Familie Amendt aus Haltern kehrt früher als geplant aus Chile zurück

mlzTuS-Jugendtrainer

Zwei Jahre in Chile leben, mit der Option auf Verlängerung: So hatten es sich die Amendts aus Haltern im Februar 2019 vorgestellt. Dass es anders kam, hat nur ein wenig mit Corona zu tun.

Haltern

, 05.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Februar 2019 verließen Sebastian und Hannah Amendt zusammen mit den drei Söhnen Leo, Ole und Paul Haltern Richtung in Südamerika. Die beiden Fußball-Jugendtrainer des TuS Haltern wollten für zwei Jahre mit ihren Kindern in Chile leben, in Vina del Mar, einer 300.000-Einwohner-Stadt am Pazifik, nahe Valparaiso. Sebastian Amendt, Lehrer für Spanisch und Sport, hatte sich dort auf einen Job an einer deutschen Schule beworben.

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Seit Gründonnerstag ist die fünfköpfige Familie wieder hier. Allerdings noch nicht in Haltern. Denn ihr Haus ist derzeit noch vermietet. Sebastian und Hannah Amendt gingen bei ihren Eltern, die in Arnsberg und am Niederrhein leben, zunächst getrennt in freiwillige Quarantäne.

„Es war ein mehr als abruptes Ende“, sagt Sebastian Amendt mehr als zwei Wochen später. Bereits seit einigen Monaten stand fest, dass die Amendts schon im Juli zurückkehren wollten in ihre Heimatstadt. Das habe viel mit den schwierigeren strukturellen Bedingungen im Schulsystem zu tun gehabt, erklärt Sebastian Amendt, ohne zuviel ins Detail gehen zu wollen. „Grundsätzlich haben wir uns dort total wohlgefühlt“, sagt der 36-Jährige. Die Corona-Krise habe den Abschied aus Vina del Mar aber dann sehr beschleunigt.

Corona-Maßnahmen wurden in Chile recht spät umgesetzt

Zunächst seien seine Eltern im März zu Besuch gewesen, da habe man aus Peru gehört, dass das Nachbarland seine Grenzen schließe. „In Chile wurden die Maßnahmen erst recht spät getroffen“, sagt Sebastian Amendt. In der Schule wurde freitags verkündet, dass Montag kein Unterricht mehr stattfinde.

Am Wochenende hieß es dann, ab Mittwoch (18. März) seien dann die Grenzen in Chile dicht. „Aber ganz rigide war es dann doch nicht, meine Eltern sind am Tag darauf noch heim geflogen.“ Es habe noch keine Kontaktbeschränkungen gegeben, nur die Empfehlung, zuhause zu bleiben. Hamsterkäufe hätten auch in Chile zugenommen, so Sebastian Amendt. Leisten könnten es sich aber hauptsächlich die Reichen. Die Protestbewegung der Chilenen aufgrund der sozialen Ungleichheiten aus dem vergangenen Jahr sei durch das Virus sehr zum Erliegen gekommen.

Der fast leere Strand von Vina del Mar in Chile Anfang April.

Der fast leere Strand von Vina del Mar in Chile Anfang April. © privat

Sie hätten sich eigentlich erst mal auf eine Zeit im chilenischen Zuhause eingerichtet. Die Schule habe Möglichkeiten geboten, online weiterzuarbeiten.

Aber auf die Informationen der Regierung habe man sich nicht hundertprozentig verlassen können. „Und außerdem habe ich schon mehr Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem.“

Freundschaft mit den Mareks

Kurz darauf habe die Familie von den Rückflügen durch die Bundesregierung erfahren und sich dann spontan entschlossen, zurückzukehren. „Innerhalb einer Woche haben wir dann unseren Haushalt aufgelöst, das Auto überschrieben, uns von den engsten Freunden verabschiedet.“ Auch von der Familie Marek, die ebenfalls aus Haltern stammt und 2017 nach Chile ausgewandert ist. „Sie haben uns viel geholfen, gerade auch bei vielen Formalitäten. Es ist eine richtige Freundschaft entstanden.“

Die Blumenuhr, das Wahrzeichen von Vina del Mar, kurz vor der Abreise der Amendts.

Die Blumenuhr, das Wahrzeichen von Vina del Mar, ist abgesperrt. Das Bild entstand kurz vor der Abreise der Amendts. © privat

Eigentlich hatten sie sich dienstags auf einen Flug am Sonntag beworben, erzählt Sebastian Amendt, der sei aber am Mittwoch storniert worden. Der nächstmögliche ging dann einen Tag später. Den haben die Amendts dann genommen.

Vor Ostern wieder zurück in Deutschland

Am Gründonnerstag landeten sie in Deutschland. Geplant ist, nächste Woche nach Haltern zurückzukehren, wenn der Unterricht für die Viertklässler starte, so Sebastian Amendt. Sohn Paul (9) soll im kommenden Schuljahr aufs Gymnasium wechseln. Lehrer Sebastian Amendt arbeitet derweil noch bis Juli für die deutsche Schule in Chile, organisiert das Lernen und den Unterricht über das Internet.

Was an Deutschland zu schätzen ist

Die drei Jungs hätten sich sehr auf die Freunde zuhause gefreut, sagt Amendt. Für ihn fühlt sich das Chile-Abenteuer noch nicht ganz abgeschlossen an, sagt er. Die Kontakte wolle man auf jeden Fall aufrecht erhalten. Aber die sport- und fußballbegeisterte Familie wisse auch, was hier zu schätzen sei. „Freie Spielflächen, Bolzplätze, davon gibt es dort nicht viel.“ Die meisten seien privat und müssten angemietet werden.

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