Haltern am See - Stadt im Münsterland?

Historisches zum Geburtstag

Am Mittwoch (3. Februar) feiert die Stadt Haltern ihren 727. Geburtstag. Dazu veröffentlichen wir an dieser Stelle den Beitrag "Haltern - Stadt im Münsterland?", den Uli Backmann für das Halterner Jahrbuch 1994 geschrieben hat.

HALTERN

von Uli Backmann

, 03.02.2016, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Stadt Haltern hat sich in ihrer Entwicklung über Jahrhunderte hin nach Norden orientiert.

Die Stadt Haltern hat sich in ihrer Entwicklung über Jahrhunderte hin nach Norden orientiert.

Wenn man die Autobahn A 43 von Haltern in Richtung Münster fährt, grüßt einen in Höhe von Hausdülmen, also bereits auf Dülmener Stadtgebiet, ein größeres Hinweisschild "Münsterland". Alteingesessene Halteraner fühlen sich durch das Schild an dieser Stelle betroffen. Haltern wurde zwar durch das Gesetz über die kommunale Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets vom 29.7.1929 mit dem damaligen Amt Haltern und den Landgemeinden Kirchspiel Haltern, Lippramsdorf und Hullern zum 1. August 1929 dem Landkreis Recklinghausen angegliedert, dennoch fühlen sich auch noch heute viele Bürger unserer Stadt als Münsterländer.

Immer nach Norden orientiert

Mit der Gründungsurkunde vom 3. Februar 1289 hat der damalige Bischof von Münster, Everhard von Diest, sein Dorf Haltern als Stadt nach münsterischem Recht begründet und ihren Bürgern die gleichen Rechte wie in seinen Städten Borken und Coesfeld zugestanden. Zu belegen ist auch, dass sich die Stadt in ihrer Entwicklung über Jahrhunderte hin nach Norden orientiert hat und ihre Bindungen wirtschaftlicher, bevölkerungsmäßiger und kulturpolitischer Art ausschließlich diese Richtung hatten.

Auf einer Kupferstichkarte des Oberstiftes Münster von Johannes Gigas aus dem Jahre 1616 sind die Stadtansichten der 13 landtagsfähigen Städte, unter denen sich auch Haltern befand, abgebildet. Auch weist der Historograph Martin Zeller, der für Matthäus Merian die Bilderläuterungen verfasste, bei dessen Kupferstich aus dem Jahre 1647 folgendermaßen auf die Zugehörigkeit zu Münster hin.

Lippe war die Grenze

Eine andere Orientierung als nach Norden in Richtung Coesfeld und Münster setzt erst mit der fortschreitenden Industrialisierung, vor allem aber mit dem starken Aufschwung der Kohleindustrie im Kreis Recklinghausen ein. Wenn sich auch der Großteil der Halterner Bevölkerung mit dem Münsterland verbunden fühlte und die Stadtverordneten-Versammlung sich 1929 in einer Entschließung für den Verbleib im Kreis Coesfeld aussprach und der Kreistag Coesfeld sich dieser anschloss, wurde vonseiten der Regierung anders entschieden und Haltern schließlich dem Kreis Recklinghausen zugeschlagen.

Das Vest Recklinghausen mit der Lippe als nördliche Grenze ist immer kur-kölnisches Gebiet gewesen. Am nördlichsten Punkt auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses lag der Ort Haltern, den der Bischof von Münster mit der Verleihung der Stadtrechte unter seinen besonderen Schutz stellte und gegen Übergriffe aus dem Süden befestigte. Aus dieser historischen Entwicklung und Sicht ist Haltern dem Münsterland zuzuordnen.

Der Landschaftsname "Münsterland" kann jedoch nicht eindeutig bestimmt oder abgegrenzt werden. Landschaften, Regionen oder Räume können sicherlich aus verschiedenen Blickwinkeln abgegrenzt werden. Dabei wird das Ergebnis einer naturräumlichen Betrachtung anders ausfallen als die Bewertung aus kultureller oder historischer Sicht.

Wiederum anders wird das Ergebnis bei einer wirschaftsräumlichen oder verwaltungsmäßig-organisatorischen Zuordnung sein. Der Begriff "Münsterland" gehört jedoch zu den Landschaftsnamen, die eine Lagebezeichnung wiedergeben und zugleich auf ein historisch gewachsenes Gebiet zurückgeführt werden können. Nach diesen Kriterien ist unsere Heimatstadt zweifelsohne dem Münsterland zuzuordnen.

Wirtschaftsraum Emscher-Lippe 

Ein anderes Ergebnis dagegen bringt jedoch die Zuordnung nach wirtschaftsräumlicher Betrachtung. Danach umfasst das Münsterland die Kreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf sowie die kreisfreie Stadt Münster. Dieses Gebiet deckt sich auch mit der gleichnamigen Förderregion im Rahmen des seit 1989 durch die Landesregierung betriebenen Förderprogramms "Zukunftsinitiative für die Regionen Nordrhein-Westfalens" (ZIN). Haltern wird nach dieser Einteilung dem Wirtschaftsraum Emscher-Lippe zugeordnet. Nach verwaltungsmäßig-organisatorischer Zuordnung wäre unsere Heimatstadt auch nicht dem Münsterland zuzurechnen.

Jedoch decken sich Zuständigkeiten und nicht zuletzt das hiesige Regionalbewusstsein nicht mit der in dieser Beziehung geltenden Zugehörigkeit zum Kreis Recklinghausen und damit zum Ruhrgebiet. Haltern, nördlich der Lippe gelegen, ist mehr münsterländisch orientiert. So zählt auch das WDR-Landesstudio Münster die Stadt Haltern zu seinem Zuständigkeitsbereich.

Durch den Beitritt zum Fremdenverkehrsverband Münsterland-Touristik Grünes Band, dem ursprünglich nur die Stadt Münster und die vier oben genannten Kreise angehörten, hat Haltern seine historische Zugehörigkeit und regionale Verbundenheit zum Münsterland, die auch durch den unfreiwilligen Wechsel aus dem Kreis Coesfeld in den Kreis Recklinghausen im Jahre 1929 nicht aufgehoben werden konnten, dokumentiert. Mit Zufriedenheit wurde daher vom Rat der Stadt in seiner Sitzung im September 1993 die Mitteilung des Stadtdirektors aufgenommen, dass das jetzt noch an der Autobahn an der Dülmener Stadtgrenze stehende Hinweisschild "Münsterland" versetzt werden soll, und zwar auf die Autobahnbrücke diesseits der Lippe - wo es auch hingehört. - Das ist jedoch bis heute leider nicht geschehen. 

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