Halterner „Danni“ Danowski traf auf Wüsten, Salzseen und einen Puma

mlzAbenteuer in Südamerika

Was eigentlich ein Abenteuer ist, wollte seine Tochter mal von ihm wissen. Jetzt hat „Danni“ Danowski gleich mehrere erlebt - auf seiner Motorradtour durch Südamerika. Es wurde gefährlich.

Haltern

, 13.05.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

50.000 Kilometer auf dem Motorrad, von Patagonien, der südlichsten Spitze Südamerikas, bis nach Alaska wollte Jörg („Danni“) Danowski zurücklegen. Die ersten 20.000 schaffte er, dann zwang ihn das Coronavirus zu einer Pause.

Zurzeit ist Danowski wieder in Haltern. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn, seine Tour zu unterbrechen. „Ich hatte permanent Magenbeschwerden, das wurde mir irgendwann zu riskant“, sagt er. Danowski flog am 14. März von Lima zurück. Zwei Tage später begannen die Ausgangsbeschränkungen auch in Peru, die Rückreise war nicht mehr möglich. „Der Lockdown dort war komplett: Militär kontrollierte auf den Straßen, es wurde bei harten Strafen auf die Einhaltung der Bestimmungen geachtet.“

Sein Motorrad, eine 25 Jahre alte African-Twin Enduro Reisemaschine, blieb in Lima. „Zum Glück steht sie bei einer netten Familie und kann dort erstmal bleiben“, sagt Danowski.

In Patagonien fuhr Jörg Danowski durch faszinierende Landschaften.

In Patagonien fuhr Jörg Danowski durch faszinierende Landschaften. © privat

Zur südlichsten Stadt Südamerikas

Im November 2019 war der Globetrotter aus Haltern zu seiner Tour aufgebrochen. „Am 27. November holte ich meine Maschine in Valparaiso aus dem Zoll“, erzählt er. Von dort ging es zunächst nach Süden: nach Ushuaia, der südlichsten Stadt auf dem südamerikanischen Kontinent. Die rund 4000 Kilometer durch Patagonien beeindruckten Jörg Danowski tief.

„Ich kam durch atemberaubende Landschaften. Es kam mir vor wie eine Mischung aus Skandinavien, Neuseeland und dem Sauerland.“ Dazwischen prägten aber auch baumhohe Farne und beeindruckende Vulkane das Bild Patagoniens, deren Spitzkegel sich zum Teil über 4000 Meter in den Himmel erheben.

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Zwischenzeitlich kam es in Chile zu Unruhen unter der Bevölkerung, mit denen auch Jörg Danowski konfrontiert wurde. „Chile ist ein ziemlich teures Land, eine Pizza kostet fast wie hier 11 Euro, der Durchschnittsverdienst liegt aber bei nur 350 Euro monatlich. Preiserhöhungen ließen dann das Fass überlaufen“, erinnert er sich.

Begegnung mit einem Puma

Eine besondere Begegnung hatte er im Nationalpark Torres del Paine: „Ich saß auf meinem Motorrad und machte eine Kaffeepause, da merkte ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung: Ich drehte mich langsam um und sah einen ausgewachsenen Puma langsam auf mich zu kommen.“ Danowski vermied hektische Bewegungen, stellte den Kaffee ab, zückte seine Kamera und startete gleichzeitig sein Motorrad, mit dem er dann langsam losfuhr. „Solche Begegnungen sind äußerst selten“, sagt er. „Pumas greifen Menschen nicht unbedingt an, aber wenn sie hungrig sind, gibt es dafür keine Garantie.“

Dieser Puma kam Jörg Danowski gefährlich nah.

Dieser Puma kam Jörg Danowski gefährlich nah. © privat

Danowski verbrachte das Weihnachtsfest bei einer Familie in Ushuaia und schrieb an seinem Blog, in dem er seine Reiseerlebnisse dokumentiert. Gewöhnungsbedürftig fand er allerdings den Tagesrhythmus: „Gegessen wurde abends erst nach 22 Uhr, oft wurde die Nacht zum Tag gemacht, da zu der Zeit ähnlich wie im Sommer in Skandinavien, Mittsommer herrschte, und es fast nicht dunkel wurde.

