Halterner sauer über Corona-Anzeige: „Ich bin komplett fassungslos“

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Wegen eines Ausflugs in den Westuferpark mit seinem Sohn droht Klaus Reichelt ein Corona-Bußgeld. Nachvollziehen kann er die Begründung der Stadt nicht. Die verweist aber auf vier Zeugen.

Haltern

, 07.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich wollte Klaus Reichelt (51) am 26. April (Sonntag) nur mit seinem Sohn (11) ein bisschen Fußball im Westuferpark spielen. Etwa zehn Meter von den beiden entfernt hielten sich noch ein paar Jugendliche auf, erzählt der Halterner. Wenig später war noch eine Mutter mit ihren zwei Kindern im Park. Mitarbeiter vom Halterner Ordnungsamt und zwei Polizisten gesellten sich kurz darauf auch noch dazu - Klaus Reichelt und die Mutter erhielten eine Anzeige.

„Bei Kontrollen durch Ordnungsamtsmitarbeiter und der Polizei wurde eine Zusammenkunft von acht Kindern und Jugendlichen und zwei Erwachsenen in der Öffentlichkeit festgestellt“, heißt es in dem Brief, den Klaus Reichelt von der Stadt Haltern erhalten hat. „Ich bin komplett fassungslos“, sagt er. Eine Zusammenkunft hat es laut dem 51-Jährigen nicht gegeben. Er sei dort alleine mit seinem Sohn gewesen, die Jugendlichen hätten nichts mit ihnen zu tun gehabt und die Mutter mit ihren beiden Kindern habe nur kurz angehalten.

Halternerin: Begründung der Stadt „ist totaler Quatsch“

Als die Polizei und das Ordnungsamt dazu kamen, „haben die uns sofort herzitiert“, erzählt er. „Ich wusste gar nicht, was da jetzt kommt“, sagt Reichelt. Immerhin habe er nur alleine mit seinem Sohn und mit ausreichend Abstand zu den anderen Personengruppen gespielt. Die Jugendlichen hingegen „hatten nicht mal einen Meter Abstand zueinander“.

Das Ordnungsamt der Stadt Haltern schätzte die Lage allerdings ganz anders ein. Und daran hat sich auch nichts geändert. „Das deckt sich in keinster Weise mit unserer Darstellung“, sagt Georg Bockey, Sprecher der Stadt Haltern. Er verweist auf die zwei Mitarbeiterinnen des Ordnungsamtes und die zwei Polizisten, die vor Ort waren und eine „ganz andere Wahrnehmung“ der Situation hatten. Genaueres könne er allerdings nicht sagen, da es sich um ein schwebendes Verfahren handle. „Wir werden das jetzt bewerten“, erklärt er.

In dem Brief, den auch die Mutter erhalten hat, steht zudem, „die Erwachsenen haben Aufsicht am Rand des Sportplatzes gehalten“. Ein Satz, den beide Eltern nicht nachvollziehen können. „Das ist totaler Quatsch“, sagt die Mutter, die nicht namentlich genannt werden möchte. Als die Polizei und das Ordnungsamt kamen, „waren wir erst 20 Sekunden oder so da“. Sie habe mit ihren beiden Kindern eine Fahrradtour gemacht. Auf Höhe des Fußballplatzes hätten sie dann Klaus Reichelt und seinen Sohn gesehen, den ihre Kinder wiederum kannten.

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Ihre Familie halte sich bislang sehr strikt an das Kontaktverbot. „Die Kinder treffen keine Freunde, dann sehen sie mal einen und wollen zumindest ‚hallo‘ sagen“, erklärt sie den Grund für ihren kurzen Stopp im Westuferpark. Sie und ihre Kinder seien erst so kurz vor Ort gewesen, als die Polizei und das Ordnungsamt ankamen „hatten meine Kinder noch den Helm auf dem Kopf“, erzählt die Halternerin. Als die Beamten kamen, habe sie gedacht, sie würden erst mal die Lage sondieren, doch „sie wollten sofort unsere Ausweise“.

Mindeststrafe für Verstöße gegen die CoronaSchVO liegt bei 200 Euro

Der Polizist habe gesagt, dass sie einen Anruf bekommen hätten, in dem ihnen erzählt wurde, dass sich zu viele Personen im Park aufhalten würden, erklärt Klaus Reichelt. „Ich wollte die Sache erklären, aber ich kam gar nicht dazu“, sagt er. Sowohl gegen ihn als auch die Mutter könnte nun laut Anhörungsbogen „ein Bußgeldbescheid in Höhe von mindestens 200 Euro“ erlassen werden.

Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung (CoronaSchVO) können „als Ordnungswidrigkeiten mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro und als Straftaten mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren verfolgt“ werden. Auch das steht in dem Anhörungsbogen der beiden Beschuldigten. Bei dem Verstoß, der Klaus Reichelt und der Mutter vorgeworfen wird, würde die Strafe aber wahrscheinlich bei 200 Euro bleiben - sollte ein Bußgeldbescheid letztendlich wirklich erlassen werden. Für ein solches Vergehen „sind 200 Euro vorgesehen“, erklärt Georg Bockey. Doch er betont auch noch mal, dass die Bewertung des Falls noch aussteht.

Klaus Reichelt beschreibt sich selbst als einen zugänglichen Menschen. „Wenn man mir sagt, das geht nicht, dann sehe ich das auch ein“, erklärt er. Die Art und Weise, wie mit ihm und der Frau umgegangen wurde, sei aber nicht in Ordnung gewesen. Auch die Mutter hatte das Gefühl, dass ein Dialog nicht möglich war. „Man konnte mit denen überhaupt nicht reden.“

22 Corona-Verfahren gab es bislang in Haltern

Sie ist sich sicher, hätten alle Parteien kurz in Ruhe miteinander gesprochen, wäre die Sache schnell und ohne Probleme geklärt gewesen. „Sie hätten dann gesehen, dass wir gerade erst gekommen sind“, sagt die Halternerin. Den Hinweis auf ein Zusammentreffen im Park muss es aber bereits vor dem Eintreffen der Mutter und ihren zwei Kindern gegeben haben.

Solche Hinweise erreichen nicht nur die Polizei, sondern auch die Stadt selbst. „Wir kriegen immer mal wieder Hinweise im Ordnungsamt“, sagt Georg Bockey. Bisher sei die Stadt aber „noch sehr beratend unterwegs“, so wie er es auch bereits im Zuge der Ladenöffnungen am 20. April angekündigt hatte. Insgesamt gab es in Haltern bislang 22 Verfahren. Bislang sei es aber lediglich zu Anhörungen gekommen, verrät der Stadtsprecher.

Klaus Reichelt hofft nun, dass sich jemand von den Jugendlichen, die ebenfalls im Park waren, meldet, um die Sache aufzuklären. „Ich brauche die Jugendlichen als Zeugen“, sagt er.

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