Einzelhandel in Haltern ist gut aufgestellt

Interview

Die Einzelhandelslandschaft in der Halterner Innenstadt hat sich 2016 erneut verändert. Neuansiedlungen vom Café Extrablatt bis zum Ein-Euro-Shop setzen Akzente. Im Interview zieht Christoph Kleinefeld, Geschäftsführer der Werbegemeinschaft, eine Jahresbilanz.

HALTERN

, 30.12.2016, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

2015 war für den Einzelhandel in Haltern – nicht zuletzt wegen des Flugzeugabsturzes – kein einfaches Jahr. Hat sich die Situation in 2016 wieder verbessert? Gab es einen Nachholbedarf, einzukaufen?

Niemand in Haltern am See möchte ein solches Ereignis nochmals erleben. Kunden haben uns in diesem Jahr häufig berichtet, selbst noch im diesjährigen Weihnachtsgeschäft, dass sie in 2015 ihre Einkäufe nicht hier tätigen konnten. Die Situation hat sich entspannt. Das war kein Nachholbedarf, sondern eher der gewöhnliche, alltägliche Einkauf in angenehmer und ungezwungener Atmosphäre, das Einkaufen als Freizeitvergnügen in einer schönen, gemütlichen Stadt.

Einige Geschäfte haben die Halterner Innenstadt verlassen wie die Bäckerei Fischer oder Schlatholt, andere sind neu dazu gekommen. Wie hat sich die Leerstandssituation über das Jahr verändert? Welche Branchen setzen neue Impulse?

Der Weggang von Unternehmen ist immer bedauerlich. Aber in den Fällen Schlatholt und Bäckerei Fischer waren eine Insolvenz und wirtschaftliche Entscheidungen die Gründe, nicht der Standort Haltern am See. Wir haben nach wie vor nur ganz wenige Leerstände. Das ist so wichtig, wie ein guter Blutdruck und liest sich wie die Temperatur auf einem Fieberthermometer. Wir sind zuversichtlich, dass diese Situation nachhaltig und gesund ist. Das Café Extrablatt hat bewiesen: Menschen stimmen immer mit Füßen ab. In sehr guter Lage wird eine sehr gute Frequenz erzeugt. Davon profitieren alle Anbieter in der Innenstadt. Jeder gut geführte Laden fügt seinen Anteil hinzu.

Im ehemaligen Schlatholt-Geschäft hat ein Ein-Euro-Shop eröffnet. Ein negatives Signal für den Branchenmix?

Das sehe ich überhaupt nicht. Bei Facebook hat sich eine Minderheit negativ geäußert. Auch hier gilt, dass der Kunde entscheidet. Mit einer solch großen Frequenz in diesem neuen Geschäft hätte niemand der Kritiker gerechnet, das zeigt doch einen realen Bedarf. Natürlich wünschen wir uns mehr individuelle, inhabergeführte Fachgeschäfte, aber die werden leider immer weniger – überall.

Es gab 2016 zahlreiche Aktionen, die von der Kaufmannschaft (mit-)organisiert und getragen wurden. Wie sind sie gelaufen, was war besonders erfolgreich?

Unser Veranstaltungskalender ist voll, allerdings vor allem in der zweiten Jahreshälfte. Wir hatten durchweg eine gute Beteiligung bei unseren Aktionen. Wichtig war die Stärkung der Aktion „Haltern bittet zu Tisch“. Auch beim Glücksthaler waren wir erfolgreich. Überwältigt hat uns aber alle der Stadt-Gutschein. Hier ist nach kürzester Zeit bereits die zweite Druckauflage im Verkauf.

Und wie geht es mit dem Stadt-Gutschein weiter?

Da haben wir aktuell auch keine Änderungspläne. Der soll erst einmal ein Jahr lang laufen, bevor vielleicht Anpassungen nötig werden.

In Dülmen haben Kaufleute einen Lieferdienst organisiert und sind damit schneller als das Internet. Ein Modell auch für Haltern?

Einen Zusammenhang mit dem Internet kann ich da nicht sehen, zumal der Kunde zuvor selbst im Geschäft war, die Ware ausgesucht und bezahlt hat. Erst dann wird sie tagegleich geliefert. Bleibt abzuwarten, was dabei am Ende rauskommt. Wir haben das vor vielen Jahren unter dem Slogan „Haltern bringt’s“ schon einmal in der Adventszeit angeboten. Der Erfolg blieb damals aus. Es gibt das Internet und es gibt den stationären Handel. Der Handel muss in dem gut sein, was er kann, und zwar richtig gut! Nur so kann er gegen Online bestehen. Die ständige Überprüfung eigener Serviceleistungen gehört dazu. Ich bin sehr skeptisch, wenn wir Dinge versuchen, die wir im Grunde nicht können. Im eigenen Unternehmen liefern wir zum Beispiel kostenlos für Kunden an die Wunschadresse, nutzen dafür jedoch einen sehr guten Paket-Dienstleister.

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