Halterner bekam Post von Reichsbürgern

Ungewöhnlicher Brief

Mit einem merkwürdigen Brief in der Hand kam einer unserer Leser in die Redaktion. Absender ist die "AG Sophie Scholl, Deutschland, Europa", frankiert ist der Brief lediglich mit 4 Cent. "Warum kam der überhaupt an? Und was soll das?", fragte sich der Halterner, der seinen Namen in diesem Zusammenhang nicht öffentlich lesen möchte. Wir haben recherchiert.

HALTERN

, 26.12.2016, 15:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diesen Brief erhielt einer unserer Leser. Es handelt sich dabei wohl um ein Schreiben der sogenannten Reichsbürgerbewegung.

Diesen Brief erhielt einer unserer Leser. Es handelt sich dabei wohl um ein Schreiben der sogenannten Reichsbürgerbewegung.

Wie uns die für Haltern zuständige Kreispolizeibehörde in Recklinghausen auf Anfrage erklärte, handelt es sich bei dem Brief wohl um ein Schreiben der sogenannten Reichsbürgerbewegung. Anhänger dieser Gruppe erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht an. Einige vertreten rechtsextremistische Positionen. Im Oktober erschoss ein Anhänger in Bayern einen Polizisten. Seitdem rückt die Gruppierung verstärkt ins Visier der Sicherheitsbehörden. In Haltern am See sind sie bisher aber nicht in Erscheinung getreten.

"Flächendeckend verschickt"

Doch zurück zu dem Schreiben: "Ähnliche Briefe sind in den vergangenen Wochen flächendeckend verschickt worden", sagte uns Polizeisprecher Michael Franz. Sie seien nicht nur an Privatpersonen, sondern auch an Organisationen gegangen. Strafrechtlich relevant, so teilte der Staatsschutz dem Polizeisprecher mit, sei das Schreiben aber nicht.

Die "AG Sophie Scholl" fragt darin, ob dem Empfänger des Briefes aufgefallen sei, dass "nachweislich gefälschte Informationen" oder "nur Teilspakete einer Nachricht" in den Medien weitergegeben worden seien, damit man nicht in der Lage sei, sich "ein komplettes Bild von der Situation zu machen". Als "Informationsquellen" empfiehlt die "AG Sophie Scholl" Internetseiten. Darunter auch seriöse Quellen wie die Seite "Übermedien" des bekannten Journalisten Stefan Niggemeier. Aber auch Angebote von Verschwörungstheoretikern sind in dem Schreiben aufgelistet.

Postleitzahl in Klammern

Apropos Verschwörungstheorie: Im Internet kursieren Gerüchte, wonach man Briefe mit einer 4-Cent-Marke verschicken kann, wenn man bestimmte Tricks anwendet. So soll es helfen, die Postleitzahl in eckigen Klammern zu schreiben. Die Reichsbürger verweisen dabei gerne auf den Artikel 6 im Weltpostvertrag und Gesetze aus dem ehemaligen Kaiserreich.

Und tatsächlich: In dem Brief an unseren Leser ist die Halterner Postleitzahl in eckigen Klammern gesetzt. Funktioniert der Trick also wirklich? Nein, sagte uns ein Sprecher der Deutschen Post. Die Maschinen des Unternehmens hätten lediglich erkannt, dass eine Briefmarke aufgeklebt sei. Nicht aber den Wert. Der Postbote hätte die fällige Nachporto-Gebühr bei unserem Leser einfordern müssen. Hat er aber nicht. Somit kam der Brief an.

Kein richtiger Absender

Hätte der Postbote ein Nachporto verlangt, und unser Leser hätte sich geweigert, dies zu bezahlen, wäre der Brief an den Absender zurückgeschickt worden. Doch der ist unbekannt. Als Absender ist lediglich noch mal die Adresse unseres Lesers angegeben.

Auch die Polizei weiß nicht, wer konkret hinter den Schreiben steckt. "Der Autor ist derzeit nicht bekannt", so Polizeisprecher Michael Franz. Der Poststempel wurde im Briefzentrum 68 der Deutschen Post AG in Mannheim auf den Brief gedruckt. Deshalb ist davon auszugehen, dass der Absender nicht aus unserer Region kommt.

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