Die Kunden haben Lust auf Farbe, sagt Cornelia Buckmann vom Schuhhaus Plagge. © Elisabeth Schrief
Corona-Lockerungen

Einkaufen in Haltern ohne Test – Freude, Erleichterung und Skepsis

Das Leben kehrt auf die Rekumer Straße zurück, sagt eine Halterner Verkäuferin. Nach langer Zeit ist Einkaufen ohne Test wieder möglich. Wir haben die Stimmung eingefangen.

Die Maske ist Pflicht, Abstand ist geboten, aber die Halterner können wieder ohne vorherigen Test in der Innenstadt shoppen gehen. Das taten sie am Samstag in Vielzahl und gern.

Eine Kundin hatte eineinhalb Jahre auf das Bummeln verzichtet, jetzt traute sie sich nach langer Zeit aus dem Haus. Als erstes Ziel steuerte sie das Schuhgeschäft Plagge auf der Rekumer Straße an. Dort entschied sie sich in ihrer Euphorie gleich für drei Paar Schuhe. „Die Lust, etwas Schönes zu kaufen, kehrt zurück“, stellt Bernhard Plagge zufrieden fest. Er hat genug Schuhe für einen modischen Sommer auf Lager. Die Stimmung schlage endlich um. Seine Mitarbeiterin Cornelia Buckmann begrüßte am Samstag neben den Halternern erstmals wieder etliche Stammkunden von außerhalb. „Die Kunden haben einfach Nachholbedarf.“

Die Rekumerstraße am Samstag kurz vor Mittag: Sie war belebt wie in früheren Zeiten. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Das stellt auch Stefanie Weber (Modegalerie Weber, Lippstraße) fest. Sie hat die vergangenen Monaten mit einem Lieferservice überbrückt. Ihre Stammkundschaft habe sie in den schwierigen Monaten sehr unterstützt und ihr die Treue gehalten. Dafür ist Steffi Weber ausgesprochen dankbar. „Aber jetzt freuen sich alle, dass sie wieder zu mir ins Geschäft kommen, stöbern, anprobieren und kaufen können.“ So könnte es bleiben.

Alle hoffen, dass es bei den Lockerungen bleiben kann

Doch Stefanie Weber bleibt, wie auch Besucher der Innenstadt, verhalten vorsichtig. Alle hoffen, dass sich die Inzidenzzahlen nicht wieder nach oben bewegen und die Lockerungen zurückgenommen werden müssen. „Tatsächlich sind die Menschen noch ein wenig verunsichert“, bestätigt Bernhard Plagge.

Nicole Seck und das Modehaus-Heckmann-Team hatten alle Hände voll zu tun, denn die Kunden haben wieder Lust, sich neu einzukleiden. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Aber sie sind eben auch „total froh und begeistert, nun relativ frei und unbeschwert in der Stadt shoppen gehen zu können“, sagt Nicole Seck vom Modehaus Heckmann. Über Chips wird hier der Zugang ins Geschäft geregelt, damit nicht mehr Kunden als erlaubt eintreten. Aber die Atmosphäre ist völlig entspannt, die Kauflust ungebremst. Wenngleich eine Kundin gesteht, angesichts der farbenfrohen neuen Mode gerade etwas überfordert zu sein. Die Eindrücke seien überwältigend. „Aber Männer wie Frauen verspüren Lust, sich neu einzukleiden“, liest Nicole Seck am Kaufverhalten ab. Die vorherige Testpflicht sei schon ein Hemmschuh gewesen.

Notbremse hat Geschäften das Leben schwer gemacht

Dass die Kunden entspannter unterwegs sind, bestätigen ebenso die Mitarbeiterinnen der Stoffzentrale an der Merschstraße. Die Stadt sei spürbar voller, „und wir sind froh, dass es nun nach Schließung und Einschränkungen weitergeht.“ Die Befreiung von der Testpflicht kurbelt auch hier das Geschäft an, „dass beim Einkauf eine Maske getragen werden muss, wird nur noch als Kleinigkeit angesehen.“

Dorothee Holle vom gleichnamigen Geschäft freut sich, dass die Kauflust spürbar zunimmt. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Die Notbremse zu Ostern vor allem habe den Geschäftsleuten das Leben sehr schwer gemacht, sagen Georg und Dorothee Holle (Schreibwaren und Bürobedarf) von der Merschstraße. „Ich hoffe, wir können nun sagen: Wir haben es geschafft“, wünscht sich Dorothee Holle. „Eine schwierige Zeit mit wenig Verlässlichkeit liegt hinter uns.“ Bei den Kunden nimmt sie nach den Lockerungen nun Erleichterung und eine gute Grundstimmung wahr. Dankbar sind Georg und Dorothee Holle, dass ihnen viele Kunden die Treue gehalten und sie durch Zuspruch mental unterstützt haben.

Dass man immer noch Maske tragen muss, empfinden die Besucher der Innenstadt nicht als störend. Sie sind froh, wieder ohne vorherige Testung shoppen gehen zu können. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

„Darf ich eintreten?“, fragt derweil vorsichtig eine Frau an der Ladentür. Sie darf. Einfach einkaufen, ohne großen Aufwand – das ist ein Stück Freiheit, das die Halterner gerne wieder annehmen und am liebsten auch nicht wieder loslassen wollen.

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Redaktion Haltern
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Elisabeth Schrief
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