Die Wohnanlage Seniorengerechtes Wohnen im Wohngebiet Elterbreischlag in Sythen: Von der ursprünglich geplanten Parkanlage keine Spur. © Ingrid Wielens
Seniorengerechtes Wohnen

Ehepaar zum Bauprojekt Elterbreischlag: „Wo bleibt da die Gerechtigkeit?“

Zur Betreuung alter Menschen wird ein Wohnkomplex in Sythen gebaut. Von den ursprünglichen Versprechen bleibt am Ende nichts. Ein Ehepaar, dass sich nun mit den Realitäten abfinden soll, berichtet.

Das Ehepaar Marlit und Jochen Büren-Kolk ist empört. Und mit den beiden Sythenern sind es auch viele Nachbarn. Seit eine nachträgliche Genehmigung des Bauprojekts Seniorengerechtes Wohnen im Wohngebiet Elterbreischlag durch die Stadt Haltern als rechtswidrig eingestuft wurde, Sanktionen aber unterbleiben, hat das Ehepaar sein Vertrauen in die Politik verloren. „Die Stadt muss keine Konsequenzen fürchten – das ist unvorstellbar“, sagt Marlit Büren-Kolk.

Wie berichtet, hatte die Stadt Haltern einen nachträglichen Bau-Antrag der TSC Osmium genehmigt. Erst dadurch konnte in dem Sythener Wohngebiet ein überdimensionierter Gebäudekomplex entstehen. In drei Punkten ist das Bauprojekt Seniorengerechtes Wohnen nicht mehr durch den Bebauungsplan gedeckt. Dies betrifft die Höhe (es ist 1,14 Meter zu hoch), die Geschossigkeit (das Gebäude hat drei Geschosse) und die Verbindung einzelner Gebäudeteile mit blickdichten Treppenhäusern aus Mauerwerk. Das hatte der Kreis jetzt zum Abschluss seiner mehr als ein Jahr währenden Prüfung festgestellt.

„Alles bleibt einfach so, wie es ist“

„Es ist rechtswidrig, aber alles bleibt einfach so, wie es ist“, stellt Marlit Büren-Kolk desillusioniert fest. „Wo bleibt da die Gerechtigkeit?“, fragt sie.

Das Ehepaar ist tief frustriert.

Ein Bild von Januar 2020: Die fünf „Stadtvillen“, wie die Stadt sie bezeichnete, verschmolzen zu zwei großen Wohnkomplexen, jeweils verbunden durch Beton-Treppenhäuser. © www.blossey.eu © www.blossey.eu

„Wir hätten dieses Grundstück niemals gekauft, wenn wir damals von dieser Entwicklung gewusst hätten“, erklärt Jochen Büren-Kolk. Fünf Stadtvillen seien damals von der Stadt angepriesen worden – „ein Leuchtturmprojekt“, erinnert er sich.

„Keinem ist durch dieses Projekt geholfen“

Was davon geblieben ist, nennt er „das Ding“, „den Koloss“, „einen Auswuchs von Sinnlosigkeit, gegossen in Beton“. Sinnlos, weil kaum jemand sich die teuren Wohnungen leisten könne. Geschweige denn ältere Menschen.

Sinnlos auch, weil „gerade alte Menschen hier versorgt werden sollten“, stellt Jochen Büren-Kolk fest. Für die Stadt sei das ein herber Schlag. Und sinnlos sei das Projekt schließlich auch für die TSC Osmium, weil die GmbH ob der bislang recht erfolglosen Vermarktung Riesenverluste einfahre. „Keinem also ist durch dieses Projekt geholfen.“

Betroffenes Ehepaar schließt Umzug nicht aus

Jochen Büren-Kolk glaubt kaum noch „an den Rechtsstaat“. Ein solches Vorgehen wie im Elterbreischlag treibe die Bürger von der Politik weg, sagt er.

Als Zuhause empfindet das Ehepaar Büren-Kolk sein Haus am Eltritt nach eigenem Bekunden schon lange nicht mehr. Die gewaltige Gebäudefassade direkt gegenüber nehme das Licht. „Wir werden eine Weile schauen, ob wir unter diesen Bedingungen hier leben können und was es mit uns macht“, ergänzt Marlit Büren. Sie meint es ernst. Umzug nicht ausgeschlossen.

Nach Abschluss der Prüfung durch den Kreis wollen Marlit und Jochen Büren-Kolk den Fall nun aber erneut rechtlich prüfen lassen. Zusammen mit einigen Nachbarn, wie sie sagen. Bei Aussicht auf Erfolg werde eine Klage durchaus in Erwägung gezogen, heißt es.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Geboren in Dülmen, Journalistin, seit 1992 im Medienhaus Lensing - von Münster (Münstersche Zeitung) über Dortmund (Mantelredaktion Ruhr Nachrichten) nach Haltern am See. Diplom-Pädagogin und überzeugte Münsterländerin. Begeistert sich für die Menschen und das Geschehen vor Ort.
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Ingrid Wielens

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