In Ushuaia, der südlichsten Stadt des südamerikanischen Kontinents, verbrachte Jörg Danowski das Weihnachtsfest.

In Ushuaia, der südlichsten Stadt des südamerikanischen Kontinents, verbrachte Jörg Danowski das Weihnachtsfest. © privat

Landschaftlich weniger reizvoll war dann der Beginn der Rückfahrt Richtung Norden. Jörg Danowski fuhr durch die Pampa Argentina. „Mehrere Tage durch flaches Gelände bei Windgeschwindigkeiten bis 100 Kilometer, immer in Schräglage, das war extrem anstrengend. Auf der Strecke gab es nix außer Wind“, sagt er.

„Ich konnte die Blitze riechen“

Danowski fuhrt wieder Richtung Valparaiso und wählte ab jetzt Andenpässe, die ihn teilweise bis auf 5000 Meter Höhe brachten. Die Wetterbedingungen wurden schwieriger. Es gab Gewitter und Erdrutsche, die ihn immer wieder zwangen, die Routen zu ändern. Schlimm wurde es auf einem Pass, als Danowski Symptome der Höhenkrankheit bekam. Kopfschmerzen, Übelkeit, Augenflimmern und Schwindel, dazu hohes Fieber. „Es ging mir schlecht und ich wusste, jetzt wird es gefährlich, wenn ich nicht wieder runterkomme“, sagt er zu der gefährlichsten Etappe seiner Reise.

Eis und karge Landschaft.

Eis und karge Landschaft. © privat

Auf Nebenstrecken fuhr Danowski bergab, immer wieder gebremst von Erdrutschen und Flüssen, die er durchqueren musste. „Teilweise habe ich die Blitze gerochen, so stark gewitterte es“, erinnert er sich. Er stürzte mehrmals, ein Reifen musste gewechselt werden und das alles unter extremen gesundheitlichen und Witterungs-Bedingungen.

„Es hilft nicht, dann in Panik zu verfallen“, sagt Jörg Danowski heute. „Ich wusste, ich muss ein Problem nach dem anderen lösen.“ Und er schaffte es unter großen Strapazen, wieder in niedrigere Regionen zu kommen. Anschließend erholte er sich eine Woche in einer Unterkunft, bevor er seine Reise fortsetzten konnte.

Jörg Danowski erlebte viele faszinierende, aber auch gefährliche Momente.

Jörg Danowski erlebte viele faszinierende, aber auch gefährliche Momente. © privat

Auf dem größten Salzsee der Welt

In Bolivien wagte er sich dann auf den Uyuni Salzsee, den größten Salzsee der Welt. „Wir haben dort mit drei Bikern auf dem See übernachtet, es war völlig irreal, die Sterne spiegelten sich auf dem Salz, es war in einer anderen Welt“, beschreibt er seine Eindrücke.

Die bunten Farben Boliviens und der Titicacasee waren weitere Stationen seiner Reise, bevor Jörg Danowski von Lima aus den Rückflug antrat. Vorläufig - denn es soll weitergehen. Im November oder Dezember will „Danni“ Danowski seine Tour fortsetzen, im Oktober 2021 will er in Alaska sein. Und dann vielleicht nach Australien, Neuseeland und über den Landweg durch Asien zurück nach Europa.

Auch den Camino de la Muerte, die Straße des Todes in Bolivien, eine der gefährlichsten Straßen der Welt, befuhr Jög Danowski.

Auch den Camino de la Muerte, die Straße des Todes in Bolivien, eine der gefährlichsten Straßen der Welt, befuhr Jög Danowski. © privat

Seine Reisen haben Jörg Danowski verändert. „Ich habe erkannt, wie wichtig es ist, im Jetzt zu leben“, sagt er. „Man lebt auf diesen Reisen bewusster, setzt sich andere Ziele. Das immer „Mehr und Weiter“ zählt nicht mehr. Man kommt zu sich selbst, zu einer Reduktion auf das Wesentliche.“

In seinem Blog dannimoto.com berichtet Jörg Danowski über seine Reisen. Er hat bereits mehrere tausend Follower.

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