Michael Völpel vom Team Wörmann vor den Trümmern des eingestürzten Windrades. Normalerweise bauen er und sein Team nur ausgediente, intakte Windräder ab. Die Baustelle in Haltern ist eine besondere Herausforderung. © BLUDAU FOTO
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Eingestürztes Windrad in Haltern: Hersteller hat erstes Ergebnis

Die Aufräumarbeiten am eingestürzten Windrad haben begonnen. Noch liegt die Gondel im Weg. Ein Kran, der sie heben könnte, ist gerade nicht verfügbar. Aber Nordex hat eine erste Erkenntnis.

Die Firma Wörmann aus Schloß Holte-Stukenbrock hat sich auf die Abbruchtechnik und Entsorgung von Windkraftanlagen spezialisiert. „Gewöhnlich bauen wir intakte Türme zurück, so etwas wie hier habe ich noch nie erlebt. Das ist eine Herausforderung. Der stellen wir uns allerdings gerne.“ Baggerfahrer Michael Völpel steht vor dem Trümmerhaufen des am 29. September eingestürzten Windrades. Gerade ist der Bagger ausgefallen, so hat er Zeit für ein kurzes Gespräch inmitten der Hohen Mark.

Die Aufräumarbeiten gestalteten sich zunächst schwierig, erzählt er. Die Betonplatten des unteren Turmteiles lagen ineinander verschachtelt, entsprechend lange dauerte die Freilegung. Auch die Flügel sind inzwischen in Stücke geteilt, der glasfaserverstärkte Kunststoff (GFK) extra getrennt. „Jetzt haben wir angefangen, das Maschinenhaus frei zu schaufeln“, sagt Michael Völpel. Es hat sich zwei Meter tief in den Boden gebohrt. Das Wörmann-Team hat den Boden rund um das tonnenschwere Teil abgetragen. Der Waldboden wird gesiebt und dann entsorgt.

Für Bergung der Gondel muss ein 500-Tonnen-Kran kommen

Diese Arbeiten beobachtet das Umweltamt des Kreises nicht mehr direkt vor Ort, fordert aber Nachweise für eine umweltgerechte Entsorgung ein. Ob unter dem Maschinenhaus der Boden verseucht ist, zeigt sich erst, wenn dieses aus der Unglücksstelle gehoben wird. „Dann sehen wir, ob Schmieröle ausgelaufen sind und können das weitere Vorgehen klären“, hieß es aus dem Kreishaus Recklinghausen. Notfalls muss der Boden rund um das Fundament ausgekoffert werden.

Das Maschinenhaus hat sich in die Erde gebohrt.
Das Maschinenhaus hat sich in die Erde gebohrt. © Guido Bludau © Guido Bludau

Die Bergung der Gondel ist aufwändig. „Wir warten auf einen 500-Tonnen-Kran“, teilte Unternehmer Nils Wörmann auf Nachfrage mit. Einen Kran dieser Größenordnung zu ordern, sei zurzeit schwierig. Es gebe nur wenige und die seien sehr gefragt. Der Termin ist folglich noch offen. Klar ist dagegen, dass Spezialisten am Dienstag den Stahlturm aus dem Wald ziehen, ihn zerlegen und abtransportieren.

Bottom-Box wurde ausgelesen – keine Fehlfunktion

Zur Havarie des 249 Meter hohen Nordex-Windrades gibt es eine erste Erkenntnis. „Die ausgelesenen Daten der Bottom Box haben keinerlei Hinweise auf eine Fehlfunktion der Anlagensteuerung zum Zeitpunkt des Einsturzes ergeben“, teilte ein Sprecher des Hamburger Unternehmens mit.

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Aufräumarbeiten am eingestürzten Windrad

Jetzt erfolge die Analyse der Rotorblätter und des Hybridturms – auch durch entsprechende Proben-Entnahmen. „Der geordnete Abbau und Abtransport der Anlagenfragmente erfolgt sobald wie möglich, sofern sie für die Ursachenforschung nicht noch vor Ort verbleiben müssen“, heißt es weiter.

Belastbare Erkenntnisse zum möglichen Unfallgeschehen liegen noch nicht vor. Das kann noch Wochen oder Monate dauern, sagen sowohl der Hersteller des Windrades wie auch die Betreiber des Windparks AV 9 (RAG Montan Immobilien und Stadtwerke Haltern).

Sanierungskonzept soll 27 Millionen Euro kosten

Derweil stehen sowohl der Zwillingsturm in 450 Metern Entfernung als auch weitere 18 Windenergieanlagen gleichen Bautyps still. Ein Gutachter schrieb der Halterner Zeitung, es werde gerade ein Sanierungskonzept erstellt, das Sanierungsvolumen schätze er auf etwa 27 Millionen Euro. „Zu solchen Ferndiagnosen nehmen wir nicht Stellung“, sagt Stadtwerke-Sprecher Thomas Liedtke.

Und der Nordex-Sprecher schreibt dazu in seiner Mail: „Sicherheit hat für uns und unsere Kunden absolute Priorität. Die Ursachen-Analyse in Haltern wird fortgesetzt. Erst nach Abschluss der erforderlichen Untersuchungen und dem Vorliegen konkreter Ergebnisse können nächste Schritte abgeleitet werden. Das ist jetzt noch zu früh. Die genannte Summe kann ich nicht bestätigen.“

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Elisabeth Schrief

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