Hände, Hals, Gesicht geschwollen - Halterner erschrocken über Gift-Raupen-Nest auf Grab

mlzEichenprozessionsspinner

Eigentlich wollte Maritta Pappert nur ein paar braune Blätter vom Grab ihres Mannes aufheben. Stattdessen bekommt sie Ausschlag an Händen, Handknöcheln, Hals und Gesicht.

Haltern

, 21.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stürme „Sabine“ und „Victoria“ haben auch die Gräber auf dem Evangelischen Friedhof an der Holtwicker Straße nicht verschont. Auf dem Urnengrab von Maritta Papperts Mann in der Nähe des angrenzenden Waldes liegen am Montag braune Blätter zwischen den grünen Bodendeckern. Die 81-Jährige kniet sich hin, klaubt mit ihren Fingern das Laub aus den Pflanzen. Bis ihr eine handtellergroße, weiße, flache Platte dazwischen auffällt.

„Ich habe das mit zwei Fingern angefasst und in das Laub reingelegt“, sagt die Halternerin. Und schmeißt es in die Kompostcontainer in der Mitte des Friedhofs. Kurz darauf fangen die Hände der Seniorin an zu jucken, die Handknöchel werden rot. Einen Tag später sind der Hals und das Gesicht von Maritta Pappert angeschwollen. „Nichtsahnend“, sagt die Halternerin, habe sie das weiße Gespinst in die Hände genommen. Die Stürme haben offenbar Nester des Eichenprozessionsspinners (EPS) auf die Gräber niederregnen lassen.

Ihr Hausarzt verschreibt Maritta Pappert eine kortisonhaltige Salbe. Drei Tage lang muss sich die Seniorin damit eincremen - einmal morgens, einmal abends. „Jetzt ist es so gut wie weg“, sagt die Seniorin am Donnerstag. Sie will andere vor dem warnen, was die heruntergefallenen Nester anrichten können.

Das Grab vom Maritta Papperts Mann befindet sich in unmittelbarer Nähe zum angrenzenden Wald. Ob das Nest von hier herübergeweht ist, ist unklar.

Das Grab vom Maritta Papperts Mann befindet sich in unmittelbarer Nähe zum angrenzenden Wald. Ob das Nest von hier herübergeweht ist, ist unklar. © Eva-Maria Spiller

Woher das Nest stammt, ist unterdessen unklar. Eine Möglichkeit: Das Nest ist von dem direkt an den Friedhof angrenzenden Wald herübergeweht worden.

Maritta Papperts Nachbar, Horst Grewe, hat weniger Verständnis für die Situation. Nachdem Maritta Pappert ihm und seiner Frau von der Begegnung mit dem EPS-Nest erzählt hatte, wandte sich Horst Grewe an den zuständigen Friedhofsgärtner Gröting in Dorsten. Damit haben wir nichts zu tun, wenden Sie sich an die Stadt, habe es da geheißen, sagt Grewe.

„Ich habe mich darüber totgeärgert“, sagt der Nachbar. Er sieht die Evangelische Kirchengemeinde und die Friedhofsgärtnerei in der Verantwortung, sich um die Gräber zu kümmern.

Ratlosigkeit bei der Evangelischen Kirche und der Gärtnerei

Bei der Evangelischen Gemeinde und der zuständigen Friedhofsgärtnerei Gröting aus Dorsten macht sich auf unsere Anfrage hin vor allem Ratlosigkeit breit. „Mir wurde nicht gesagt, dass wir dafür zuständig sind“, sagt Ulrich Gröting am Telefon. Ja, am Mittwoch habe jemand wegen der Nester angerufen.

Infos zum EPS

Das muss bei den Gift-Raupen beachtet werden

  • Die Nester, die der EPS oft in den Kronen der Eichen baut, fallen früher oder später zu Boden.
  • Das Eiweißgift in den Brennhaaren des EPS ist bis zu sieben Jahre aktiv und kann Juckreiz, allergieähnliche Symptome bis hin zum allergischen Schock auslösen.
  • Beim Einatmen können die Härchen zu Atemwegsbeschwerden führen.

Aber: „Wir gehen da nicht dran.“ Man habe einen Vertrag mit der Kirche, den Friedhof sauberzuhalten. Darüber hinaus kümmere man sich um die Pflege der Gräber, die Angehörige auf dem Friedhof in Auftrag gegeben haben. Aber für die EPS-Nester sei man nicht zuständig. Schließlich müsse das eine Spezialfirma machen, die entsprechende Schutzkleidung habe.

„Bis jetzt hatten wir da noch kein Problem mit.“ Monika Ufermann ist am Donnerstag überfragt, als es um EPS-Nester auf dem Friedhof geht. Sie kümmert sich um den Evangelischen Friedhof. „Letztes Jahr haben wir da noch nichts von gehört. Aber das heißt ja nicht, dass da nichts ist.“ Trotz allem habe sie noch keine Hinweise von Friedhofsbesuchern erhalten. Nistkästen für Meisen aufzuhängen, die Idee wolle sie sowieso mit in die nächste Ausschusssitzung nehmen. Und sie will klären, wie die Evangelische Gemeinde auf dem Friedhof mit dem Thema umgehen kann.

Jetzt, sagt Maritta Pappert, könne sie darüber lachen. „Ich war auf einmal faltenfrei. Ich sah aus, als hätte man mir Botox gespritzt.“ In dem Moment, als ihre Finger begannen, anzuschwellen, sei das allerdings gar nicht lustig gewesen.

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