Zechenturm und Schachtgelände der AV 8 in Lippramsdorf-Freizeit: Über den beantragten Denkmalschutz wird am 4. November beraten. © Bludau
Denkmalschutz AV 8

Früherer Bürgermeister war überzeugt: „Haltern ist eine Bergbaustadt“

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe beantragt Denkmalschutz für die Zeche AV 8 in Lippramsdorf. Es gibt Gegner. Halterns früherer Bürgermeister Hermann Wessel hätte das nicht verstanden.

Am 4. November wird der Kulturausschuss entscheiden, ob Haltern die Eintragung der früheren Zeche Auguste Victoria 8 in Lippramsdorf in die Denkmalliste unterstützt. Der Antrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe wird in Lippramsdorf kontrovers diskutiert. Mittlerweile gibt es eine private Unterschriftenaktion. Bürgermeister Andreas Stegemann ist gegen den Denkmalschutz für AV 8, er hat die Liste als einer der Ersten unterschrieben.

Der frühere, 2008 verstorbene Halterner Bürgermeister Hermann Wessel bekannte sich eindeutig zu diesem Industriezweig und wäre heute möglicherweise ein Verfechter der Unterschutzstellung.

„Stahlgerüst wird zu einem Wahrzeichen unserer Stadt“

In seiner Ansprache zur Eröffnung des Schachtes AV 8 im September 1982 sagte er unter anderem: „Heute hat der Bergbau an zwei Stellen unser Stadtgebiet erreicht, so dass ich mit Fug und Recht sagen darf, dass Haltern jetzt Bergbaustadt ist. Die Außenanlage Schacht Auguste Victoria 8 verspricht für unsere Stadt, darüber hinaus auch für den ganzen Landkreis, erhebliche Bedeutung zu erlangen. Bei dem Schachtturm handelt es sich zwar um einen betont funktionell angelegten Komplex, jedoch wird das Stahlgerüst für viele, die Haltern vom Süden her ansteuern, zu einem Wahrzeichen unserer Stadt und daher auch zu einer Bereicherung unseres Ortsbildes.“

Hermann Wessel, 14 Jahre Bürgermeister von Haltern, hielt die Anlage und ihre Einbindung in die Landschaft für so gelungen, dass er sich die Anregung erlaubte, ob das Bergwerksunternehmen sich nicht beim nächsten Bundeswettbewerb „Industrie im Städtebau“ beteiligen wolle.

Talfahrt auf dem Arbeitsmarkt sollte ein Ende haben

Für Hermann Wessel schob der Schacht auch wesentlich den Arbeitsmarkt an. Er sagte: „Besonders bedrückt mich, dass unser Lebensraum gerade den jüngeren Menschen nur wenig Chancen bietet. Diese Schachtanlage verkörpert für uns alle die Hoffnung, dass die Talfahrt auf dem Arbeitsmarkt ein Ende hat. Wir fassen wieder Mut. Die größere Nähe zum Arbeitsplatz wird vielen Familien wieder mehr Zeit und Ruhe bringen.“

Für viele jüngere Menschen werde künftig kein Anlass mehr bestehen, das Glück woanders suchen zu müssen. Auch die Gemeinde insgesamt werde sich – davon sei er überzeugt – mit dem vordringenden Bergbau weiter aufwärts entwickeln.

„Jedenfalls hoffen wir, dass diese Schachtanlage, von der schon zahlreiche bedeutende Aufträge an Halterner Handwerksbetriebe gegangen sind, gewissermaßen Kettenreaktionen auslöst, die uns alle optimistisch in die Zukunft blicken lassen.“

Der Schacht AV 8 wurde 2015 geschlossen. Jetzt startete in Lippramsdorf eine private Unterschriftenaktion, um sich gegen die Unterschutzstellung der Industrieanlage zur Wehr zu setzen. Diese Liste wollen Lippramsdorfer am 4. November im Kulturausschuss an die Politik überreichen.

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Elisabeth Schrief

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