Ein dickes Fell - oder: Wie man souverän mit Kritik umgeht

Kolumne

In der Leben-Kolumne schreibt Marc Bracht über Gesundheit und Wellness. Diesmal geht‘s um das sprichwörtliche „dicke Fell“.

29.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schafe haben ein dickes Fell. Wir sollten uns auch ein zulegen, findet Leben-Redakteur Marc Bracht

Schafe haben ein dickes Fell. Wir sollten uns auch ein zulegen, findet Leben-Redakteur Marc Bracht © Montage: Adobe Stock/Kaminski

Im letzten Jahr verstarb in Australien das ausgebüchste Merino-Schaf Chris. Jahrelang war der Paarhufer in freier Wildbahn unterwegs gewesen. Das Ergebnis: Chris trug rund 42 Kilogramm Wolle am Leib. Ganz schön dickes Fell, möchte man da sagen. Wenn ich so an mir herunterschaue, kann ich nur wenig bis keine Ähnlichkeit mit dem tierischen Kollegen aus Down Under feststellen. Dabei täte mir - oder uns allen - ein dickeres Fell manchmal ganz gut.

Ein dickes Fell haben: Was bedeutet das eigentlich?

Die Redewendung „Ein dickes Fell haben“ kennen wir alle. Doch woher kommt sie eigentlich? Schauen wir uns Tiere wie Chris an, wird direkt klar, um was es geht. Tiere mit einem dicken Fell sind unempfindlicher gegen Kälte und gut geschützt vor Angreifern.

Im übertragenen Sinne bedeutet das also, dass ein Mensch mit einem „dicken Fell“ sich nur wenig aus Angriffen, Kritik und Vorwürfen von anderen macht. Diese werden einfach davon abgehalten, in sein Inneres zu dringen. Sein „Fell“ lässt sie nicht durch.

Kritik: Verhalten nicht mit Person gleichsetzen

Wahrscheinlich hat sich jeder von uns schon mal niedergeschlagen gefühlt, wenn andere etwas an einem auszusetzen hatten. Sei es durch direkte Kritik an etwas oder dadurch, dass man von anderen erfährt, dass jemand schlecht über einen spricht. Während derjenige dann schon längst wieder zur Tagesordnung übergegangen ist, denkt der Kritisierte meist noch lange Zeit darüber nach.

Es ist wichtig, zu lernen, wie man souverän mit Kritik umgeht. „Kritik ist eine Rückmeldung der Umwelt auf unser Verhalten, die uns helfen kann, zu lernen und zu wachsen, uns anspornen, aber auch frustrierend wirken kann“, argumentiert Business Coach Anja Gerber-Oehlmann in der FAZ. Die Frage hier: Wie geht das?

Kritik an unserem Verhalten verletze häufig unser Grundbedürfnis nach Selbstwert und Anerkennung, so die Experten. Es sei aber wichtig, unser Verhalten von unserer Person zu trennen. Heißt: Wenn jemand mein Verhalten kritisiert, kritisiert er lediglich mein Verhalten, nicht mich als Person.

Wie man souverän mit Kritik umgeht

Es gibt konkrete Maßnahmen, die man ergreifen kann, wenn man kritisiert wird. Als allererstes sollte man erst einmal durchatmen, um das Gehörte überhaupt zu verarbeiten, richtig zu verstehen und einzuordnen.

Als nächstes kann man die Kritik noch einmal als Frage an seine Kritiker zurückgeben. Nach dem Motto: „Habe ich das richtig verstanden, dass...?“ Diese Maßnahme hilft, mögliche Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Wenn wir uns in unserer Persönlichkeit verletzt sehen, kann das nämlich schnell mal dazu kommen.

Es hilft zudem, die Perspektive des Kritikers einzunehmen, um sich einmal selbst zu fragen, wo denn sein Problem genau liegen könnte, und ihn dann zu bitten, seine Erwartungen konkret zu formulieren.

Wer diese drei Schritte beherzigt, wird ganz bestimmt so wie der Australier Chris - ganz schön dickfellig.

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