Halterner Bürger hatten unlängst Flyer von Corona-Leugnern in ihren Briefkästen gefunden. Einen Halterner Arzt ärgert das. Er will zur allgemeinen Aufklärung beitragen. © dpa
Corona-Leugner

Halterner Arzt ärgert sich über Corona-Flyer: „Sie verbreiten nur Angst“

Corona-Leugner verstopfen auch in Haltern Briefkästen mit ihren Flyern, auf denen sie mit falschen Informationen die Pandemie herunterspielen. „Das ärgert mich“, sagt ein Halterner Arzt.

Sie kommen in der Dunkelheit und überfluten die Briefkästen mit Flyern, auf denen die Corona-Pandemie manipulativ verharmlost wird. Dahinter stecken in der Regel mysteriöse Vereine oder Sekten. Auch Dr. Berthold May aus Haltern, der in Gelsenkirchen eine Hausarztpraxis führt, fischte aus seinem Briefkasten solche Flyer. Ihm ist es ein großes Bedürfnis, davor öffentlich zu warnen.

„Es ist das erste Mal, dass mir solche Handzettel untergekommen sind“, sagt Dr. Berthold May. „Ich kann nur davor warnen, den Inhalten Glauben zu schenken.“ Die Texte mit Warnungen vor Tod und Unfruchtbarkeit beispielsweise sorgten nicht für Aufklärung, sondern vielmehr für eine große Verunsicherung. Wie das wirkt, hat Dr. May selbst erfahren.

Mediziner weist auf seriöse Informationsquelle hin

Der 54-Jährige gehörte zu den Impfärzten in den Pflegeheimen und führte dabei auch Gespräche mit skeptischen Pflegekräften. Diese hätten Angst vor Neben- und Folgewirkungen. „Ich habe sie dann gefragt, woher sie ihre Informationen beziehen“, erzählt Berthold May. Immer sei die Antwort gewesen: Von einer Freundin, von einem Freund.

„Niemand hatte die Seiten des Robert-Koch-Instituts gelesen und sich seriös informiert“, bedauert der Halterner Mediziner. Dazu könne er nur einladen. Besonders prägnant und gut findet er einen aktuellen Podcast über die Wirkweise und die potentiellen Risiken der mRNA-Impfstoffe gegen Covid 19 – zu sehen auf Youtube.

Die Coronaleugner, so Dr. May, vermengen Fakten und Falschaussagen. Ja, es seien zehn Menschen kurz nach der Corona-Impfung verstorben. Alle hatten schwere Vorerkrankungen und sind – davon geht das Paul Ehrlich Institut aus – an diesen Vorerkrankungen verstorben. Mittlerweile werden keine Palliativpatienten mehr geimpft.

Alter, Übergewicht und Bluthochdruck sind Risiken

Der Einwand, der Impfstoff sei ad hoc entwickelt worden, sei ebenfalls nicht richtig. Die Verfahrenstechnologie beschäftige die Labore beispielsweise im Zusammenhang mit einer speziellen Krebstherapie bereits seit einem längeren Zeitraum. Allerdings sei tatsächlich über die Langzeitrisiken wenig bekannt. Darüber werde es erst mit Anwendungshäufigkeit belastbare Aussagen geben können. Aber Dr. Berthold May rät dennoch zur Impfung.

Das Risiko, an Corona schwer zur erkranken, steige mit zunehmenden Alter. Zuerst macht die Impfung besonders bei den Menschen ab 60 Sinn sowie auch bei unter 60-Jährigen mit chronischen Erkrankungen, besonders Bluthochdruck und Übergewicht. Alle anderen Altersgruppen könnten warten, „ihre Zurückhaltung kann ich verstehen.“ Dr. May ist geimpft – auch, weil er im Palliativnetz mitarbeitet.

Allen, die unsicher seien, rät er zu einem Gespräch mit dem Hausarzt sowie zum Ausschöpfen aller Informationsquellen. „Es wäre gut, mehr als nur das Nächstliegende als Informationsquelle hinzuzuziehen. Ich wünsche mir, dass es Kultur wird, sich in wichtigen Dingen diese Mühe zu machen.“ Und: „Fragen Sie denjenigen, dem sie kompetente Aussagen zutrauen. Aber fragen Sie nicht diejenigen, die nur Angst verbreiten möchten.“

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Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief

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