Ein Ehepaar wird mit kuriosen Karten und Paketen belästigt

mlzFall für die Polizei

Ein Ehepaar bekommt ständig Dinge, die es nicht bestellt hat. Besonders kurios war eine mit seiner Unterschrift ausgefüllte Karte, die ein Zeitschriften-Abo ankündigt. Adressat: Römermuseum.

Haltern

, 26.02.2019, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein älteres Ehepaar aus Haltern-Lippramsdorf, 77 und 80 Jahre alt, ist nur noch genervt. Immer wieder steht der Postbote mit einem Päckchen vor der Tür, obwohl nichts bestellt wurde. Zuletzt war es eine Salbe gegen schmerzende Gelenke. Besonders kurios empfanden die Eheleute eine Karte, die mit ihrer vollen und korrekten Adresse ausgefüllt und mit ihrer - allerdings gefälschten - Unterschrift versehen war. Diese Postkarte kündigte ein Abonnement für eine „verständliche I-Pad-Anleitung“ an. Zwölf Ausgaben sollten je 14,95 Euro kosten. Als Absender der Karte ist das Römermuseum angegeben.

Angst und Sorge

Ein anderes Mal stand ein Energieberater vor der Tür. Ihn sollten die Eheleute angeblich angefordert haben, um das Haus auf Elektroheizung umzustellen. Auch ihn hatten die Lippramsdorfer nicht bestellt. „Langsam sind meine Eltern überfordert und sogar ängstlich geworden“, sagt die Tochter. Sie hätten schon Sorge, irgendwo ihre Daten preiszugeben. Die schriftlichen Bestellungen außerhalb des Internets tragen alle dieselbe, feinsäuberliche Handschrift. Das findet das Ehepaar durchaus merkwürdig. Will sich jemand nur einen schlechten Scherz erlauben?

Ein Scherz ist das für Reint Jan Vos von der Verbraucherberatung Marl/Haltern keineswegs. Und doch rät er, nicht in Panik zu verfallen. „Wenn jemand mit der Adresse eines anderen bestellt und Unterschriften fälscht, ist das Urkundenfälschung und damit Betrug“, sagt er. Dann rät er zur Anzeige bei der Polizei. Gleichzeitig sollte der Betrogene von seinem Widerrufsrecht Gebrauch machen, um vorsorglich weiteren Ärger zu vermeiden. Allerdings sei man mit fremder Unterschrift an keinen Vertrag gebunden.

Vielfältige Maschen

Gerade ältere Menschen sei mit Trickbetrügereien überfordert. „Tagtäglich kommen Senioren hilfesuchend zu uns“, berichtet Reint Jan Vos. Sie schämten sich vor allem vor ihren Kindern, weil sie wider besseren Wissens auf jemanden hereingefallen seien. „Die Maschen werden immer vielfältiger“, bestätigt Polizeisprecherin Ramona Hörst. Egal, ob es ein Streich sei oder jemand tatsächlich versuche, Geld abzukassieren - das Ehepaar sollte unbedingt mit allen Unterlagen zur Polizei gehen. Vielleicht gebe es ähnliche Fälle, die die Beamten dann miteinander abgleichen könnten, sagt Ramona Hörst.

Und was ist mit den Päckchen? Reint Jan Vos (Verbraucherberatung) würde sie zunächst annehmen und schauen, wer dahinter steckt. „Wer Unbestelltes nicht annimmt, der ist nicht automatisch aus dem Vertrag heraus. Wichtig ist immer, von seinem Widerrufsrecht Gebrauch zu machen“, rät Reint Jan Vos. Selbst wenn das auf die Dauer lästig werde. Wenn ständig unverlangt Sachen ins Haus geschickt würden, dann sollte man auch hier den Weg zur Polizei nicht scheuen.

„Ruhig unhöflich sein“

Vorfälle wie in Lippramsdorf waren Reint Jan Vos bisher nicht bekannt. Viel häufiger würden Senioren am Telefon hintergangen und zu Vertragsabschlüssen überredet. „Ich rate den Älteren dann immer, sich nicht aus Höflichkeit einwickeln zu lassen, sondern es zu halten wie ihre Enkel. Die Jungen legen sofort auf!“

Hier bekommen Sie Hilfe

Verbraucherberatung und Polizei geben Tipps

Die Verbraucherzentrale/Beratungsstelle Marl/Haltern bietet Beratungen an. Sie hat ihre Büros im Riegelbau am Marler Stern in Marl, Bergstraße 228-230. Zu erreichen ist sie unter Telefon: 02365 85625 - 01. Die Halterner Polizeiwache befindet sich an der Dr. Conrads-Straße 5, Tel. 9342370. Die Öffnungszeiten: montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr.
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