Erwachsenen Neffen im Hotel vergewaltigt - Landgericht fällt Urteil

mlzGerichtsprozess

Nach Verbüßung einer Haftstrafe wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger war ein 45-jähriger Mann gerade aus der Haft entlassen worden. Doch geläutert war er nicht.

von Klaus Möllers

Haltern

, 14.11.2019, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am frühen Morgen des 13. Mai hat ein 45-jähriger Mann aus Recklinghausen nach Überzeugung des Landgerichts Münster seinen 28 Jahre alten Neffen mehrfach vergewaltigt und geschlagen. Der Vorsitzende Richter betonte am Donnerstag, dass der Angeklagte „sieben Wochen zuvor“, im März, nach mehrjähriger Haftzeit aus der Justizvollzugsanstalt Bochum entlassen worden war und fortan unter Führungsaufsicht stand. In Bochum saß er wegen sexuellen Missbrauchs zweier Minderjähriger ein.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten, der in einem Dülmener Hotel seinen Neffen vergewaltigte, zu sechseinhalb Jahren Gefängnis einschließlich einer zweijährigen Entzugstherapie unter geschlossenen Bedingungen. Geahndet wurde mit der Gesamtstrafe auch ein Diebstahl an der Autobahntankstelle der A43 in Lavesum bei dem der Täter die Kassiererin bedrohte.

Der eigene Bruder setzte ihn vor die Tür

Im Vorfeld der Taten war der Recklinghäuser nach einem Streit mit seinem Bruder von diesem vor die Tür gesetzt worden, zeichnete der Richter nach. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe habe er sich an seinen Neffen und dessen Frau gewandt.

„Da haben Sie schon mit Lügen hantiert. Sie wollten Geld mitbringen, obwohl sie gar keines hatten“, so der Richter weiter. Er charakterisierte den 45-Jährigen als „manipulativ“, als jemanden, der Menschen „einschüchtert und attackiert“ und versuche „seine Interessen durchzudrücken“.

In der Wohnung des Neffen in Recklinghausen bedrängte der 45-Jährige dem Urteil nach angetrunken und mit Kokain im Blut die Freundin des Neffen. Der verließ mit seinem schließlich unerwünschten Onkel die Wohnung - gemeinsam fuhr man mehrere Stunden lang in der Nacht durch das Ruhrgebiet.

Kassiererin ist noch heute traumatisiert

Unterwegs stoppten die beiden an einer Autobahnraststätte in Lavesum, der Onkel betrat mit nacktem Oberkörper den zugehörigen Kiosk, riss die Ladestation des Telefons aus der Verankerung und drohte der Kassiererin, dass sie „mitgenommen“ werden könnte.

Mit Geld aus der Kasse und Getränken verließ er den Laden. Diese Tat habe „erhebliche psychische Folgen“ für die Mitarbeiterin gehabt, sagte der Richter. Sie sei heute berufsunfähig.

Der Neffe hatte sich - so hatte er ausgesagt und sein Onkel die Schilderungen bei Gericht bestätigt - unter Zwang auf den Missbrauch in dem Dülmener Hotel eingelassen.

Frage nach Sicherungsverwahrung gestellt

Der 28-Jährige war Nebenkläger im Verfahren und warf zuletzt die Frage auf, warum für seinen Onkel als bereits verurteiltem Sexualstraftäter nach einer möglichen Haft keine Sicherungsverwahrung infrage komme. Denn die hatte ein psychiatrischer Gutachter abgelehnt.

Der Richter erklärte, dass eine Sicherungsverwahrung infrage komme, wenn „ein Hang“ zu Straftaten bestehe und daraus „eine Gefahr für die Allgemeinheit“ resultiere. Dieser „Hang“ sei laut dem Gutachten noch nicht erkennbar. „Man kann nicht Leute im Vorhinein wegschließen“, so der Vorsitzende. Das Gericht habe den Facharzt für das Gutachten vorab auch damit beauftragt, eine Sicherungsverwahrung „eingehend zu prüfen“. Es verhängte die Verwahrung nicht.

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