Anne Heine-Hagen von der Buchhandlung Kortenkamp verkauft Felix Tykwer die vorbestellten Bücher am Eingang. © Jürgen Wolter
Einzelhandel

Einkauf mit Corona-Test in Haltern: „Für den Einzelhandel vernichtend“

Im Einzelhandel darf nur noch mit aktuellem negativen Coronatest eingekauft werden. Das nutzen Kunden aber nur sporadisch. Einzelhändler fürchten weitere Verschlechterungen.

Wer im Halterner Einzelhandel einkaufen will, braucht aktuell einen negativen Coronatest. Testmöglichkeiten sind zum Glück inzwischen in Haltern in ausreichender Zahl vorhanden. Trotzdem kommen nur noch wenige Kunden.

Der Kreis Recklinghausen hatte ergänzend zur Corona-Schutzverordnung eine Allgemeinverfügung auf den Weg gebracht, durch die es möglich ist, dass auch nach Montag, 29. März, die Öffnungen beibehalten werden können. Voraussetzung ist allerdings ein tagesaktuelles negatives Testergebnis. Einkauf ohne Test ist im Geschäft nicht erlaubt.

„Einzelhandel ist nicht Treiber der Infektionen“

Die sich ständig ändernden Verfahren stellen Einzelhändler immer wieder vor neue Herausforderungen. „Das Einkaufen mit Termin – und mit Kontaktnachverfolgbarkeit – hat bis vor Ostern sehr gut funktioniert. Mir ist nicht ein Fall bekannt, wo das zu Problemen mit Infektionsketten geführt hat – auch nicht bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Einzelhandels“, schreibt Christoph Kleinefeld, Geschäftsführer der Werbegemeinschaft Haltern handelt, auf Nachfrage.

Für den stationären Einzelhandel sei diese neue Corona-Schutzvorschrift „Termin und Test“ aber leider vernichtend, so Christoph Kleinefeld. Die Möglichkeit, mit Test einzukaufen, werde nur sehr zaghaft genutzt. „Und es ist auch niemandem mehr verständlich zu erklären, warum Kunden ohne einen Test Brot, Fleisch und Fisch einkaufen und in den Supermarkt und ein Gartencenter dürfen, aber nicht für eine Kinderhose. Ebenso kann mir niemand sinnvoll erklären, warum nun neben einem Termin noch zusätzlich ein negativer Test als Voraussetzung für das Betreten meines Geschäfts mit meinem Sortiment und in meiner Stadt notwendig geworden ist.“

Neues Ungemach für die Branche

„Wir selber halten darum in unserem Hause am Service „Büdchen-Verkauf“ – oder umständlich als „Click & Collect“ bezeichnet – zu geringfügig reduzierten Öffnungszeiten fest“, so Kleinefeld. „Alles ist besser, als wieder schließen zu müssen. Die bisherigen Schutzmaßnahmen treffen nur die Gastronomie und den Einzelhandel überproportional stark. Der Lockdown ist scheinbar das einzige Mittel, um zu zeigen, dass politisch noch gehandelt wird. Mit dem kommenden Bundes-Lockdown sehe ich neues Ungemach auf unsere Branche und die Innenstädte zukommen. Dabei ist der Handel nachweislich gar nicht Ursprung, Auslöser oder Treiber von Infektionsgeschehen.“

Flexible Einkaufsmöglichkeiten

Die Buchhandlung Kortenkamp am Markt in Haltern hat versucht, flexibel zu reagieren: „Mit Test können Kunden auch nach Terminvereinbarung ins Geschäft kommen“, sagt Inhaberin Anne Heine-Hagen. „Wer komplett kontaktlos einkaufen will, kann die Bücher an unserer Ausgabestelle an der Lippstraße abholen. Die Bücher können auch vorne an der Buchhandlung abgeholt werden, wir reichen sie den Kunden dann nach draußen. So kann jeder die Alternative wählen, die ihm am liebsten ist.“ So könne sie zumindest kleine Umsätze erzielen, so Anne Heine-Hagen. Allerdings halten sich auch hier die Kundenzahlen in Grenzen. „Am bisher besten Tag waren sieben Kunden mit Test da. Mit normalem Betrieb ist das nicht zu vergleichen“.

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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Jürgen Wolter

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