Die Getreideernte fiel 2020 regional sehr unterschiedlich aus. Die Preise für Getreide sind zurzeit hoch. © Jürgen Wolter
Landwirtschaft 2020

Gut gestartet, hart gelandet: das Landwirtschaftsjahr in Haltern

Schließungen von Schlachtbetrieben wegen Corona, afrikanische Schweinepest und wechselnde Wetterverhältnisse: 2020 war für Halterner Landwirte nicht unproblematisch.

Der „Schweinestau“ ist immer noch nicht abgebaut: Rund 800.000 Schweine, so schätzt Landwirt Ludger Winkelkotte, der Vorsitzende des Ortsverbandes Haltern im Landwirschaftlichen Kreisverband, befinden sich in Deutschland noch in der Warteschleife. „Eigentlich müssten sie schon geschlachtet sein, weil sie ihr Idealgewicht schon erreicht hatten“, so Winkelkotte.

Dieser Rückstau auf dem Markt ist noch immer eine Folge des Ausfalls der Produktionskapazitäten in deutschen Schlachtbetrieben, die durch Belegschaften verursacht wurden, die sich mit dem Corona-Virus infiziert hatten. Die politische Diskussion der Arbeitsbedingungen hat inzwischen einige Veränderungen bewirkt, die Auswirkungen auf dem Markt sind aber noch spürbar.

Afrikanische Schweinepest bereitet Sorgen

Nicht nur aus diesem Grund sind die Preise für Schweine- und Rindfleisch derzeit im Keller. Nachdem bei Wildschweinen in Brandenburg erste Fälle der afrikanischen Schweinepest bekannt wurden, haben mehrere asiatische Länder die Einfuhr von Fleisch aus Deutschland gestoppt. „Es ist zwar noch kein einziges infiziertes Hausschwein gefunden worden, aber allein das Auftreten bei Wildschweinen reicht schon zum Einfuhrstopp“, so Ludger Winkelkotte. Er hofft, dass um die Fundstellen herum errichtete Zäune eine weitere Ausbreitung verhindern. „Erst wenn ein Jahr lang kein Fall mehr auftritt, werden die Beschränkungen wieder aufgehoben“.

Ludger Winkelkotte ist Vorsitzender des Ortsverbandes Haltern im Landwirtschaftlichen Kreisverband Recklinghausen.
Ludger Winkelkotte ist Vorsitzender des Ortsverbandes Haltern im Landwirtschaftlichen Kreisverband Recklinghausen. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Getreideernte fiel sehr unterschiedlich aus

Die Getreideernte fiel in 2020 je nach Region unterschiedlich aus. „Die Erträge reichen von durchschnittlich bis stark unterdurchschnittlich“, sagt Ludger Winkelkotte. Verantwortlich dafür sind die jeweiligen Niederschlagsmengen und die Bodenqualität. „In Datteln hat es weniger geregnet als in Haltern, dort sind die Erträge schlechter als hier“, sagt er. Zurzeit hätten die Preise beim Getreide aber angezogen. Verantwortlich dafür seien einerseits Aufkäufe aus China. „Da ist aber außerdem auch immer Spekulation mit im Spiel“, sagt der Halterner Landwirt.

Es regnet nach wie vor zu wenig

Sorge bereiten ihm die immer noch viel zu geringen Niederschläge. „Zwar hat es zuletzt häufiger geregnet, aber der Boden ist noch immer sehr trocken. Die Drainageschichten im Boden sind noch nicht durchfeuchtet, das Wasser gelangt nicht zu den Bächen und Flüssen und ins Grundwasser. Es muss in den nächsten Monaten noch starke Niederschläge geben, damit wir nicht 2021 wieder im Sommer mit großer Trockenheit zu kämpfen haben“.

Die Hitze und Trockenheit habe sich auch auf die Waldwirtschaft ausgewirkt, so Ludger Winkelkotte. „Der Borkenkäfer hat sich weiter stark verbreitet und vor allem Nadelbäume massiv geschädigt.“

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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Jürgen Wolter

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