Eltern-Appell der Halterner Schulleiter: „Kommen Sie ihrer Erziehungsverpflichtung nach“

mlzCorona-Krise

Schulen und Kitas sind geschlossen, soziale Kontakte sollen weitgehend vermieden werden. Und doch sind in Haltern zurzeit viele Schüler in Gruppen unterwegs. Die Schulleiter ärgert das.

Haltern

, 17.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schüler und Schülerinnen, die grüppchenweise mit Bollerwagen - teilweise grölend durch den Westuferpark und das Gebiet um den Stausee ziehen - das wurde in den vergangenen Tagen mehrfach beobachtet. Auch ältere Menschen sind mit ihren Enkelkindern dort unterwegs.

Dabei ist der Landeserlass, wie auch die Verfügung von Bürgermeister Bodo Klimpel von Montag (17. März) unmissverständlich: Öffentliche und private Veranstaltungen sind untersagt, sowohl in geschlossenen Räumen als auch draußen. Auch Demonstrationen fallen darunter. Soziale Kontakte sind weitestgehend zu vermeiden, das ist die Ansage der Kanzlerin, aber auch Empfehlung der Virologen. Nur so kann eine Infektion mit dem Coronavirus verhindert, beziehungsweise die Infektionskette möglichst verlangsamt werden.

Schulleiter sind verärgert

Ulrich Wessel, Schulleiter des Joseph-König-Gymnasiums, ärgert das sorglose Verhalten der Schüler. Er hat daher gemeinsam mit seinem Kollegen Frank Cremer von der Alexander-Lebenstein-Realschule einen Brief an die Schüler verfasst, der von den Lehrern weitergeleitet wird. Konkret heißt es darin: „Ich gönne euch die gute Laune. Ihr gehört ja auch nicht zu der Risikogruppe. Aber auch ihr habt möglicherweise Vorerkrankte in der Familie, habt Großeltern.“ Die Schüler würden sie durch solche Aktionen in Gefahr bringen. Wessel und Cremer bitten die Schüler deshalb, sich an die Auflagen der Stadt zu halten. Ulrich Wessel geht sogar noch einen Schritt weiter und appelliert im Gespräch mit der Halterner Zeitung eindringlich an die Eltern: „Kommen Sie bitte ihrer Erziehungsverpflichtung nach.“ Das gehe gar nicht, was die Schüler zurzeit machten, sagt der Schulleiter.

Jeder müsse seinen Teil dazu beitragen

Auch Bürgermeister Bodo Klimpel appellierte an alle Halterner Bürger: „Um das Coronavirus zu bekämpfen, müssen wir unseren Alltag radikal ändern und Kontakte mit anderen auf das größtmögliche Minimum reduzieren.“ Um Leben zu retten, sei ausnahmslos jeder aufgefordert, seinen Teil dazu beizutragen und sich und andere nicht zu infizieren. Die Stadt kontrolliere die Einhaltung der Verfügung im Rahmen ihrer Möglichkeiten, sagt Stadtsprecher Georg Bockey. Man habe den Erlass der Landesregierung in Absprache mit dem Landrat und den anderen Bürgermeistern des Kreises auf private Veranstaltungen erweitert. „Ich kann nicht eine Veranstaltung im Römermuseum absagen und dann im privaten Bereich Feiern zulassen.“ Natürlich könne man nicht in die Wohnzimmer der Halterner schauen, ob sie dort eine Feier abhielten, so Bockey weiter. „Aber wenn man die Empfehlung ernst nimmt, kann man solche Zusammenkünfte nur absagen.“

CDU-Parteitag abgesagt

Gemäß des Erlasses hat auch der CDU-Stadtverband Haltern seinen für Dienstag geplanten Parteitag abgesagt. Dies teilte der Vorsitzende Hendrik Griesbach mit. „Die Veranstaltung steht im Widerspruch zur Erlasslage“, so Griesbach. Daran halte man sich natürlich. Was das im Hinblick auf die Fristen für die Kommunalwahl bedeute, dazu könne er momentan nichts sagen. Der Stadtverband hat darüber hinaus alle seine Veranstaltungen bis zum 1. Mai abgesagt.

Auch die Spiel- und Bolzplätze der Stadt sind bei dem schönen Wetter gut besucht - wie auch im Rest des Landes Nordrhein-Westfalen. Deshalb beschloss das Landeskabinett am Dienstag, dass die Plätze geschlossen werden sollen. Auch Restaurants sollen um 15 Uhr schließen.

Man erwarte am Mittwoch den dazugehörigen Erlass, hieß es auf Anfrage aus dem Rathaus. Die Allgemeinverfügung werde man dementsprechend ergänzen, sodass die Beschlüsse in Haltern ab Donnerstag gültig sein dürften, teilte Stadtsprecher Georg Bockey mit.

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