Halterner Ernst-Lossa-Haus: Betreuung unter schwierigsten Bedingungen

Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie sorgt bei den Menschen mit geistigen Behinderungen, die im Halterner Ernst-Lossa-Haus leben, für Verunsicherungen. Auch dem Personal verlangt sie große Anstrengungen ab.

Haltern

, 05.12.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
In der Quarantänegruppe mussten die Mitarbeiter des Ernst-Lossa-Hauses unter voller Schutzkleidung arbeiten.

In der Quarantänegruppe mussten die Mitarbeiter des Ernst-Lossa-Hauses unter voller Schutzkleidung arbeiten. © Ernst Lossa Haus

In der Corona Pandemie standen Pflegekräfte in Krankenhäusern, Arzthelferinnen oder Mitarbeiterinnen in Altenheimen von Anfang an im Fokus der Belastung. Vielfach wurde darüber berichtet. Aber auch in Einrichtungen, in denen Menschen mit Behinderungen wohnen - wie dem Haltener Ernst-Lossa-Haus - verlangt die Pandemie sowohl den Bewohnern als auch den Mitarbeitern viel ab.

Auf Facebook hat sich das Haus bei seinem Team bedankt – und das zu Recht. Denn auch hier gab und gibt es Arbeitsbelastungen, die über das normale Maß weit hinaus gehen. „Die schwierigste Phase hatten wir in der ersten Novemberhälfte“, sagt Beate Treu, die als Gruppenleiterin im Haus arbeitet. „Eine Gruppe unserer Bewohner musste zwei Wochen in Quarantäne, weil es zunächst eine Kontaktperson und dann auch einen Bewohner gab, die positiv auf Covid-19 getestet worden waren.“

Zwischendurch mal Luft schnappen

Das bedeutete, alle Tätigkeiten in der Gruppe mussten von den Mitarbeitern unter voller Schutzkleidung absolviert werden, vom Kochen über die Essensausgabe bis zur Betreuung. „Und das Tag und Nacht in drei Schichten“, sagt Beate Treu. „Wenn wir das Zimmer des Infizierten betreten haben, haben wir darüber noch einen Schutzkittel gezogen, der dann anschließend sofort entsorgt wurde.“

Diese Arbeitsphase war für die Mitarbeiter die bisher schwierigste. „Man war immer froh, wenn man zwischendurch mal im Garten ein bisschen frische Luft schnappen konnte“, sagt Beate Treu.

Nicht nur für die Mitarbeiter, auch für die Bewohner des Ernst-Lossa-Hauses bringt die neue Situation Herausforderungen mit sich. „Es gibt eine Verunsicherung und auch Ängste, die sich zwar im Alltag nicht unbedingt vordergründig zeigen, die man aber doch spürt“, sagt Thilo Wichmann, Vorstand des Ernst-Lossa-Hauses.

Die Verunsicherung der Bewohner ist gewachsen

„Aber die Welt kann doch auch anders sein“, sagte unlängst ein Bewohner. „Darin kommt gut seine Irritation und Unsicherheit zum Ausdruck. Und der Wunsch, dass alles wieder so wird, wie es vorher war“, sagt Thilo Wichmann. Die Dünnhäutigkeit der Bewohner sei gewachsen, ihre Toleranzgrenze sinke. Da sie aber weiterhin von den vertrauten Personen betreut werden, bleibe ein Stück Sicherheit, die zur Akzeptanz der neuen Situation beitrage.

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Von Anfang an hat das Ernst-Lossa-Haus versucht, sich den jeweils verändernden Rahmenbedingungen anzupassen. „Manchmal nicht ganz leicht, weil vor allem anfangs oft keine eindeutige Klarheit über Maßnahmen und Vorschriften herrschte“, sagt Thilo Wichmann.

Inzwischen hat sich der Betrieb unter Coronabedingungen besser eingespielt. „Wir beachten alle Hygienemaßnahmen, screenen Besucher und Bewohner, die bei ihrer Familie waren. Besuche bei uns sind nur noch auf dem Zimmer möglich. Das verändert natürlich vieles, denn wir waren immer ein offenes Haus“, sagt Beate Treu.

Das Team dankt allen Spendern, die das Ernst-Lossa-Haus von Anfang an unterstützt haben. „Und wenn es nur ein paar Masken oder zwei Flaschen Desinfektionsmittel waren: Die Hilfsbereitschaft der Halterner Bevölkerung war groß. Dafür möchten wir danke sagen“, so Thilo Wichmann.

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