Engel in Rockerkutten schnitten Bedürftigen aus Haltern die Haare

mlzBarber Angels

Die Barber Angels, ein besonderer Club der Friseure, richtete im Franziskushaus provisorisch einen Salon ein und schnitt Bedürftigen die Haare. Birgit Beckmann erkannte sich kaum wieder.

Haltern

, 25.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie tragen Rockerkutten und schneiden Obdachlosen und bedürftigen Menschen kostenlos die Haare. Am 25. Februar taten sie das zum ersten Mal auch in Haltern: Die Barber Angels funktionierten dazu ein kleines Konferenzzimmer des Caritasverbandes Datteln/Haltern für drei Stunden kurzerhand in einen Salon um. Lisa Buttgereit (Ambulant Betreutes Wohnen) hatte diesen besonderen Club der Friseure eingeladen, am Ende war sie glücklich über den Erfolg. „Ich bin überwältigt von der Resonanz“, blickte sie auf die lange Reihe der Wartenden. Allein in der ersten Stunde waren es 20. Dankbar war sie außerdem für große Unterstützung: Neben Sponsoren aus der Stadt halfen ihre Klienten bei der Bewirtung im Café. Sie hatten Spaß daran, endlich für selbst erfahrene Hilfe etwas zurückgeben zu können.

Zenturio Andreas

Wer auf dem Stuhl Platz nahm, der musste seinem Engel erst einmal blind vertrauen. So wie die 60-jährige Birgit Beckmann. Lange, unfrisierte Haare im Stil der Achtziger reduzierten sich auf eine fetzige Kurzhaarfrisur. „Schön, dass Ihr so was macht“, umarmte sie gerührt Andreas Althoff aus Haltern.

Der Friseurmeister ist ein Barber Angel. Der einzige aus Haltern. Ende 2017 lernte er die Organisation kennen, Anfang 2018 wurde er Clubmitglied und stieg schnell vom Apostel zum Zenturio auf - das sind die Hierachiebezeichnungen in der Bruderschaft. Der Club der Friseure tritt in Lederkluft auf. „Dieser unverwechselbare Bikerstil nimmt den Menschen Hemmungen, die durch eine normale Salonkleidung eventuell aufkommen würden“, erklärt Sprecherin Gaby Günther.

Engel in Rockerkutten schnitten Bedürftigen aus Haltern die Haare

Die Barber Angels, ein Club von Friseuren, zauberten vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Sie kamen auf Einladung von Lisa Buttgereit (3.v.l.) ins Caritashaus. Insgesamt acht Friseure schnitten Bedürftigen die Haare und lösten Dankbarkeit und Rührseligkeit aus.

Andreas Althoff (53) trägt die schwarze Kutte mit Stolz und freut sich, wenn er Obdachlosen und Bedürftigen durch kostenlose Haar- und Bartschnitte „ihr Gesicht zurückgeben kann.“ Zwölf Einsätze hat er im Schnitt pro Jahr, aber die Arbeit umfasst inzwischen mehr. Als Zenturio ist der Halterner verantwortlich für die Einsätze im Gebiet Ruhrpott/Münsterland. „Wenn ich in die dankbaren Gesichter schaue, dann berührt mich das jedes Mal wieder neu. Das ist einfach immer eine Freude“, sagt Andreas Althoff. „Oft werden wir geherzt, weil die Bedürftigen sich durch uns wertgeschätzt fühlen.“ Das erleben sie in ihrem Alltag eher nicht.

Kein Geld für den Friseur

So ist bei den Aktionen mehr als Handwerk gefragt. Mancher, der kommt, schüttet sein Herz und seine ganze Lebensgeschichte aus. So wie der Mann aus Mönchengladbach: gescheiterte Ehe, arbeitslos, obdachlos, Knast, zurück auf die Straße ... „Ob ich morgens wach werde, interessiert niemanden, ich werde gar nicht mehr wahrgenommen“, erzählte er Andreas Althoff. Das sitzt tief.

Im Halterner Franziskushaus blieben solche Geschichten außen vor. Eine heitere Stimmung legte sich vielmehr über Flur und „Salon“. Katja Hötting (45) ist extra aus Dorsten gekommen. Einen Friseurtermin kann sie sich grundsätzlich nicht leisten. Deshalb hat sie sich auf die Aktion so sehr gefreut. Barber Angel Petra Geldermann aus Reken schneidet die langen Haare in Form und flechtet einen Bauernzopf. Katja Hötting ist so gerührt, dass sie kein Wort heraus bekommt. Der Halterner Norbert Eisenberger (55), der drei Stühle weiter Platz genommen hat, schneidet seine lange Mähne immer irgendwie selbst. Andreas Althoff zaubert ihm mit einem Kurzhaarschnitt ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht.

Engel in Rockerkutten schnitten Bedürftigen aus Haltern die Haare

Zenturio Andreas Althoff setzte bei Norbert Eisenberger radikal die Schere an. Aus einer langen Mähne frisierte er eine gepflegte Kurzhaarfrisur.

Die „Barber Angels Brotherhood“ hat etwa 250 Mitglieder in Deutschland, Österreich, der Schweiz, auf Mallorca und in den Niederlanden. Im vergangenen Jahr haben die Friseure 25.000 Obdachlosen und Bedürftigen kostenlos Haare und Bärte geschnitten. Sponsoren unterstützen sie: So bekommen die Gäste Kosmetikartikel und einen Imbiss. Regelmäßig alle drei Monate kehren sie in die Veranstaltungsorte zurück, um Nachhaltigkeit bieten zu können. Lisa Buttgereit kann sich eine Fortsetzung in Haltern sehr gut vorstellen.

Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung Keine Mehrheit im Ausschuss

Eltern möchten, dass die Stadt die Bolzplatz-Schließung an der Römerstraße zurücknimmt