Gerhard Reichenbach bot vielsaitige Musikerlebnisse

Sythener Gitarrentage

Am Sonntagnachmittag begannen die Sythener Gitarrentage auf dem Schloss mit einem der erfolgreichsten deutschen Konzertgitarristen. Die KulturStiftung Masthoff konnte Gerhard Reichenbach präsentieren.

SYTHEN

von Von Sabine Bornemann

, 15.08.2011, 18:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Unter anderem begeisterte der Gitarrenprofessor mit Samba-Kompositionen.

Unter anderem begeisterte der Gitarrenprofessor mit Samba-Kompositionen.

Reichenbach spielte alles auswendig und führte auch in jedes Stück mit einer kurzen Erläuterung ein. Einzelne Besonderheiten hat er vorher demonstriert, z.B. die Übertragung des Tremolos aus der Mandolinentechnik auf die Gitarre bei Giulio Regondis „Reverie“. So hatte auch der ungeschulte Konzertbesucher die Chance, das Spezielle eines Stückes wiederzuerkennen. Der geschickte Pädagoge wagte auch einen Abstecher in die avantgardistische Musik mit Stücken von Buck Wolters und Marco Pereira. Er erzählte die Geschichte von Burkhard Wolters, der nach einem Studium der klassischen Gitarre frustriert das Instrument an den Nagel hängen wollte.

Er fühlte sich durch den im Konzertbetrieb geforderten Perfektionismus völlig blockiert - bis er die Jazz-Gitarre für sich entdeckte. Hier gibt es nicht mehr „richtig“ und „falsch“. Bei einem Festival spielte er Reichenbach eine eigene Komposition vor - und der war fasziniert und interpretiert seither viele Stücke von Wolters. Die Konzertbesucher kamen in den Genuss von „Samba de lobo“, eine „federnde“ Komposition, die Wolters Reichenbach „in die Finger geschrieben“ hat - „so schwer wie möglich.“ Reichenbach erklärte auch, was den Samba ausmacht: Zweiertakt, langsamer Bass zum Schreiten in Vierteln, eine Begleitung in Sechzehnteln und eine Melodie, die oft „nicht auf Schlag“ kommt. Mit „Sambadalu“ von Marco Pereira mutete Reichenbach dem Publikum noch eine Steigerung zu: Hier gab es fast keine Note mehr „auf der Zeit“. Schließlich streifte er sogar seinen Ehering ab, denn beim „Jongo“ von Paulo Bellinati wurde der Klangkörper auch noch als Trommel benutzt.

Nach der Pause entschuldigte sich der Gitarrenprofessor für diesen wilden Ausflug ins Percussive und versöhnte einige irritierte Gemüter mit der „singenden Gitarre“ in zwei Stücken von Heitor Villa Lobos. Natürlich durfte auch der Tango von Astor Piazolla im Programm nicht fehlen, obwohl er in dem Stück „Campero“ nur noch in wenigen Elementen stilisiert vorkam. Zum Schluss des Konzerts brach noch einmal das Bedürfnis durch, dem Publikum die große Bandbreite der Klangtechniken einer Gitarre zu vermitteln - das Stück von Gran Jota Aragonesa war wirklich spannend und überraschend.

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