Halterner hilft Radio-Kollegen im syrischen Krisengebiet - Situation spitzt sich weiter zu

mlzHalterner in Syrien

Der 42-jährige Siruan Hadsch Hossein aus Haltern ist schon wieder nach Nordsyrien gereist. Dort spitzt sich die Lage langsam zu.

Haltern

, 25.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schneller als zunächst geplant ist der Halterner Siruan Hadsch Hossein am vergangenen Sonntag für einige Tage nach Nordsyrien gereist. Wie bereits berichtet, betreibt der 42-jährige gebürtige Kurde im nordsyrischen Amude den unabhängigen Radiosender Arta FM. Zusammen mit seinem Team versorgt er die Bevölkerung und die Flüchtlinge in Zeiten der türkischen Militäroffensive mit wichtigen Informationen.

Am Sonntag flog der Halterner in das Krisengebiet. Mit im Gepäck hatte er Geld zur Unterstützung der Arbeit des Senders und technisches Equipment. Schon in der Nacht zum Samstag wird Siruan Hadsch Hossein aber wieder in Haltern eintreffen. In der Seestadt bleiben aber kann er wohl nur wenige Tage. Die Halterner Zeitung sprach mit dem Journalisten, der am Freitag auf seiner Rückreise gerade in Erbil, der Hauptstadt der autonomen Region Kurdistan im Irak, Station machte.

Er habe mit seinen 35 Kollegen über Fluchtmöglichkeiten und Alternativen beraten, falls die Arbeit in Amude nicht mehr möglich sein werde, erklärt der 42-Jährige. Drei Kollegen seien bereits geflüchtet. „Sie werden vom syrischen Regime gesucht, weil sie nicht zum Militärdienst angetreten sind“, sagt Siruan.

Rund 180.000 Menschen sind auf der Flucht

Die am 9. Oktober begonnene türkische Militäroffensive gegen kurdische Milizen in Nordost-Syrien hat laut den Vereinten Nationen eine Massenflucht ausgelöst. Rund 180.000 Menschen seien vor der Gewalt geflohen, die Mehrheit seien Kinder und Frauen, hieß es. Die meisten Menschen flüchteten demnach innerhalb Syriens, mehr als 10.000 in den Irak. „Wir versuchen, ganz praktisch zu helfen“, hatte Siruan vergangene Woche über seine Arbeit berichtet. Es gehe darum, den Flüchtlingen und auch der Bevölkerung das zukommen zu lassen, was sie brauchen. Ihr Bedarf werde den lokalen Hilfsorganisationen gemeldet.

Halterner organisiert Fluchtauto für sein Radioteam

Für den Fall einer plötzlich notwendigen Flucht seines Radio-Teams hat der Halterner während des jüngsten Aufenthalts in Amude einen Großraum-Auto gekauft. „Wenn es soweit ist, dass die Menschen flüchten müssen, wird es hier keine Autos mehr zu kaufen geben“, weiß der 42-Jährige.

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Unterdessen hat Russland rund 300 Militärpolizisten aus seiner Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus nach Syrien verlegt. Die Einheiten sollen dabei helfen, die bewaffneten Kurden rund 30 Kilometer von der Grenze zur Türkei ins Landesinnere Syriens zurückzudrängen. Zudem sollten mehr als 20 Panzerfahrzeuge aus dem Süden Russlands nach Syrien verlegt werden. Die russischen Militärpatrouillen hätten die Aufgabe, die Sicherheit der Bevölkerung im Norden Syriens zu gewährleisten und für Ordnung zu sorgen, teilte das russische Verteidigungsministerium weiter mit.

Russische Militärpolizei patrouilliert in Amude

Siruan Hadsch Hossein hat die russische Militärpolizei auch in Amude beobachtet. „Zurzeit patroulliert sie dort und zeigt so Präsenz“, sagt er. Unternommen aber habe sie bislang noch nichts.

Die Türkei war vor mehr als zwei Wochen in Syrien einmarschiert, um die von ihr als Terrororganisation angesehene Kurdenmiliz YPG zu verdrängen. Bis Montag abend gilt ein Ultimatum für den Rückzug der Kurden.

Siruad Hadsch Hossein wird schon ab Samstag wieder auf dem Absprung sein. „In höchstens zwei Wochen werde ich wieder nach Syrien reisen“, sagt er. Bis dahin hofft er auf Europa, auf Deutschland. „Damit Minderheiten wie Christen und Kurden wieder in Frieden in Syrien leben können.“

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