Geschichtsforschung: Ein Halterner Unternehmen erlangte weltweite Bedeutung

Stadtarchivar Gregor Husmann

Am Ende des 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts stand Haltern an der Schwelle, zum Industriestandort zu werden. Das belegen Forschungen von Stadtarchivar Gregor Husmann.

Haltern

, 16.12.2019, 14:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Geschichtsforschung: Ein Halterner Unternehmen erlangte weltweite Bedeutung

Stellten den vierten Band der Halterner Industriegeschichte(n) vor (v.l.): Kämmerer Dirk Meussen, Bürgermeister Bodo Klimpel, Stadtarchivar Gregor Husmann und Fachbereichsleiter Jürgen Schröder. © Jürgen Wolter

Halterns Stadtarchivar Gregor Husmann hat den vierten Band seiner Veröffentlichungsreihe Halterner Industriegeschichte(n) vorgestellt. „Vom Projekt der Ätherfabrik Still zum Technikum: Grundlagen eines Weltunternehmens vor Ort“ lautet der Titel.

Gregor Husmann begibt sich darin auf Spurensuche zur Geschichte der Firma Carl Still, die neben ihrem Hauptstandort in Recklinghausen auch ein Werk in Haltern an der Annabergstraße betrieb.

Ätherfabrik in Haltern

Still übernahm das Gelände vor der erfolglosen Chemiefirma Cappenberg, deren Geschichte Gregor Husmann in seinem dritten Band dargestellt hatte. Zunächst war geplant, eine Ätherfabrik in Haltern zu errichten.

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Halterner Industriegeschichten

Vermutlich hätte die Firma Still mit der Produktion von Diäthyläther Krankenhäuser im Umkreis beliefern können, ebenso Apotheken und Arztpraxen. Äther kann auch als Lösungsmittel eingesetzt werden. Ob auch die Produktion von Sprengstoffen bei der Planung eine Rolle spielte, in denen Äther ebenfalls Verwendung finden kann, ist nicht erwiesen. Tatsächlich kam es aber nie zur Produktion in Haltern.

Unternehmen erlangte weltweite Bedeutung

Die Firma Still nutzte den Strandort vielmehr zur Errichtung eines Labors und eines Technikums für die Entwicklung der Produktion von Kokereianlagen, durch deren Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg das Unternehmen weltweite Bedeutung erlangte.

In Haltern arbeiteten bis zu 80 Mitarbeiter im Werk. „Es wurden auch Zulieferteile vor Ort produziert“, so Gregor Husmann. Dabei nutzte die Firma Still vor allem den Logistikvorteil mit eigenem Gleisanschluss in direkter Nähe des Halterner Bahnhofs. „Das war ein Standortvorteil gegenüber Recklinghausen“, so Gregor Husmann.

Verkauf an Thyssen in den 1980er-Jahren

Die Firma Still betrieb den Standort bis in die Mitte der 80er-Jahre, als die Mehrheit des Unternehmens an den Thyssen Konzern verkauft wurde.

„Gregor Husmann gelingt es mit seinen Veröffentlichungen immer wieder, industriegeschichtliche Erkenntnisse zu Tage zu fördern, die der Mehrheit der Halterner Bevölkerung nicht bekannt sind“, fand Bürgermeister Bodo Klimpel bei der Vorstellung.

Mit Unternehmen des Ruhrgebiets verzahnt

Für Gregor Husmann steht fest, dass Haltern bei der Industrialisierung des Ruhrgebiets als Standort an der Peripherie vielfach mit den Unternehmen des Ruhrgebiets verzahnt war: „Die Stadt hätte auch eine andere Entwicklung zum Industriestandort nehmen können“, ist er überzeugt.

Der vierte Band der Halterner Industriegeschichte(n) ist für 3,50 Euro in der Stadtagentur im Alten Rathaus erhältlich.

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