Halterner Landwirte bitten auf dem Marktplatz um Respekt für ihre Arbeit

mlz„Land schafft Verbindung“

Mit einem Traktor, einem runden Tisch, Blühmischungen und leckerem Gebäck kamen Landwirte am verkaufsoffenen Sonntag in die Stadt. Sie warben für ihren Berufsstand - aber nicht als Opfer.

Haltern

, 02.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Demonstration in Berlin und einem Trecker-Flashmob machten sie erstmals auf sich aufmerksam. Nun, zum verkaufsoffenen Sonntag in Haltern, starteten 13 Halterner Landwirte der Bewegung „Land schafft Verbindung“ ihre nächste Aktion. Sie platzierten sich mit Berufskollegen im Herzen der Stadt, um auf die Bürger zuzugehen. „Viele Menschen wissen nicht, was wir Landwirte leisten, mit welchen neuen Verordnungen und Auflagen wir konfrontiert werden oder was wir für den Naturschutz tun“, sagt Markus Enstrup vom Orga-Team. Aufklärend zu wirken und Verständnis füreinander zu wecken, das war das Ziel der Aktion.

Landwirte wollen einen konstruktiven Dialog

„Wir wollen auf Augenhöhe mit den Verbrauchern diskutieren und nicht als Opfer“, sagt Georg Rohmann ganz deutlich. Wie Jan Bromenne bedauert auch er, dass die Landwirte zum Buhmann geworden sind, auch für Politiker. „Das Fass ist übergelaufen“, findet Jan Bromenne und deshalb sei ein konstruktiver Austausch mit den Bürgern wie nun in Halterns Innenstadt wichtig. „Wir rufen zu Tisch“, stand auf den gelben Warnwesten der Landwirte geschrieben.

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Halterner Landwirte bitten Bevölkerung um Respekt

Passanten ließen sich gern dazu einladen. Wie auch Mecky Novak: „Ich finde es gut, dass die Landwirte an die Öffentlichkeit gehen. Ich habe großen Respekt vor ihrer Arbeit.“ Wie sie nahm auch das Ehepaar Obst aus Ahsen tütchenweise Wildblütensamen mit, um selbst ein Statement für die Natur in ihren Gärten zu setzen. „Weil wir uns für gesunde Ernährung interessieren, interessieren wir uns auch für die Landwirtschaft“, sagte Christa Obst. Und die trete, so betonte Markus Enstrup, für Natur- und Umweltschutz ein.

Nachwuchs-Landwirte kommen ins Zweifeln

Landwirte suchen eine tragfähige wirtschaftliche Perspektive, sie fühlen sich aber durch die vielen negativen Schlagzeilen in die Enge getrieben. „Manchmal frage ich mich schon, wofür mache ich das?“, gesteht Nachwuchs-Landwirt Jan Brommene. Die Ausbildung zum Landwirt sei eine der vielseitigsten, die er kenne. „Wir müssen uns im Büromanagement auskennen ebenso wie im Umgang mit Gesetzen, der Pflanzenwelt, den Böden, den Nährstoffen und der Ernährung der Tiere.“ Jeder Tag sei anders und immer herausfordernd. Doch ihm macht die Arbeit auf dem Hof Spaß. Markus Enstrup bringt es auf den Punkt: „Wir bewirtschaften unsere Betriebe aus Leidenschaft.“ Natur nutzen und schützen, das gehöre dabei zusammen.

Die Solidarität unter den Landwirten ist groß, stellt Tobias Beermann fest. Gemeinsam wollen sie Vorurteile abbauen und sich der öffentlichen Debatte stellen. Die Aktionen gehen weiter.

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