Ersthelfer sucht gerettetes Kind: „Das Bild kann ich nicht vergessen“

mlzSilbersee III

Es war ein dramatischer Tag für Stephan Komorowski: Als er am Silbersee III spazieren geht, hört er Hilferufe. Ein Kind aus Dorsten liegt leblos am Ufer. Der Lehrer zögert nicht lange.

Haltern, Dorsten

, 18.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Silbersee III in Haltern ist ein beliebter Ort zum Spazieren gehen, Hunde ausführen und Radfahren. Er ist aber auch Wasserschutzgebiet. Das Baden im Silbersee ist verboten. Zudem können Abbruchkanten unter der Wasseroberfläche auch für gute Schwimmer lebensgefährlich sein. Das Verbot wird aber immer wieder ignoriert. Ranger des RVR sind daher regelmäßig unterwegs, um Besucher darauf hinzuweisen.

Auch am Samstag (13. Juni) waren bei schönstem Sommerwetter wieder viele Menschen am und im Silbersee. Stephan Komorowski (51), Lehrer aus Recklinghausen, war mit seinem zwölfjährigen Sohn Milan und seinem Corgi Aki am Nachmittag spazieren, als er plötzlich laute Hilferufe hörte. „Eine Männer- und eine Frauenstimme riefen nach einem Arzt“, erinnert sich Stephan Komorowski.

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Gemeinsam mit Sohn und Hund rannte er zum Uferbereich des Sees, wo er einen Mann sah, der sich über einen leblos wirkenden Jungen beugte. „Ich bin in meiner Freizeit Tourenleiter beim Deutschen Alpenverein und nehme deshalb regelmäßig an Erste-Hilfe-Kursen teil“, erklärt der Lehrer. Das Kind sei eine halbe bis eine Minute unter Wasser gewesen, wie ihm der Vater des Jungen beschrieben hatte.

Komorowski kniete sich neben das Kind und machte die Handgriffe, die er gelernt hat: Herzdruckmassage im Wechsel mit Mund-zu-Mund-Beatmung. „Nach etwa drei Durchgängen setzte die Atmung wieder ein“, berichtet der Ersthelfer. In der Zwischenzeit hatten andere Seebesucher die Rettungskräfte alarmiert.

Einer der Zugänge zum Silbersee III.

Einer der Zugänge zum Silbersee III. © Ilka Bärwald

Erst später registrierte Stephan Komorowski ein Mädchen, das nicht weit entfernt von dem Jungen am Strand lag und „wie unter Schock“, so beschreibt er es heute, wirkte. Es sei etwas älter gewesen als der Junge, der fünf Jahre alt war, wie er von den Eltern erfuhr. Es war die Schwester des Jungen. „Atmet sie? Habe ich die Mutter gefragt. Zum Glück sagte sie ja.“

Schlecht geschlafen nach dem Vorfall

Kurz darauf seien die Rettungssanitäter gekommen und hätten die Kinder weiter betreut und ins Krankenhaus gebracht. Was genau passiert ist, dass beide Kinder unter Wasser waren, erfährt Stephan Komorowski nicht.

Die Bilder dieses Tages gehen dem 51-Jährigen seitdem nicht mehr aus dem Kopf. „Das Gesicht des Jungen war ganz blass und fahl, das kann ich nicht vergessen.“ Auch sein Sohn frage nach, was aus dem Kind geworden sei. Beide hätten sie schlecht geschlafen in den Nächten nach dem Vorfall.

Retter möchte wissen, ob es dem Kind gut geht

Es fehle etwas, um damit abzuschließen, sagt Stephan Komorowski. Er wünscht sich nun, Kontakt zu der Familie zu bekommen, um das Geschehene zu verarbeiten. „Ich weiß leider nur, dass die Familie aus Dorsten kam, und der Name des Jungen mit S begann“. Eigene Nachforschungen zum Verbleib und zum Gesundheitszustand des Jungen blieben erfolglos. Daher hofft er, dass sich die Familie vielleicht auf diesen Artikel hin meldet.

Über die Mailadresse redaktion@halternerzeitung.de oder unter 02364/925510 kann sich die Familie melden, die Halterner Zeitung vermittelt gerne den Kontakt zu Stephan Komorowski.

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