Halterner Pater berichtet über das Leben in Japan nach der Katastrophe

Düsteres Tokyo

Trotz Trauer und Sorgen nach Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe versuchen die Japaner ihr Leben neu zu gestalten. Der in Haltern geborene Jesuitenpater Günther Kerkmann glaubt allerdings, dass es noch lange dauert, bis sich das Land tatsächlich von dem dreifachen Desaster erholt.

HALTERN/TOKYO

von Von Elisabeth Schrief

, 21.04.2011, 17:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
In ungewohnter Dunkelheit liegt der Stadtteil Higashi Shinbashi in Tokio am Donnerstag (17.03.2011). Erdbeben und Tsunami haben in weiten Teilen des Landes zu Versorgungsengpässen geführt.

In ungewohnter Dunkelheit liegt der Stadtteil Higashi Shinbashi in Tokio am Donnerstag (17.03.2011). Erdbeben und Tsunami haben in weiten Teilen des Landes zu Versorgungsengpässen geführt.

In Tokyo ist die Bevölkerung aufgerufen worden, Elektrizität zu sparen. Viel Reklame ist nicht mehr beleuchtet. „Tokyo macht einen viel düsteren Eindruck als früher. Die Rolltreppen an den Bahnhöfen stehen still. Überflüssige Beleuchtung ist abgeschaltet.“ Die Zeitungen und das Fernsehen berichten jeden Tag über die Situation im Katastrophengebiet. In den Notunterkünften ist die Situation immer noch schlimm. Die Leute wollen einfach nach Hause, aber die Regierung läßt das nicht zu wegen der Strahlengefahr. Die Jesuiten betreiben in Tokyo die Sophia Universität. „Vielleicht ist das für deutsche Leser schwer zu verstehen, aber in Japan gibt es neben den staatlichen Universitäten auch private. Eine davon ist die Sophia Uni.“

Sie hat ungefähr 10 000 Studenten. Davon sind nun 100 Studenten „Erdbeben-geschädigt“. Unter diese Kategorie fallen diejenigen, die entweder ihr Elternhaus oder deren Eltern ihre Erwerbsquelle verloren haben, z.B. ihr Geschäft oder ihren Arbeitsplatz. Von manchen Studenten sind auch die Eltern verstorben. Das heißt, dass diese Studenten nun Schwierigkeiten haben, ihr Studium zu finanzieren. An anderen Universitäten und Oberschulen werde die Lage nicht anders sein. „Dies ist ein Beispiel, dass das Erdbeben nicht nur auf das Katastrophengebiet beschränkt bleibt, sondern – im wörtlich Sinne des Wortes – weiterreichende Folgen hat“, schreibt Pater Günther Kerkmann nach Haltern.  

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