Beate Mertmann (v.l.), Bärbel Farwick, Christine Baumeister-Henning und Wolf von Elbwart äußerten ihre Meinung zum Wohnprojekt im Elterbreischlag. © Collage: Leonie Sauerland
Seniorengerechtes Wohnen

Elterbreischlag: Sythener „platzen vor Wut“ – Rückbau gefordert

Das eigenmächtige und rechtswidrige Handeln der Stadt Haltern, das den Wohnklotz im Elterbreischlag ermöglichte, ist Dorfgespräch in Sythen. Hier ist ein Stimmungsbild.

Das seniorengerechte Bauprojekt im Elterbreischlag hat traurige Berühmtheit erlangt. Auch Halterner sind schon durch das Neubaugebiet spaziert, um die „Chinesische Mauer“, so wird die Fassade am Eltritt in Sythen genannt, in Augenschein zu nehmen. Das Stimmungsbild vor Ort ist eindeutig, wie Reaktionen von Sythenern belegen.

„Wir platzen hier vor Wut“, macht die ehemalige CDU-Ratsfrau Bärbel Farwick (Förderverein Schloss Sythen) ihrem Ärger Luft. Nicht nur ihre Nachbarschaft rund um den Hilgenweg habe kein Verständnis dafür, dass die Stadt den Fehler gemacht und dem Berliner Investor des Projektes die Abweichungen vom Bebauungsplan genehmigt hat, sodass mitten im Wohngebiet zwei überdimensionierte Häuserblöcke entstehen konnten.

Bärbel Farwick fordert „gleiches Recht für alle“

Bärbel Farwick prangert an, dass der Bürger in Haltern jeden Holzschuppen abreißen müsse, der nicht der vorgegebenen Bauordnung entspreche. Sie fordert deshalb „gleiches Recht für alle. Der Bau im Elterbreischlag muss zurückgebaut werden.“ Dabei sieht sie auch ihre Partei im Boot. „Die CDU muss das wieder gerade rücken“, so die Ex-Ratsfrau der Union in Haltern.

„Eigentlich hatten wir vor, unser Haus zu verkaufen und in eine der seniorengerechten Wohnungen zu ziehen“, berichtet sie von ihren Überlegungen zu Beginn der Projektplanung vor mehreren Jahren. Von dieser Idee hat sich das Ehepaar Farwick jedoch verabschiedet. „Das geht gar nicht“, so Bärbel Farwick. Das Projekt der TSC Osmium Berlin sei wohl nur auf Rendite angelegt.

Wolf von Elbwart sieht Bodo Klimpel in der Verantwortung

Für Wolf von Elbwart (TuS Sythen und Verein Freibad Sythen) ist klar, dass der ehemalige Bürgermeister Bodo Klimpel (CDU) die Verantwortung für den Bauskandal in Sythen trägt. „Auch wenn ein Baudezernat die Befreiungen vom Bebauungsplan abgezeichnet hat“, sagt der Sythener. Das Projekt sei jetzt total aus dem Ruder gelaufen. „Ich würde mich als Nachbarschaft zusammenschließen und gegen die Bebauung klagen“, ergänzt er.

Christine Baumeister-Henning kann die Anwohner verstehen

Christine Baumeister-Henning (Förderverein Schloss Sythen) kann den Unmut der Anwohner im Elterbreischlag verstehen. „Wenn ich dort gebaut hätte und würde nun vor so einer Wand sitzen, wäre ich auch sauer“, erklärt sie. Es sei nicht zu verstehen, wie solch gravierende Entscheidungen, die den gesamten Baucharakter verändern, hinter verschlossenen Türen getroffen werden konnten. Dafür hätte der Stadtrat gehört werden müssen, ist sie sich sicher.

Nun seien Tatsachen geschaffen worden. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Selbst wenn jetzt Köpfe rollen sollten, hilft das den betroffenen Anwohnern nicht weiter“, beschreibt Christine Baumeister-Henning die Situation.

Als Coach würde sie den Nachbarn sagen: „Du musst dich mit der Lage arrangieren. Lass´ dir nicht das ganze Leben vergrätzen.“ Wer keinen Frieden schließen könne, müsse die Situation verlassen.

Sie hofft, dass die richtigen Lehren aus den Fehlern gezogen werden, damit sich eine solche Fehlentwicklung in Haltern nicht wiederholen kann.

Beate Mertmann: Fehler gleich am Anfang gemacht

Auch für Beate Mertmann (Bürgerstiftung) ist unverständlich, wie so eine Fehlentwicklung passieren und ein solcher Bauklotz genehmigt werden konnte. „Es ist eine Katastrophe“, sagt sie. Und: „Das ist Ignoranz pur.“

Sie erinnert sich an die Vergabe des Altenhilfestandorts im Jahr 2014. Allen Sythenern, die die Präsentation der Alloheim-Gruppe im Rat verfolgten, sei klar gewesen, dass dieser Investor nicht zum Zuge kommen sollte. Dann wurde das Projekt mit knapper Mehrheit von CDU und einigen Grünen-Stimmen an Alloheim vergeben. 2017 verkaufte Alloheim das Grundstück für das seniorengerechte Wohnen (und das Altenheim-Grundstück) an die TSC Osmium Berlin. Alloheim ist nur noch Betreiber des Altenheimes.

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Silvia Wiethoff

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