Förderverein lehnt Bebauung an Schloss Sythen ab

Klares Votum

52 Mitglieder des Fördervereins Schloss Sythen stimmten in dieser Woche gegen eine mögliche Bebauung auf dem Gelände des Schlosses. Eine Firma will sich dort ansiedeln - der Vorstand hatte die außerordentliche Versammlung einberufen, um das Meinungsbild abzufragen.

SYTHEN

, 16.06.2017, 12:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Förderverein lehnt Bebauung an Schloss Sythen ab

Das Schloss Sythen aus der Luft.

Auch Bauamtsleiterin Anette Brachthäuser nahm an der Veranstaltung teil und stellte sich den Fragen des Gremiums. Die Entscheidung fiel schließlich eindeutig aus. Insgesamt beteiligten sich 54 Mitglieder an der geheimen Abstimmung. Es wurde nur ein Ja-Votum für die Pläne des Halterner Kommunikationsbüros „Die Guten Botschafter“ abgegeben, den Firmensitz auf das Gelände von Schloss Sythen zu verlegen. Nach zweijährigen langwierigen Diskussionen über mögliche Standortvarianten des geplanten Bürogebäudes und eine gemeinschaftliche Nutzung des Geländes durch den gemeinnützigen Verein und den Gewerbebetrieb ist damit wohl endgültig ein Kompromiss vom Tisch. 

Die ablehnende Haltung des Vereins zeichnete sich bereits vor dem Urnengang der Mitglieder ab. Der Vorstand sprach sich gegen das geplante Projekt der Guten Botschafter aus und führte folgende Argumente an:

  •  die Ausmaße des neuen Gebäudes sind zu groß
  • durch die räumliche Enge würden die alten Gebäude mit dem neuen verschmelzen
  • Nutzungsabsprachen sind schwierig

Das geplante Bürogebäude würde die vorhandenen historischen Bauten erdrücken. Es würde die Gefahr bestehen, dass sich der Verein zu sehr der gewerblichen Nutzung unterordnen müsste. So lautete das Fazit des Vorstands. Dieser hatte den südlichen Standort in Angrenzung an den großen Saal selbst als Alternative zu einer Bebauung der großen Wiesen im Innenhof auf den Grundmauern des alten Herrenhauses vorgeschlagen. Die Idee sei allerdings aus der Not heraus entstanden, erklärte Robert Hüser vom Vorstand am Mittwoch auf Anfrage. Die Mitglieder quittierten die Haltung ihres Vorstands mit Applaus und stärkten diesem wenig später durch ihre Stimmabgabe den Rücken.

Jetzt lesen

Die Diskussion zuvor drehte sich vor allem um die Risiken, die aus Sicht des Vereins mit der Ansiedlung eines privaten Investors auf Schloss Sythen verbunden sein könnte. Kritisch wurde beispielsweise gesehen, dass sich die Verwaltung nur auf einen Investor konzentriert und diesen unterstützt habe.

„Die Stadt hätte das Gelände von vorneherein für tabu erklären können“, merkte ein Vereinsmitglied an. Die Verwaltung sei nicht Initiator des Projekts und habe auch nicht vor, das Gelände in Sythen offensiv zu vermarkten, reagierte Anette Brachthäuser. Bisher habe die Stadt lediglich die Kosten für eine Gefährdungsabschätzung im Rahmen des Artenschutzes getragen. Ein notwendiges hydrologisches Gutachten sei noch nicht in Auftrag gegeben worden.

Jetzt lesen

Nach der Abstimmung sprach sich die Bauamtsleiterin dafür aus, auf jeden Fall einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan zu fassen. Dieser werde auch für die Pläne des Fördervereins benötigt, den großen Saal durch einen Wintergarten zu erweitern. Außerdem sollten die Ergebnisse, die in Kooperation mit den Denkmalbehörden und der Unteren Naturschutzbehörde herausgearbeitet wurden, für die weite Zukunft gesichert werden.

Bisher habe das klärende Wort des Fördervereins über die Zukunft von Schloss Sythen gefehlt. Aussagen seien interpretationswürdig gewesen, erklärte SPD-Ratsmitglied Heinrich Wiengarten. Für die Entscheidung der Fraktionen werde die Haltung des Fördervereins zu einem wichtigen Baustein, betonte er.  

Lesen Sie jetzt