Markus und Andrea haben sich vor fast 22 Jahren im Old Daddy kennengelernt. Markus konnte Andrea nicht vergessen - sie ihn schon. 20 Jahre später wurden die Beiden doch noch ein Paar.

von Pia Stenner

Lippramsdorf

, 14.02.2019, 05:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

1997 in der Halterner Disco Old Daddy: „Nowhere Girl“ von B-Movie läuft, auf der Tanzfläche sieht der damals 26-jährige Markus Klein die 24-jährige Andrea Huch in ihrer Jeansjacke, an die er sich noch heute erinnert. Andrea ist ihm nicht aus dem Kopf gegangen. Zwanzig Jahre lang nicht. Heute sitzen beide nebeneinander in ihrem Wohnzimmer in Lippramsdorf. Während Markus die Geschichte der Beiden erzählt, hält er Andreas Hand. „Wie ein altes Ehepaar“, sagt Andrea. Dabei sind sie erst seit etwas mehr als einem Jahr zusammen.

Das erste Mal haben sie sich vor fast 22 Jahren im Old Daddy gesehen. „Da stand sie auf der Tanzfläche und hat mich angeguckt. Da musste ich zurückgucken, das ging ja nicht anders“, erinnert sich Markus. „Ich glaube eher, du hast angefangen“, sagt Andrea. „Jedenfalls haben wir uns den ganzen Abend unterhalten“, sagt Markus, „ich glaube bis sechs Uhr oder so, und dann habe ich dich nach Hause gebracht.“

Ein paar Wochen später, wieder im Old Daddy, sahen die Beiden sich wieder. Dieses Mal hatte Andrea jedoch ihren damaligen Freund dabei. „Fand ich natürlich nicht so toll.“

Das Leben ging weiter und beide gründeten eigene Familien

Andrea heiratete ihren Freund, bekam zwei Kinder. „Dann zog das Leben so seine Bahn.“ Auch Markus heiratete und bekam zwei Kinder. „Ich habe Andrea aber nie vergessen, ich war ja hin und weg von ihr.“ Jahre später schrieb er sie dann nochmal über Stayfriends an, eine Onlineplattform, um alte Schulfreunde wieder zu finden. Er fand heraus, das Andrea sich in der Zwischenzeit von ihrem Mann getrennt hatte. Aber auch neu verheiratet war. „Da war ich wieder raus.“

2017 trennte sich Markus von seiner damaligen Ehefrau. Dann, irgendwann im September, so erinnert sich Markus, habe er Fußball geguckt. Ein Schalkespiel. Das Spiel war vorbei und er kam auf die Idee, Andrea bei Facebook zu suchen. Und tatsächlich: Er fand sie unter ihrem Mädchennamen wieder. Andrea hatte sich von ihrem zweiten Mann wieder getrennt. „Dann habe ich ihr bei Messenger eine Nachricht geschickt. Wir haben angefangen zu schreiben. Ich habe mich an jedes Detail von dem Abend vor 20 Jahren erinnert.“ An ihr Outfit, an die Musik, an die Gesprächsthemen „und vor allem an ihre Augen“, sagt Markus. Bei Andrea war das anders: „Ich habe erstmal gedacht, wer ist er denn?“

Markus musste lange für ein nächstes Treffen kämpfen

Doch die beiden schrieben das ganze Wochenende lang, bis sie dann entschieden, sich zu treffen. Sonntagnacht um 12, dort wo früher das Old Daddy war. Heute ist an der Stelle nur noch ein Supermarktparkplatz. „Wir haben uns in den Arm genommen, gequatscht und für mich war die Sache dann klar. Ich dachte, das wird jetzt meine neue Freundin.“ Andrea sah das aber noch immer anders: „Er kam in so einem komischen Transporter von der Firma und hatte karierte Schuhe ohne Socken an, schrecklich.“

Heute lachen beide darüber. „Von da an bis Ende Oktober war es dann sechs Wochen lang ein richtig, richtig zäher Kampf.“ Immer wieder gingen Nachrichten hin und her, bestimmt 2000 seien es gewesen, sagt Markus. Für ein weiteres Treffen hatte Andrea nie Zeit. Markus blieb hartnäckig, bis er sie endlich zu einem Treffen überreden konnte. „Ich in der Hoffnung, das wird was. Sie in der Hoffnung, das hört endlich auf.“

Dieses Mal kam Markus aber nicht mit seinem Firmenwagen, sondern lieh sich ein schickes Auto vom Nachbarn. „Dann ging’s doch,“ sagt Andrea heute und lacht. „Dann gab’s auch einen richtigen Abschiedskuss. Und ich habe mein Handy und Portemonnaie sogar auf dem Tisch liegen lassen, als ich auf die Toilette gegangen bin. Da war dann also schon Vertrauen da.“

Wie eine normale Beziehung, nur rückwärts

Danach habe Andrea plötzlich auch wieder öfter Zeit gehabt. Etwas später,„zwischen zwei Kaffeebons in der Eisdiele“, beschlossen die beiden dann, es miteinander zu versuchen. „Einen Monat später haben wir schon gedacht, das ist eigentlich blöd, dass wir zwei Wohnungen haben. Dann haben wir auch unsere Kinder gefragt, ob das in Ordnung ist.“ Und im April zog Markus bei Andrea in Lippramsdorf ein. „Uns geht’s gut. Die Kinder kommen regelmäßig hierher.“

„Gefühlt sind wir jetzt irgendwie seit 1997 zusammen“, sagt Andrea. Es fühle sich nicht wie ein Neustart an, eher wie eine normale Beziehung rückwärts. „Jetzt kommt das Verliebtsein, zusammen was trinken gehen, ins Kino gehen.“ Letzten Sommer fuhren beide zusammen mit allen vier Kindern und ihrem Hund in den Urlaub. Sie teilen ihre Begeisterung für Autos, fahren manchmal zusammen zu Oldtimer Ausstellungen und haben den gleichen Musikgeschmack. „Die typische Daddy-Musik natürlich.“

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