Extrembergsteiger hielt Vortrag in Haltern

Alexander Huber

HALTERN Alexander Huber hielt am Dienstagabend im Outdoor-Laden an der Annabergstraße einen Vortrag. Und viele Menschen kamen, um einen der besten Kletterer der Welt einmal live zu erleben.

von Von Ilka Bärwald

, 18.11.2009, 18:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu Scharen sind sie an diesem milden Novemberabend in den Outdoor-Laden an der Annabergstraße gekommen, um einen der besten Kletterer der Welt einmal live zu erleben. Seit drei Wochen ist der Vortragsabend ausverkauft. Alexander Huber hat den federnden Gang eines Menschen, der bis in die Zehenspitzen durchtrainiert ist, das lange dunkle Haar trägt er zum Zopf gebunden. Seine Augen leuchten, wenn er in mühsam auf Hochdeutsch getrimmten Bayrisch von seiner Leidenschaft erzählt. Für ihn gibt es so etwas wie eine „fünfte Dimension“, die die emotionale Beziehung zwischen Mensch und Berg bezeichnet. „Die fünfte Dimension“ heißt auch sein Vortrag, der in physische und psychische Grenzbereiche führt. „Wir“, damit meint Huber seinen nicht minder bekannten Bruder Thomas und sich, „sind keine Hasardeure. Ein gesundes Maß an Menschenverstand gehört dazu.“ Planung sei dabei alles, und das Vertrauen in die eigenen Kräfte.

Bereite man sich nicht gründlich genug vor, hieße es schnell „zack, bumm, da runter“, sagt Huber. Ganz rational demonstriert er den Absturzweg mittels Laserpointer auf der Leinwand. Das Publikum zuckt bei diesen Worten zusammen. „Null Risiko gibt es nicht. Aber man kann es minimieren.“ Trotzdem sei Klettern, gerade das „free solo“, also ohne technische Hilfsmittel, kein Golfspielen. Seit seiner frühen Kindheit klettert der heute 41-Jährige, es hat ihn nicht mehr losgelassen. Auch sein Physik-Studium, das er mit dem Diplom abgeschlossen hat, brachte ihn nicht runter vom Berg. Immer höher, schneller, weiter, ist seine Devise, sie trimmt ihn zu immer neuen Höchstleistungen und Erstbegehungen. Seine Motivation ist dabei das intensive Erleben am Berg, „wenn sich die ganze Welt auf den nächsten Kletterzug reduziert“.

Hubers Vita ist eine Anhäufung der Superlative. Unter anderem erklomm er 2005 als Erster „free solo“ den Grand Capucin, der sich wie ein Granitobelisk 400 Meter aus dem Montblanc-Massiv erhebt und als der am schwierigsten zu besteigende Berg der Alpen gilt. 2008 wagte er sich mit Bruder Thomas in die Eiswüste der Antarktis, um dort den monolithischen Ulvetanna zu bezwingen, „ein Klettern im Tiefkühlschrank“ bei Temperaturen von minus 40 Grad, wie er zugibt. Kennt dieser Mensch Angst? „Angst soll nichts anderes auslösen als volle Konzentration“, sagt Alexander Huber. Erst auf den ersten 30 bis 40 Metern am Berg entscheide sich endgültig, ob die mentale und körperliche Tagesform stimmt.

Auch wenn der Extrem-Alpinist immer an die Grenzen des Möglichen geht – er hat gelernt, wann man sein Schicksal nicht herausfordern sollte. „Wenn die Wand nicht kletterbar ist, dann muss man das akzeptieren.“ Er weiß, dass es kaum einem seiner Zuhörer gelingen wird, es ihm nachzutun. Trotzdem gibt Huber dem Publikum am Ende seines Vortrags Tipps mit auf den Weg: „Es kommt auf das positiv gelebte Gefühl an, egal ob Sie wandern, klettern oder einfach nur spazieren gehen.“ Der Mensch sei schließlich nicht in der Zivilisation entstanden, sondern in der Natur.

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