Gewerkschaft warnt osteuropäischen Billig-Bäckern

Arbeitnehmerfreizügigkeit

Vor einem Dumpinglohn-Wettbewerb im Bereich Bäckereien und Gastronomie im Kreis Recklinghausen warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Gelsenkirchen-Herten, wenn am 1. Mai die Sperrklausel für osteuropäische Arbeitnehmer fällt. Die DEHOGA-Vorsitzende Marianne Teltrop und der Halterner Bäcker Theodor Sanders, Mitglied der Innung Recklinghausen, bezweifeln dies.

HALTERN

von Von Berthold Fehmer

, 28.04.2011, 19:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Gewerkschaft warnt osteuropäischen Billig-Bäckern

Ab dem 1. Mai dürfen osteuropäische Arbeitnehmer ohne besondere Genehmigung in Deutschland arbeiten. Die NGG befürchtet negative Auswirkungen auf das Lohnniveau. "Es geht gerade um Tätigkeiten, die jetzt ohnehin schon nicht gut bezahlt werden. Da ist die Gefahr groß, dass Arbeitgeber diese Jobs künftig zu noch mieseren Konditionen an EU-Arbeitnehmer vergeben", sagt Werner Kraupner, Geschäftsführer der NGG. Neueinstellungen zu Niedrigstlöhnen würden zwangsläufig zu einer Lohnspirale nach unten und einer Zunahme der prekären Beschäftigung führen. "Insbesondere das Bäckerhandwerk und die Gastronomie mit ihren gering bezahlten Jobs sind hier anfällig.""Panik nicht nachvollziebar" In Haltern sieht Marianne Teltrop diese Gefahr nicht gegeben. "Das glaube ich, ehrlich gesagt, nicht." Das Lohnniveau liege in der Gastronomie "nicht sonderlich weit unten. Da gibt es noch andere Branchen." Einen von der NGG geforderten Mindestlohn von 8,50 Euro, sagt Teltrop, "würde ich mir ungern vorschreiben lassen." Der Mindest-Stundenlohn in ihrem Haus liege ohnehin nicht weit von dieser Marke entfernt.

Auch Bäcker Theodor Sanders glaubt nicht an die negative Lohnspirale: "Die Angst und Panik kann ich nicht nachvollziehen." Im Bäckereihandwerk gebe es einen Flächentarifvertrag, der genau regele, was für welche Tätigkeit gezahlt werden müsse. Im Gegenteil: Das Bäckerhandwerk stehe mitten im Wettbewerb um die Jugend. "Wir suchen Auszubildende - bisher habe ich noch keine Bewerbung vorliegen."Nachwuchsschwierigkeiten Falls die Arbeitslosigkeit weiterhin sinke, werde es für Bäcker bald sehr schwer Nachwuchs zu gewinnen. "Im großen Betrieb können Sie ungelernte Kräfte an Maschinen stellen, in kleinen Betrieben brauchen Sie Fachkräfte." Arbeitnehmer aus Osteuropa könnten dann die einzige Alternative sein, die sich von unattraktiven Arbeitszeiten nicht schrecken ließen. "Jetzt ist auch noch der Sonntag dazu gekommen. Das macht´s nicht attraktiver."

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