Halterner Hebammen: „Schwangere und Mütter bleiben gut versorgt“

mlzCorona-Krise

Kein Geburtsvorbereitungskurs, Hausbesuche nur eingeschränkt - welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Betreuung Schwangerer und Mütter durch Hebammen hat, erklären Halterner Hebammen.

Haltern

, 16.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Claudia Müffler ist seit fast 30 Jahren Hebamme, davon 27 Jahre in Haltern am See. Solche Zeiten hat sie noch nicht erlebt. Sie arbeitet zusammen mit ihren Kolleginnen Manuela Grafe, Gudula Stenner-Klischies und Sabina Gajda in der Hebammenpraxis an der Weseler Straße. Alle vier sind auch angestellte Hebammen im Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhaus. Claudia Müffler ist zurzeit auch in einem aktuellen Kreißsaal-Video des Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhauses zu sehen. Echte Besichtigungen sind dort zurzeit nicht möglich.

Schon seit Längerem machen die Hebammen Hausbesuche nur mit Mundschutz. „Meinen Geburtsvorbereitungskurs habe ich online zu Ende gebracht“, erzählt Claudia Müffler. Telefon- oder Videosprechstunden sollen Hausbesuche, die nicht zwingend notwendig sind, ersetzen. „Zum Glück hat unser Verband sich dafür eingesetzt, dass wir diese alternativen Kontaktmöglichkeiten von den Krankenkassen vergütet bekommen“, ist Müffler erleichtert. Somit ist diese Einnahme gesichert. Über die ausfallenden Kurse allerdings würden der Praxis einige Einnahmen wegbrechen.

Mundschutz und hygienische Bestimmungen

Wenn sie doch in den Haushalt komme, trage sie Mundschutz und halte auch sonst alle hygienischen Vorgaben ein. „Ich habe erlebt, dass das die Frauen sehr beruhigt hat“, sagt die Hebamme. Die Hebammen bitten die Familien, sehr transparent damit umzugehen, falls Erkältungssymptome da seien oder möglicherweise im Umfeld ein Corona-Verdachtsfall auftrete. „Da sind wir auf die Offenheit angewiesen, wir wollen ja auch keine Viren von der einen Familie zur nächsten tragen“, sagt Claudia Müffler. Das funktioniere im Moment sehr gut. Ansonsten verzichteten sie größtenteils auf Hausbesuche.

Annette Pollerberg ist freiberufliche Hebamme in Haltern.

Annette Pollerberg ist freiberufliche Hebamme in Haltern. © Elke Rüdiger

Annette Pollerberg, seit 17 Jahren als Hebamme in Haltern aktiv, hat ähnliche Erfahrungen mit den Alternativen zu Hausbesuchen gemacht. „Von den Frauen wird es gut aufgenommen.“ Eine reguläre Videosprechstunde hat sie zwar bisher noch nicht durchgeführt, vieles liefe telefonisch. „Meistens könnten die Frauen gut beschreiben, wenn es zum Beispiel eine Hautveränderung beim Kind gibt“, sagt Annette Pollerberg. Sie könnten ihr auch Videoaufnahmen schicken.

Die Einschränkungen für werdende Eltern, was die Teilnahme des Vaters an der Geburt und den Verbleib im Krankenhaus betrifft, würde manche Eltern schon beschäftigen, sagt Pollerberg. „Da ist teilweise schon Traurigkeit zu spüren, sie gehen aber vernünftig und sachlich damit um“, sagt die Hebamme.

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Sie habe erst kürzlich mit einer Mutter gesprochen, die gerade entbunden habe. Der Mann sei bei der Geburt dabei gewesen und durfte noch eine Stunde bleiben. „Sie machte auf mich aber einen zufriedenen Eindruck“, so Annette Pollerberg. Die Mutter habe die Ruhe und die Betreuung im Einzelzimmer als sehr friedlich und zugewandt erlebt. „Sie hatte nur Mitleid mit ihrem Mann und den Großeltern, die erst einmal nur per Video ihr Kind beziehungsweise Enkelkind erleben konnten.“

Anspruch auf Betreuung bleibt

Den Hebammen ist es wichtig, zu betonen, dass der Anspruch auf die Betreuung durch eine Hebamme auch in der Krise bestehen bleibt. „Wir versorgen die Familien weiter, die wir angenommen haben“, sagt Claudia Müffler. Man müsse gemeinsam das Beste aus der Situation machen. Sie warnt davor, in der jetzigen Krise auf ungeplante Hausgeburten zu setzen.

„Die Nachfrage nach Hausgeburten steigt“, weiß auch Annette Pollerberg durch den Hebammenverband. Hier in Haltern hat sie aber noch keine Anfragen dazu bekommen. Wegen der hohen Haftpflichtkosten würden viele Hebammen das gar nicht anbieten. Anders sehe es im Katastrophenfall aus. Dann seien sie dazu verpflichtet. „Aber den Katastrophenfall wünschen wir uns alle nicht.“

AKUTSUCHE FÜR SCHWANGERE

VERMITTLUNGSPLATTFORM AMMELY IST ONLINE

  • Seit Montag (30. März), ist die Vermittlungsplattform für Hebammenleistungen www.ammely.de offiziell auch für Betreuungssuchende an den Start. Dies teilte der Hebammenverband mit.
  • Aufgrund der erhöhten Nachfrage nach kurzfristiger Betreuung durch die Corona-Pandemie steht ab Montag eine Akutsuche auf www.ammely.de zur Verfügung. So werden Frauen mit Hebammen verbunden, die bei akuten Problemen per Hausbesuch, Telefon oder online in einer Videositzung beraten können.
  • Aufgrund der kurzfristigen Änderung wird die „reguläre“ Hebammenvermittlung für eine normale Betreuung und Kurse dann ab dem 13. April 2020 verfügbar sein.
  • Die Hebammenpraxis Haltern ist unter www.haltern-hebammenpraxis.de im Netz vertreten, Annette Pollerbergs Webseite unter www.hebamme-haltern.de zu erreichen.
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