Flüchtlingsunterbringung: Halterner schreiben Laschet und demonstrieren

Brief an Laschet

Seit 2018 werden Geflüchtete zentral untergebracht - unter unzumutbaren Bedingungen, finden Halterner Kirchen und Initiativen.

Haltern

05.06.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Halterner demonstrierten am Samstag an der Zentralen Unterbringungseinrichtung in Marl.

Die Halterner demonstrierten am Samstag an der Zentralen Unterbringungseinrichtung in Marl. © privat

Asylsuchende werden seit 2018 bis zu zwei Jahre in derzeit 33 zentralen Einrichtungen (ZUE) in NRW untergebracht. Der Halterner Asylkreis, die evangelische und katholische Gemeinde, das Forum für Demokratie und das Könzgenhaus wenden sich jetzt angesichts der Corona-Krise in einem gemeinsamen offenen Brief an Ministerpräsident Armin Laschet. Ihre Forderung: „Verteilen Sie die Menschen dezentral auf die Kommunen!“ Am Samstagmorgen demonstrierten die Halterner an der ZUE in Marl und kamen mit Bewohnern und Security ins Gespräch.

Schon von Beginn an kritisierten die Unterzeichner die zentrale Unterbringung, die insbesondere die ehrenamtlich Engagierten in den Kommunen ausbremse. „Die funktionierende Versorgung, Unterbringung, Arbeitsmarktintegration und soziale Einbindung der Menschen mit Fluchthintergrund wurde durch die Einführung des Asylstufenplans weitgehend zum Erliegen gebracht“, heißt es in dem Brief.

„Eine neue Eskalationsstufe“

Mit der Corona-Krise sei nun eine weitere Eskalationsstufe erreicht, so die Unterzeichner. Studien belegten ein außerordentlich hohes Übertragungspotenzial von COVID 19 in den Einrichtungen. Angebote, Geflüchtete zu übernehmen (wie etwa durch das Halterner Könzgenhaus) würden durch die Landesregierung pauschal abgelehnt. In Marl waren in der Einrichtung 20 Personen erkrankt.

Die Halterner Unterzeichner halten es für dringend erforderlich, das Thema der zentralen Unterbringung auf den Prüfstand zu stellen. Dies sei notwendig, um die Leben der Geflüchteten zu schützen. Sie unterstützen die Marler Flüchtlingshilfe beim Aufbau eines Willkommenscafés im Pfarrheim der Kirche St. Josef, deren Pfarrer Heiner Innig sich am Samstag zu den Demonstranten gesellte.

„Im Laufe des Vormittags führten die Halterner viele Gespräche mit den Wachdiensten und Angestellten von European Homecare, die zusammen mit der Bezirksregierung die ZUE in Marl „betreuen“. Gespräche am Zaun und über den Zaun hinweg. Später wagten sich auch die Bewohner dazu. Alle schienen sich einig zu sein, dass ohne Zaun vieles leichter wäre“, schreiben die Organisatoren.

„Integration endet am Zaun“

Viele Fragen wurden diskutiert, etwa warum die Familien hinter dem Zaun nicht mit Hilfe der Flüchtlingshelfer eine Wohnung suchen, die Kinder zur Schule gehen oder eine Ausbildung beginnen können. Oder auch, warum man nicht im nahe gelegenem Pfarrheim selbst kochen und essen darf, sich stattdessen aber aufwendig mit Fertigkost morgens, mittags und abends beliefern lassen muss. Und auch, warum dieser Zaun sein muss, der Freundschaften und jeglicher Integration im Wege steht.

„Selbstbestimmung und Integration – in Marl endet beides am Zaun. Die Halterner

hoffen darauf, dass die Politik den erneuten Weckruf wahrnimmt und den Zaun endlich beseitigt“, so die Organisatoren.

Lesen Sie jetzt