Eine Drohnenaufnahme zeigt ein Bild der Verwüstung. © Halterner Zeitung
Analyse am Windrad

Gondel des eingestürzten Halterner Windrades gräbt sich in den Boden

Das Umweltamt des Kreises Recklinghausen darf jetzt die Unglücksstelle in der Hohen Mark betreten. Mitarbeiter sammelten erste Eindrücke vom Ausmaß des Windrad-Einsturzes und den Folgen.

Das Trümmerfeld des eingestürzten Windrades in der Hohen Mark „gehört“ jetzt den Gutachtern und den Mitarbeitern des Kreis-Umweltamtes. Sie forschen nach der Ursache beziehungsweise analysieren den hinterbliebenen Umweltschaden. Welche Kräfte auf das Material einwirkten, zeigte sich den Mitarbeitern der Boden- und Abfallwirtschaftsbehörde sowie der Wasserbehörde: Die Gondel des 249 Meter hohen Windrades hat sich zwei Meter tief in den befestigten Waldboden gebohrt.

Sie sei zwar zusammengepresst, aber es gebe derzeit noch keine Anzeichen dafür, dass Schmiermittel ausgelaufen seien, hieß es seitens des Kreises. Die Füllstandsanzeige stehe auf „voll“. Es sei nichts zu erkennen, aber auch nichts zu riechen, sagte Sprecherin Lena Heimers. Das sei zunächst einmal ein gutes Zeichen.

Ein Kran holt die Gondel aus dem Waldboden

Doch, um Gewissheit zu haben, muss die Gondel aus der Erde. Dafür wird voraussichtlich in der nächsten Woche ein Kran anrollen. „Erst durch das Heben kann das Umweltamt tatsächlich erkennen, ob Schmiermittel ausgelaufen sind“, so Heimers. Ein Bodengutachter ist jedenfalls auch zur Unfallstelle bestellt.

Die Entsorgung der Trümmerteile wird eine große Aufgabe sein.
Die Entsorgung der Trümmerteile wird eine große Aufgabe sein. © BLUDAU FOTO © BLUDAU FOTO

Grundsätzlich lägen die Teile des zerborstenen Windrades mit Ausnahme der Rotorteile in engem Radius um das Fundament. Bezüglich der Entsorgung stünden Hersteller, Betreiber und Behörden in engem Kontakt miteinander. Etliche Prüfungen und Besprechungen seien noch notwendig.

Die Entsorgung der Windradteile ist nicht ungefährlich. Bei Windrädern, auch diesen Typs, werden beispielweise Glasfaser und Carbon-Faser-Kunststoffe (CFK) verbaut, die bei einem Bruch oder Einsturz gesundheitsschädliche Stäube freisetzen können. In der Umgangssprache werden sie auch gern „fiese Fasern“ genannt. Sie können in die Lunge eindringen und stehen in Verdacht, wie Asbest zu wirken.

Nur mit Schutzkleidung in das große Trümmerfeld

Die Entsorgung von Carbon- und Glasfasern ist auch äußerst schwierig, denn sie lassen sich nicht ordnungsgemäß recyceln und dürfen auf öffentlichen Deponien nicht endgelagert werden. „Unsere Mitarbeiter arbeiten auf jeden Fall mit Schutzkleidung in dem Trümmerfeld“, betont die Kreissprecherin. Wie letztlich die Trümmer abtransportiert und entsorgt werden, ist derzeit noch nicht klar.

Den Stadtwerken, Kooperationspartner der RAG Montan Immobilien in diesem Windpark, ist jedenfalls daran gelegen, dass neben der Ursachenforschung die Unglücksstelle im Wald nahe des alten Wetterschachtes AV 9 möglichst zügig aufgeräumt wird. Ein „Werk der Zerstörung“ nannte Geschäftsführer Dr. Bernhard Klocke das, von dem alle vor Ort sagten: „So etwas haben wir noch nie gesehen!“ Eine fast sechs Millionen Euro teure Investition stürzte am 29. September in Sekundenschnelle zusammen.

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Elisabeth Schrief

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