Häuser im Grüngürtel: An der Oderstraße wird in zweiter Reihe gebaut

mlzInnenverdichtung

Um die Mehrfamilienhäuser an der Oderstraße zieht sich ein großer Grüngürtel. Jetzt entstehen hier neue Häuser, aber nur in einem Bereich des Wohngebiets.

Haltern

, 20.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der Oderstraße errichtet ein Halterner Bauunternehmer ein Wohngebäude in der sogenannten zweiten Reihe. Damit wird in dem Wohngebiet im Schatten der Marienkirche eine Nachverdichtung fortgesetzt, die schon seit vielen Jahren diskutiert, aber bis auf Ausnahmen immer wieder auf Eis gelegt wurde.

Wie Baudezernent Siegfried Schweigmann auf Nachfrage mitteilte, wurden von der Stadt zwei Baugenehmigungen erteilt, die auf eine positiv beschiedene Bauvoranfrage aus Mai 2019 zurückgehen. Zum einen entstehe ein zweieinhalbgeschossiges Wohnhaus mit zwei Wohneinheiten. Bei dem zweiten Bauvorhaben handele es sich um drei Wohneinheiten in einem zweigeschossigen Gebäude mit Staffelgeschoss.

Die Vorbilder entstanden vor einigen Jahren

Vorbilder für diese beiden Gebäude seien bestehende Häuser im Umfeld gewesen, die bereits vor vielen Jahren in zweiter Reihe entstanden seien. „Die Bauvorhaben sind nicht im Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss beziehungsweise der AG § 34 Baugesetzbuch vorgestellt worden, da dort erst Bauvorhaben ab vier Wohneinheiten vorgestellt werden müssen“, erklärte Siegfried Schweigmann. Theoretisch bestünde in dem Bereich zwischen Oderstraße und Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße, wo die beiden Neubauten geplant sind, noch Potenzial für ein weiteres Wohngebäude, ließ der Baudezernent wissen.

Ein Lückenschluss war 2008 auf dem Eckgrundstück zwischen Oderstraße 2 und Gildenstraße 11 erfolgt.

Baupolitik

Flächen sparen und Nachbarinteressen wahren

  • Das Baugesetzbuch (BauGB) hat dem Gedanken des Flächensparens in den letzten Jahren immer größere Bedeutung beigemessen. Es ist gewünscht, dass die städtebauliche Politik die Innenentwicklung fördert und die Flächeninanspruchnahme reduziert.
  • Der § 34 BauGB besagt, dass ein Vorhaben zulässig ist, wenn es sich in seine Umgebung einfügt. Er kommt immer dann zum Zuge, wenn kein Bebauungsplan für ein Gebiet vorliegt, in dem ein Neubau geplant ist und spielt bei Maßnahmen der Innenverdichtung häufig eine wichtige Rolle. Kritiker sprechen vom „Gummi-Paragraphen“, denn mit ihm ließen sich viele Bauvorhaben durchsetzen, die die Interessen direkter Nachbarn nicht berücksichtigten.
  • In Haltern werden Bauvorhaben ab vier Wohneinheiten, die Aussicht auf Genehmigung haben, der Arbeitsgemeinschaft § 34 vorgestellt. Diese ist unter anderem mit Vertretern der Fraktionen besetzt und tagt nicht öffentlich.

Die Frage, ob es aufgrund der aktuellen Entwicklung nun auch möglich ist, dass es im Bereich zwischen Oderstraße und Lavesumer Straße zur Nachverdichtung kommt, verneinte Siegfried Schweigmann.

Entsprechende Vorbilder fehlten auf den „Eisenbahnergrundstücken“ in diesem Bereich des Wohngebiets. Baugenehmigungen seien deshalb auch nicht erteilt worden. „Wegen der hier bestehenden besonderen Eigenart der bebauten Grundstücke würden dort auch keine weiteren Bauvorhaben im Rahmen der Innenverdichtung gem. § 34 BauGB zugelassen werden“, so der Baudezernent.

In den Gärten wurde früher Gemüse gezogen

Das Thema Nachverdichtung an der Oderstraße war bereits in den 1990er-Jahren in Haltern diskutiert worden, als ein Recklinghäuser Architekt Pläne für eine Nachverdichtung vorlegte. In der Entstehungszeit der Wohnsiedlung mit ihren Mehrfamilienhäusern in den 1950er-Jahren entsprach der großzügige Grüngürtel dem Standard. Eisenbahner und Vertriebene, die hier eine Wohnung fanden, zogen in den Gärten ihr eigenes Gemüse.

Damals sprach sich die Mehrheit der Politik gegen eine weitere Bebauung aus. Die Pläne wurden zurückgestellt.

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