft übersetze ich auch Zeugnisse, Dokumente und Studiendiplome zur Anerkennung von Abschlüssen aus Polen in Deutschland.“

Und Maja Wehner setzt sich auch ehrenamtlich für ihre Muttersprache ein. In Haltern gehört sie zu den Mitbegründerinnen des Vereins Polonicum, der muttersprachlichen Unterricht für Kinder mit polnischer Herkunft anbietet.

Ganz nebenbei ist sie noch sportlich aktiv, fährt Mountainbike und ist Pressewartin der Radsportabteilung des ATV Haltern. In Haltern hat Maja Wehner beruflich und privat ihren Lebensmittelpunkt gefunden.

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