Halterner Schülerin trat trotz Los-Zusage zurück

Eine, die hier blieb

Die Reise nach Spanien, die ein so fürchterliches Ende nahm, war begehrt. Welche Schüler mitfliegen durften, darüber wurde bereits im November per Los entschieden. Zwei Teilnehmer traten laut Schulleiter Ulrich Wessel von der Reise zurück. Für sie rückten Andere nach. Eine, die hier blieb, ist Melanie (Name von der Redaktion geändert).

HALTERN AM SEE

, 26.03.2015, 14:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Halterner Schülerin trat trotz Los-Zusage zurück

Haltern unter Schock: Menschen trauern vor dem Joseph-König-Gymnasium in Haltern. Foto: Marcel Kusch

„Ich habe realisiert, dass das Flugzeug abgestürzt ist. Alles andere nicht. Es ist wie ein schlechter Traum, aus dem man einfach nur erwachen möchte“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Die 16-Jährige gibt sich tapfer. Doch ihr Blick wirkt traurig und leer. Der Schock sitzt immer noch tief. Natürlich falle es ihr schwer, ihre Gefühlslage zu beschreiben. „Ich habe alle Schüler und die beiden Lehrerinnen, die in dem Flugzeug saßen, gekannt. Zwei gute Freundinnen von mir sind unter den Opfern. Dass sie nicht mehr wiederkommen, das will ich einfach nicht glauben. Es ist so schrecklich.“

Teilnahme an Studienreise abgesagt

Schon wenige Tage nach der für sie erfolgreichen Verlosung habe sie ihre Teilnahme an der Fahrt zu den Austauschschülern in Spanien wieder abgesagt, erinnert sie sich. Zum einen, weil sich niemand um ihr junges Pferd, dass sie seit etwa einem Jahr besitzt, während ihrer Abwesenheit hätte kümmern können. Zum anderen, weil sie in den vergangenen Jahren schon an zwei Austauschprogrammen in Polen und Frankreich teilgenommen hatte.

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Dadurch, erzählt Melanie, sei sie letztlich zu der Entscheidung gekommen, zurückzutreten. „Ich wollte lieber einem anderen Schüler die Chance geben. Muss ich mir Schuldvorwürfe machen? Ich hatte es doch nur gut gemeint.“ Zum Glück, sagt sie, habe sie nicht erfahren, wer ihren Platz anschließend bekommen hat. Auch eine Lehrerin, so die Jugendliche, sei von ihrer geplanten Teilnahme zurückgetreten.

 

Von der Nachricht, dass ein Flugzeug abgestürzt ist, habe sie von einer Freundin morgens im Unterricht erfahren. „Dann kam die Durchsage des Schulleiters, der uns mitteilte, dass der weitere Unterricht ausfällt, weil möglicherweise etwas Schlimmes passiert sei.“

Im weiteren Verlauf des Tages bestätigten sich schließlich ihre schlimmsten Befürchtungen. Bei ihrer Familie habe sie danach Halt gefunden. „Wir haben uns zusammengesetzt, miteinander geredet. Alle haben geweint“, erzählt sie. Gestern, am Tag danach, sei es in der Schule ähnlich traurig zugegangen. Melanie: „Es war ungewohnt still. Jeder fühlt mit.“ In der Schule habe sie sich mit Freunden, Lehrern und Seelsorgern austauschen können. „Das hat gut getan.“  

Aus gegebenem Anlass bieten wir die Donnerstagsausgabe der Halterner Zeitung zum kostenlosen Download an:

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