Für das Gedächtnis ist „Aufmerksamkeit das Allerwichtigste“

20 Jahre Gedächtnistraining

Seit 20 Jahren trainiert Ursula Braun das Gedächtnis interessierter Halterner Bürger. Wie das geht und wie jeder selbst ein wenig trainieren kann, verriet die 83-Jährige jetzt.

Haltern

, 03.09.2019, 11:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Für das Gedächtnis ist „Aufmerksamkeit das Allerwichtigste“

Seit 20 Jahren leitet Ursula Braun (Mitte, hintere Reihe) die Gedächtnistraining-Kurse. © Ingrid Wielens

Was hält die Frau am Halterner Brunnen am Markt in der Hand? Was sitzt vor der anderen Frau? Und wie viele Uhren hat der Sixtus-Kirchturm? Wie viele Bögen das Alte Rathaus? Wer diese Fragen direkt beantworten kann, ist ein besonders aufmerksamer Mensch. Und wer aufmerksam durchs Leben geht, hat in der Regel auch ein recht gut ausgeprägtes Gedächtnis. Das erklärt Ursula Braun. Seit nunmehr 20 Jahren leitet sie, inzwischen gemeinsam mit Marlies Schäfer, das Gedächtnistraining für Senioren ab 60.

Im Schnitt sind 20 Gedächtnissportler aktiv

Rund 20 Mitglieder zählt die Gruppe, die sich jeden Mittwoch von 9.30 bis 10.30 Uhr im Josefshaus am Richthof trifft. Zurzeit sind es ausschließlich Frauen. Einige von ihnen sind von Kursbeginn an dabei. „Wir haben aber auch schon einige Männer hier bei uns gehabt“, sagt Ursula Braun. Sogar Domkapitular Tewes kam regelmäßig zum Training. Die Teilnahme am Kurs ist kostenlos und jederzeit möglich, lediglich kleine Geldbeträge für Kopien kommen auf die Gedächtnissportler zu.

An diesem Mittwoch widmet sich die 83 Jahre alte Kursleiterin dem Thema „Rot“. „Was ist immer rot und ändert nie die Farbe?“, fragt sie in die Runde. Blut, Fliegenpilze, Erdbeeren“, hagelt es Antworten. Was zunächst einfach erscheint, wird bei genauer Betrachtung dann doch schwer. Irgendwann gehen die Ideen aus.

„Konzentration ist das A und O“

Ursula Braun verteilt Bilder - jetzt gilt es, die dahinter verborgenen Sprichwörter zu erkennen. Es folgt ein kleiner Textauszug. Nun müssen die in den Worten versteckten „Rot“-Silben gefunden werden. „Konzentration ist das A und O“, sagt Ursula Braun. Vor 30 Jahren noch hatte sie an der Uni Dortmund ein Geragogik- und Gerontologie-Studium absolviert.

Ursula Brauns Rätsel

Altes Rathaus mit sechs Bögen

Die Frau am Halterner Brunnen hält einen Apfel in der Hand, vor der anderen Frau sitzt ein Hund. Der Kirchturm der Sixtus-Kirche hat vier Uhren. Am Eingang des Alten Rathauses gibt es sechs Bögen - vier vorne und je einer an den Seiten.

Als sie von den Anfängen des Gedächtnistrainings erzählt, muss sie doch schmunzeln. „Die ersten beiden Male saß ich ganz alleine hier“, erinnert sich die 83-Jährige. Die Menschen hätten eben einfach Berührungsängste gehabt. „Damals kam die wissenschaftliche Erkenntnis auf, dass Gehirnzellen sich zeitlebens umformen und anpassen können.“ Die Möglichkeit neuer Verbindungen zwischen Gehirnzellen auch im älteren Gehirn sei erkannt worden. Braun: „Das war der Auftakt des Gedächtnistrainings.“

Wie aber kann man die Aufmerksamkeit üben und damit das Gedächtnis schulen? Ursula Braun gibt drei Tipps:

  • An jeden Abend sollte man den Tag noch einmal gedanklich durchgehen und sich fragen: „Was habe ich alles gemacht?“ Das schult das Kurzzeitgedächtnis.
  • Den Gesprächspartner immer bewusst wahrnehmen. Trägt er zum Beispiel eine Brille? So vergisst man den Namen der Person nicht so schnell.
  • Nach dem Lesen einer Geschichte den wesentlichen Inhalt in Gedanken wiederholen. „Es kommt vor, dass Menschen nach dem Lesen der Zeitung den Inhalt nicht wiedergeben können“, sagt Ursula Braun. „Aufmerksamkeit ist das Allerwichtigste.“

Wer seine geistige Leistungsfähigkeit ausbauen möchte, darf gerne beim Josefshaus vorbeischauen. „Unsere Übungen erfordern kein Wissen“, betont Ursula Braun. Es gebe auch kein Abfragen von Wissen oder gar irgendwelche Bewertungen. „Der Kurs soll ja schließlich vor allen Dingen Spaß machen.“

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