Conrad Lepa (l.) überreichte die Weihnachtspost für die Bewohner des Altenwohnhauses St. Anna auf dem Annaberg an Mechthild Meinken.
Realschule und Altenwohnhaus

Einfühlsames Generationenprojekt: Senioren warten auf ihre jungen Freunde

Bewohner des Anna-Altenheims und Realschüler sind ein Herz und eine Seele. Sie lernten sich vor über einem Jahr kennen. Besuche sind zurzeit aber unmöglich, deshalb gab es Weihnachtspost.

Bevor die Corona-Pandemie ausbrach, besuchten Schülerinnen und Schüler der Alexander-Lebenstein-Realschule regelmäßig die Bewohner im Altenheim St. Anna auf dem Annaberg. Jetzt geht das schon eine lange Weile nicht und Jung und Alt vermissen sich. „Wir wollen Mitgefühl zeigen“, sagt Realschülerin Pamina gerade jetzt mit Blick auf Weihnachten. Im Religionsunterricht schrieben sie und weitere Jugendliche aus den Klassen 5e, 5f und 6b deshalb Briefe an die Senioren. Conrad Lepa, Vertretungslehrer für Mathematik und Religion, brachte diese Briefe jetzt zum St. Anna-Wohnheim auf dem Annaberg.

Conrad Lepa hat vor zwei Jahren an der Alexander-Lebenstein Realschule eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen: Regelmäßig besucht er mit Schülerinnen und Schülern das St. Anna-Altenwohnhaus, um mit den Bewohnern Spiele zu spielen, Erzählrunden zu veranstalten und auch mit ihnen zusammen zu basteln. Die Corona-Pandemie legte diese Arbeitsgemeinschaft vorerst auf Eis.

„Senioren sollen spüren, dass sie wichtig sind“

Aber Conrad Lepa ließ das keine Ruhe: „Da gerade ältere Menschen und Risikopatienten besonders unter der Corona-Pandemie leiden, habe ich überlegt, wie man diese Menschen spüren lassen kann, dass sie in unserer Gesellschaft wichtig sind.“ In seinem Religionsunterricht hat er daraufhin mit den Schülern überlegt, wie man ein soziales Zugehörigkeitsgefühl entstehen lassen kann.

Schüler der Alexander-Lebenstein-Realschule haben Senioren in Haltern Post zukommen lassen. © Alexander-Lebenstein-Realschule © Alexander-Lebenstein-Realschule

„Drei Wochen lang saßen wir zweistündig wöchentlich an unserem Projekt“, erzählt Conrad Lepa. Die Schüler schrieben Briefe an Bewohner des Altenwohnhauses St. Anna. In den Briefen lassen die Jugendlichen die älteren Menschen an ihrem Leben teilhaben, schreiben über die Schule, ihre Freizeit und Freunde.

Für die Schüler ist das Projekt ein Lernprozess

Durch dieses Projekt, das der Pädagoge zum zweiten Mal in der Corona-Zeit durchführte, sind einige Brieffreundschaften entstanden. Was viel Freude bereitet, hat auch einen pädagogischen Hintergrund: „Es ist für die Schüler gleichzeitig ein emotionaler Lernprozess. Sie spüren, wie bereichernd ihr soziales Engagement für sie selber war und ist.“

So empfindet das auch Barbora aus der 5f: „Es ist eine richtig gute Idee, die älteren Menschen freuen sich bestimmt, zumal sie wenig Post und gerade auch wenig Besuch bekommen.“ Zora aus der 6b hat bei der ersten Aktion Antwort bekommen, was sie besonders freut. Pamina aus der 5f hat in dem Brief aus ihrem Alltag erzählt: „Ich finde das Briefeschreiben schön, weil es den älteren Menschen im Moment nicht so gut geht.“

Ein Brief und Bild zum 90. Geburtstag

Dass die Schüler gleichzeitig das Briefeschreiben üben, ist ein weiterer positiver Effekt. Pamina gefiel das sehr gut. Sie hat ein Mandala dazu gemalt, das sich ihr Briefpartner an die Wand hängen kann. Das Projekt fand sie einfach toll: „Es ist sehr abwechslungsreich im Vergleich zu anderen Fächern.“

„Die Senioren sind berührt, dass junge Menschen sich für sie und für ihre Biografien interessieren.“ Mechthild Meinken

Einige Realschüler schrieben vorher so gut wie nie Briefe, andere wählen diese seit Twitter & Co eher aus der Mode gekommene Form der Mitteilungen durchaus häufiger. Barbora schreibt zu Weihnachten ihrer Oma, die in Tschechien in einem Altenheim lebt. Zora tauscht sich bereits mit einer Altenheim-Bewohnerin aus. Diese hat ihr erzählt, dass sie bald 90 werde. „Da habe ich ihr einen Brief und ein Puzzle-Bild von mir zum Geburtstag geschickt.“ Eine solche Brieffreundschaft hätte auch Pamina gern. Es sei sehr schön, wenn man hin- und herschreiben könne: „Einfach losschreiben und auch mal etwas dazu malen!“

Der Brief ist von Sina Neiling aus der 5f.
Der Brief ist von Sina Neiling aus der 5f. © Alexander-Lebenstein-Realschule © Alexander-Lebenstein-Realschule

Conrad Lepa ist nur noch bis Januar an der Halterner Realschule, er wird dieses Projekt aber nebenbei weiterführen.

Senioren und Jugendliche erzählen von früher und heute

„Es ist eine Freude zu sehen, wie sich alte Menschen wieder aufrichten, wenn sie Kontakt mit Kindern oder Jugendlichen haben“, ist Mechthild Meinken (Sozialer Dienst) von dem Generationenprojekt begeistert. Sie hat die Briefe der Realschüler entgegen genommen und im Haus verteilt. Die Senioren seien berührt, dass junge Menschen sich für sie und für ihre Biografien interessierten. Und auch umgekehrt interessieren sich die Senioren für das Leben der Jugendlichen. Die Begegnungen, die vor Corona so viel Spaß gemacht haben, fehlen ihnen heute. „Es haben sich mit der Zeit schöne Freundschaften entwickelt“, sagt Mechthild Meinken.

Anfangs, bei den ersten Treffen, seien die Jugendlichen unsicher und aufgeregt gewesen, hat Mechthild Meinken beobachtet. Das hätte sich aber schnell gelegt. Zuletzt hieß es: „Wann kommt ihr wieder?“ Das wissen die Realschüler wegen Corona noch nicht, aber sie werden treu bleiben.

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Elisabeth Schrief

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