Ist das Mahnmal Lippramsdorf eine Schande oder ein Lernort? Die Parteien diskutierten darüber im Rathaus - auch darüber, was Feierstunden wie hier zum Schützenfest bedeuten. © Elisabeth Schrief (A)
Mahnmal Lippramsdorf

„Ein Gedenkort“: Halterns Parteien gegen Abriss des Mahnmals

Das Mahnmal in Lippramsdorf sei abstoßend, scheußlich, aggressiv, düster - sagt Magdalene Meier. Die Grünen-Politikerin stieß im Kulturausschuss eine erneute Diskussion um diesen Ort an.

Die Nationalsozialisten haben mit dem Mahnmal in Lippramsdorf ein unliebsames Erbe hinterlassen, findet Grünen-Politikerin Magdalene Meier. Nach einem Bericht der Halterner Zeitung und Leserbriefen dazu sah sie es an der Zeit, erneut über die Darstellung nachzudenken und zu diskutieren. Das letzte Mal geschah das vor 36 Jahren. Ihr Ansatz: Ist dieses Denkmal eine Schande oder ein Lernort? Der Ausschuss Schule/Kultur/Sport führte dazu im Rathaus eine lange Diskussion.

Das 1938 nach den Vorstellungen der Nationalsozialisten gebaute Mahnmal zeigt zwei Soldaten, die – mit Granaten bewaffnet – in den Krieg ziehen. An diesem Ort gedenken die Lippramsdorfer mit Feierstunden am Volkstrauertag oder zu Schützenfesten der Opfer beider Weltkriege. Tafeln mit den Namen der Gefallenen und einem Aufruf zu Frieden und Versöhnung sollen unterstreichen, was es heute für die Bürgerinnen und Bürger ist: ein Gedenkort und Mahnmal.

„Erst Aktionen machen Mahnmal zum Lernort“

Magdalene Meier ist der Meinung, Tafeln und entsprechende Reden zu Gedenkstunden reichten nicht aus, um aus diesem Mahnmal einen Lernort zu machen. Erst durch besondere Aktionen, auch unter Einbeziehung der Schule, oder eine Umgestaltung könnte aus dem Denkmal ein Mahnmal werden. Das Halterner Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt habe sich dazu bereits Gedanken gemacht.

„Kein Mensch will einem menschenverachtenden Regime gedenken.“Gerrit Vierhaus

Der 18-jährige Gerrit Vierhaus (FDP) aus Lippramsdorf nahm 2019 erstmals an einer Gedenkfeier des Schützenvereins teil. Er sagte in der Sitzung: „Kein Mensch kommt am Schützenfest oder Volkstrauertag mit der Intention, einem faschistischen und Menschen verachtenden Regime zu gedenken.“

Gerrit Vierhaus sprach für die junge Generation: Das Mahnmal sei ein Ort zum Trauern für Familien, die ihre Angehörigen im Krieg verloren haben, und ein Gedenkort. Niemand dürfe die Augen vor dem unangenehmen Teil der deutschen Geschichte verschließen. © Privat © Privat

Man wolle der Opfer gedenken und dazu gehöre, sich klarzumachen, mit welcher Gewalt deutsche Soldaten Unheil und Mord über viele Länder dieser Welt gebracht hätten. Weltkriegsmahnmäler dienten dazu, an historische Ereignisse zu erinnern, Betroffenheit zu erzeugen und diese Gefühle über Generationen hinweg zu transportieren, dass ein solch schlimmes Ereignis nie wieder passiere. Das Mahnmal sei genauso ein Ort der Trauer für die Familien, deren Angehörige im Krieg ihr Leben ließen.

Auch Heinrich Wiengarten (SPD) sieht in dem Mahnmal keineswegs eine Schande. Er hat als früherer stellvertretender Bürgermeister einige Male zum Volkstrauertag dort Reden gehalten. Nie habe er bei solchen Feierstunden eine Verherrlichung des Krieges wahrgenommen. Die Darstellung sei heute „wie im Übrigen auch andere heroische Orte wie das Hermannsdenkmal“ sicherlich nicht mehr zeitgemäß, aber „wir werden uns niemals dafür stark machen, es zu beseitigen“.

Einen Abriss will keine Partei, auch die Grünen wollen das nicht. Das betonten alle ausdrücklich.

Hendrik Griesbach (CDU) kann sich sehr gut eine pädagogische Beschäftigung mit dem Mahnmal vorstellen. „Für uns ist das Mahnmal Teil der Geschichte, mit der wir leben und uns auseinandersetzen müssen.“ Es wäre schon ein Fortschritt, wenn sich alle Parteien an den Feierstunden zum Volkstrauertag beteiligen würden. Im Übrigen zollte er dem demokratischen Geist der Halterner Anerkennung: „Wir haben keine Rechten im Kommunalparlament.“

Magdalene Meier stellte klar, dass sie mit ihrem Antrag keine aggressive Stimmung habe erzeugen wollen. Sie habe es einfach an der Zeit gefunden, im Kulturausschuss laut darüber nachzudenken, was der Ort bedeute und wie man sich damit bewusster auseinandersetzen könne.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
Zur Autorenseite
Elisabeth Schrief

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.