Futter gibt’s schon mal mit der Pinzette: Friseurmeisterin Denise Podgurski rettet kleine Wildvögel, hier hat sie einen Spatzen zu Gast. © Jürgen Wolter
Vogelretterin

Friseurmeisterin Denise Podgurski rettet kleine Vögel – seit Corona

Spatzen, Meisen, Amseln: Immer wieder mal zwitschert es im Friseursalon NuStyle’s von Denise Podgurski. Sie hilft, kleine Wildvögel zu retten, und das hat etwas mit Corona zu tun.

Kunden im Friseursalon NuStyle‘s von Denise Podgurski blicken gelegentlich schon mal irritiert um sich: Sie hören Vogelgezwitscher, ohne zu wissen, woher das kommt. Das erklärt ihnen die Friseurmeisterin dann umgehend. Im hinteren Bereich steht ab und zu eine Transportbox, in der kleine Wildvögel herumflattern. Sie werden von der Inhaberin wieder aufgepäppelt.

Es war der erste Lockdown wegen Corona im Jahr 2020: Denise Podgurski musste wie alle Friseure ihr Geschäft am Nordwall/Lavesumer Straße wochenlang schließen. „Das war eine Zeit voller Überlegungen, ich wusste nicht, wie und ob es mit dem Geschäft weitergeht“, sagt sie.

In dieser Zeit beschäftigte sie sich auch mit dem Thema Vogelrettung. „Es gibt über Facebook ein Netzwerk von Gruppen, die sich für die Rettung von Wildvögeln einsetzen“, sagt sie. Sie informierte sich darüber, wie man kleinen Vögeln helfen kann, die aus dem Nest gefallen sind, Katzenkontakt hatten oder beispielsweise von einer Elster oder einem Eichelhäher attackiert worden oder vor eine Glasscheibe geflogen sind.

Eine Amsel im Geschäft

„In dieser Zeit habe ich dann überlegt, dass ich dabei auch selbst mithelfen könnte“, sagt sie. Dem endgültigen Impuls gab ihr dann der Besuch einer jungen Amsel in ihrem Geschäft. „Die hatte sich verflogen und saß auf einmal bei uns im Salon“, erinnert sich Denise Podgurski.

Sie nahm Kontakt zu Gruppen der Wildvogelhilfe auf. Die Nächsten befinden sich in Bochum und in Essen. „Ich habe dann am Anfang ab und zu Vogeltaxi gespielt“, erinnert sie sich. Sie fuhr raus, wenn sich Finder gemeldet hatten, die einen verletzten oder hilflosen Vogel gefunden hatten.

Dann dauerte es nicht mehr lange, bis sie zum ersten Mal selbst die Vogelpflege übernahm. „Es waren vier Spatzenjunge, die sich nicht selbst ernähren konnten“, erinnert sie sich. Denise Podgurski nahm sie auf und päppelte sie langsam auf. Anschließend brachte sie sie zur Pflegestation in Bochum, wo sie wieder ausgewildert wurden.

Bis heute hat Denise Podgurski rund 30 kleine Wildvögel in Pflege genommen. „Stolz bin ich darauf, dass ich es geschafft habe, eine Mönchsgrasmücke, die eine Bauchwunde hatte, die ihr eine Katze zugefügt hatte, wieder fit bekommen habe“, sagt sie.

Alle 30 Minuten füttern

Bei Verletzungen kontaktieren die Vogelretter allerdings Tierärzte. Auf ihrem Netzwerk finden sich auch Kontaktdaten der Ärzte. Tiere, die ausgewildert werden können, kommen in die Pflegestation nach Bochum, eine weitere Vogelretterin in Essen hat eine Freiflugvoliere, in der Tiere sich noch weiter erholen können, wenn sie noch nicht fit genug für die Auswilderung sind.

Da die Pflegevögel zum Teil alle 30 Minuten gefüttert werden müssen, nimmt Denise Podgurski sie jetzt auch in einer Transportbox mit ins Geschäft, wo sie sich dann akustisch bemerkbar machen. Vor allem Spatzen, Meisen und Amseln gehörten bisher zu ihren gefiederten Gästen. In einigen Fällen hat sie es leider nicht geschafft, die Vögel zu retten. „Dann müssen wir sie leider einschläfern lassen“, sagt sie.

Die Wildvogelretter tragen die anfallenden Kosten selbst und freuen sich über Spenden. Kontakt zu ihnen kann man über Facebook herstellen. Denise Podgurski ist dort zu finden unter „Hast du ne Meise“, die Bochumer Gruppe findet man unter „Wat ne Feder“.

Die „Wildvogelhilfe – Notfälle“, erreichbar ebenfalls über Facebook, ist eine bundesweite Anlaufstation für verletzte Vögel. Sie wird auch vom Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) empfohlen.

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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Jürgen Wolter

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