Führerschein gegen Busticket - Seniorenbeirat sieht keinen Bedarf in Haltern

mlzMobil im Alter

In Dorsten, Recklinghausen und anderen Kreisstädten können Autofahrer ihren Führerschein gegen ein Busticket eintauschen. Der Seniorenbeirat sieht dafür in Haltern allerdings keinen Bedarf.

Haltern

, 19.02.2019, 05:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Dorsten und in Recklinghausen läuft sie. In Herten, Marl und Oer-Erkenschwick startet sie in den kommenden Monaten: Hier können Menschen im Rahmen der Aktion „Mobil ohne Auto“ ihren Führerschein gegen ein kostenloses Busticket der Vestischen eintauschen.

In der Nachbarstadt Dorsten ist die Aktion bereits gestartet. Im Bürgerbüro können Bürger dort ihren Führerschein abgeben. „Dort wird der Führerschein entwertet und kann als Andenken mitgenommen werden“, schreibt die Vestische auf ihrer Internetseite. Das Büro bestätigt dann einen Antrag, mit dem der Bürger oder die Bürgerin ein kostenloses Ticket2000 der Vestischen bekommt - für drei Monate.

„Wenn man Menschen sieht, die kaum noch die Füße heben können, aber meinen, sie könnten noch Autofahren, sind sie eine Gefahr für sich und andere“, sagt Heidrun Römer vom Seniorenbeirat Dorsten dazu, warum sich Stadt und Seniorenbeirat zu der Aktion mit der Vestischen entschieden haben. Dort hätten sich bei einer vorherigen Umfrage viele Dorstener für die Aktion ausgesprochen.

„Es ist ein gemeinschaftliches Projekt mit den Städten. Der Fokus liegt hierbei auf den Senioren und mobil eingeschränkten Gästen, die wir ins Boot holen wollen“, sagt Ewelin Reclik vom Presseteam der Vestischen.

Stadt ist offen für Projekt, Seniorenbeirat ist skeptisch

Die Stadt Haltern ist offen für das Projekt. „Uns ist diese Werbekampagne der Vestischen bekannt“, teilt Georg Bockey, Pressesprecher der Stadt Haltern auf Nachfrage mit. „Wir hätten auch nichts dagegen (...). Wir würden diesen Prozess begleiten, indem wir die Führerscheine entgegennehmen, diese zum Straßenverkehrsamt geben und den Senioren einen entsprechenden Brief geben.“ Würde die Aktion durchgeführt, dann nur „im Einvernehmen“ mit dem Seniorenbeirat, so Bockey. „Viele Menschen, gerade auch, wenn sie in den Ortsteilen wohnen, sind oftmals zwingend auf den Pkw angewiesen, sodass ihnen ein Ticket nicht immer nützt.“

Der Seniorenbeirat der Stadt Haltern sieht für die Aktion allerdings keinen Bedarf: „Mit Blick auf Haltern am See kann festgestellt werden, dass zwar die Grundbedarfe durch den ÖPNV abgedeckt werden, die Taktung (insbesondere) in Richtung der flächig verteilten Ortsteile aber vielfach eine Herausforderung darstellt.“ Verbindungen zwischen den Ortsteilen würden oft nicht angeboten, etwa zwischen Sythen und Lavesum.

„Auch in Haltern-Mitte gibt es einen Bedarf über das Streckennetz der Vestischen hinaus, der seit gut einem Jahr zumindest teilweise durch den vom Seniorenbeirat mitinitiierten Bürgerbus abgedeckt wird“, so Otto K. Rohde, Vorsitzender des Seniorenbeirates.

Darüber hinaus sei der Einzelne gesetzlich dazu verpflichtet, nicht am Verkehr teilzunehmen, „wenn man sich im Einzelfall oder generell nicht sicher im Verkehr bewegen kann, so Rohde.

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65 abgegebene Stimmen

Im Jahr 2017 waren deutschlandweit 74.869 Senioren an Unfällen im Straßenverkehr mit Personenschaden beteiligt. Das sind 48,5 Prozent mehr als noch im Jahr 2000 (50.411 verunglückte Personen). 2016 waren es mit 75.552 Personen 0,9 Prozent mehr. Im Kreis Recklinghausen sind 2017 378 Senioren bei Verkehrsunfällen verunglückt (+7 Prozent gegenüber 2016), 22 waren es in Haltern.

  • Gestartet ist die Aktion „Mobil ohne Auto“ am 1. Juni 2016 in Gladbeck. Dort konnten Senioren bis zum 31. Mai 2017 ihre Führerscheine gegen Bustickets eintauschen.
  • 180 Gladbecker haben bisher an der Aktion teilgenommen.
  • In Oer-Erkenschwick startet die Aktion am 1. März, in Herten am 1. April und in Marl am 1. Mai, so die Vestische.
  • In Haltern könnte die Aktion im Sommer starten, sollten sich Stadt und Seniorenbeirat dazu entschließen, so die Vestische.
  • „Bei uns ist es so, dass alle Städte auf uns zugekommen sind“, sagt Ewelin Reclik vom Presseteam der Vestischen. Das solle am besten in Abstimmung mit dem Seniorenbeirat der jeweiligen Stadt geschehen. „Dann können wir das weitere Prozedere planen. Wir sind offen für alle Städte“, so Reclik.
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